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Cochem/Koblenz

Camperin missbraucht: Gab es einen Dritten?


David Ditzer

Gab es einen ominösen dritten Mann, der an der brutalen sexuellen Nötigung einer jungen Niederländerin beteiligt war, die sich im September vergangenen Jahres auf dem Campingplatz am rechten Moselufer in Cochem ereignet hat? Unter anderem diese Frage warf der zweite Verhandlungstag am Landgericht Koblenz im Prozess gegen einen 29-jährigen Matrosen auf, der die sexuell motivierte Gewalttat begangen haben soll (die RZ berichtete). Geprägt war der Tag von Aussagen – unter anderem der Polizisten, die den Matrosen kurz nach der Tat in Gewahrsam genommen hatten. Und von einem gescheiterten Einigungsversuch, von dem die Vorsitzende Richterin, Anke Schenkelberg, zu Beginn berichtete.

Dem Angeklagten werden die Handschellen im Gerichtssaal abgenommen. Er soll eine Camperin in Cochem brutal sexuell genötigt haben.  Foto: Andreas Walz
Dem Angeklagten werden die Handschellen im Gerichtssaal abgenommen. Er soll eine Camperin in Cochem brutal sexuell genötigt haben.
Foto: Andreas Walz

Die Verteidiger des Angeklagten, die Rechtsanwälte Stefan Schmidt und Mark Neugebauer, suchten nach dem Prozessauftakt am 13. März das Gespräch mit Oberstaatsanwalt Sven von Soosten. So gab es Richterin Schenkelberg im Saal 137 des Landgerichts Koblenz wieder. Gegenstand des Gespräches: Könnte man sich im Falle eines Geständnisses ihres Mandanten womöglich auf einen minderschweren Fall von sexueller Nötigung einigen – und auf ein Strafmaß von fünf bis sieben Jahren? Schließlich sei ihr Mandant infolge seines Alkohol- und Drogenkonsums allenfalls vermindert schuldfähig. Darauf stieg die Staatsanwaltschaft nicht ein. Die Frage der Schuldfähigkeit sei mithilfe eines entsprechenden Gutachtens zu klären.

In diesem Sanitärgebäude des Campingplatzes am Moselufer in Cochem-Cond wurde eine junge Frau überfallen.  Foto: David Ditzer
In diesem Sanitärgebäude des Campingplatzes am Moselufer in Cochem-Cond wurde eine junge Frau überfallen.
Foto: David Ditzer

Was sich mithilfe der Auswertung einer Blutprobe, die dem Angeklagten kurz nach dem Verbrechen entnommen worden war, schon mal klären ließ: Der Angeklagte hatte einen Blutalkoholwert von 1,0 Promille, zudem hatte er Amphetamine sowie Haschisch oder Marihuana konsumiert. Doch um welche Vorwürfe geht es?

Am frühen Mittwochmorgen, 20. September 2017, soll der Angeklagte eine Urlauberin aus den Niederlanden in einem Sanitärgebäude des Campingplatzes in Cochem zunächst mit einem etwa ein Meter langen Holzpfahl brutal zusammengeschlagen haben. Anschließend zerrte er sie laut Staatsanwaltschaft in eine Toilette. Dort zwang er sie unter der Androhung, sie zu töten, zu einschlägigen sexuellen Handlungen. Zum Geschlechtsverkehr kam es jedoch nicht, weil der Freund des Opfers, der seine Freundin nach einer Weile vermisste, ihr zur Hilfe kam. Er schlug den Täter mit der Faust ins Gesicht – und in die Flucht. Zwei Beamte der zwischenzeitlich alarmierten Cochemer Polizei griffen den Angeklagten auf, als er einen Maschendrahtzaun um das Campingplatzgelände von außen nach innen überkletterte.

Gegenüber der Polizei und gegenüber einem Arzt, der im Cochemer Krankenhaus Schürfwunden und Prellungen des Angeklagten versorgt hatte, beteuert dieser stets seine Unschuld. Er habe der überfallenen Frau nur helfen wollen. Er sei in einem Kampf mit dem eigentlichen Vergewaltiger verletzt worden. Und vor diesem sei er selbst geflohen.

Eine Kriminalpolizistin, die später ausländische Zeugen auf dem Campingplatz vernahm, sagte, diese wollten nach der Tat außer dem Opfer zwei männliche Personen gesehen haben, die weggelaufen seien. Eine davon sei komplett nackt gewesen. Auf Basis der Spuren, unter anderem des Handys des Anklagten, das der Freund des Opfers der Polizei zufolge als das des Täters identifizierte, sah die Polizei jedoch keine Veranlassung, nach einem dritten Mann zu fahnden. Schon eine erste Überprüfung der Identität des Angeklagten ließ die Polizei an seiner Version der Ereignisse zweifeln. Unter anderem war er im Januar 2011 vom Amtsgericht Saarburg schon zu einer Geldstrafe wegen exhibitionistischer Handlungen verurteilt worden. Die Verteidiger des Angeklagten führten unidentifizierte DNA-Spuren auf einem Oberschenkel an, um die Anwesenheit eines weiteren Mannes zu belegen. Das Gericht unterband dies jedoch, da die DNA-Spuren noch nicht als Beweismittel eingeführt seien. Was die Verteidigung in diesem Kontext jedoch ebenfalls schon eingestehen musste: Im Vaginalbereich des Opfers befanden sich DNA-Spuren ihres Mandanten.

Der Prozess wird am Donnerstag, 5. April, um 11 Uhr mit der Vernehmung von Zeugen fortgesetzt.

Von unserem Redakteur David Ditzer

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