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Remagen

Geplantes Remagener Luxushotel: Bürgermeisterkandidaten zweifeln

Judith Schumacher

Kommt es nun, oder kommt es doch nicht, das geplante Vier-Sterne-Hotel The Bridge neben den geschichtsträchtigen Türmen der Ludendorffbrücke in Remagen? 40 Millionen Euro soll das Vorhaben kosten, das Hotelentwickler Tom Krause und Architektin Astrid Bohne entworfen haben.

Neben den Türmen der Remagener Ludendorffbrücke soll ein Vier-Sterne-Hotel gebaut werden. Doch noch immer ist die Skepsis groß.
Neben den Türmen der Remagener Ludendorffbrücke soll ein Vier-Sterne-Hotel gebaut werden. Doch noch immer ist die Skepsis groß.
Foto: Christian Koniecki

Während Noch-Bürgermeister Herbert Georgi und Alt-Stadtchef Hans Peter Kürten optimistisch sind, überwiegen bei einigen der fünf Bürgermeisterkandidaten die Zweifel.

Dem Grünen-Kandidaten Björn Ingendahl liegen Informationen vor, nach denen es noch keinen Investor und keinen Betreiber für das Hotel gibt, jedoch Investoren aus Panama und den Vereinigten Arabischen Emiraten im Gespräch waren oder seien. Man müsse höllisch aufpassen, dass jemand Seriöses ins Boot geholt werde.

Und darauf, dass – wenn der Hotelbetrieb sich nicht lohne – nicht alles in hochpreisige Appartements umgewandelt würde. Remagen brauche bezahlbaren Wohnraum. Ingendahl fragt sich, ob Remagen noch ein Hotel braucht. Es sei jedoch gut, wenn das Umfeld des Brückenmuseums durch Gastronomie und Wellnessbereiche aufgewertet und zu einem noch attraktiveren Anziehungspunkt gemacht würde.

Auch für Gereon Wickord (parteilos) ist in Sachen Hotelbau „größte Vorsicht geboten. Es gilt nun, die Weichen zu stellen, dass in jedem Fall verhindert wird, dass dort nur noch teure Appartements entstehen, falls das Hotel sich nicht lohnt.“ Hierfür müsse eine Baugenehmigung mit entsprechenden Auflagen versehen werden: „Man könnte sagen: Wenn ihr das macht, dann zahlt ihr als Strafe eben fünf Millionen Euro in die Stadtkasse ein, was dem Schuldenabbau zugutekäme.“

Peter Wyborny (Wählergruppe Remagen) sagt: „Ich habe für das Hotel gestimmt, weil so etwas in Remagen fehlt, wenn es wirklich ein Hotel wird. Doch es muss wirtschaftlich tragfähig sein.“ Mehr als ungeschickt findet er, noch vor dessen Realisierung ein Konkurrenz-Hotel in der Innenstadt durchzuwinken. Allein aufgrund des Grundrisses des geplanten Brücken-Hotels geht auch er davon aus, dass vermeintliche Investoren, deren Identität noch nicht geklärt sei, beabsichtigen könnten, anstelle des Hotels teure Wohnungen in unmittelbarer Nähe zum Friedensmuseum zu bauen. Außerdem warnt er: „Beim Projektentwickler wäre ich nach meinen Internetrecherchen vorsichtig. Der kommt eher als Paradiesvogel rüber.“

Keine Bedenken hat Walter Köbbing (CDU): „Nach den ersten Entwürfen waren wir als Kommunalpolitiker von der Optik erst einmal erschlagen angesichts der Größe des Objekts.“ Doch die Pläne seien modifiziert worden und alle Gremien der Stadt sowie die Denkmalpflege sähen keine Hindernisse.“ Er zweifelt nicht, dass es Bedarf für ein solches Hotel gibt.

121 Doppelzimmer und Suiten, 40 Millionen Euro schwer: So stellt sich Projektentwickler Tom Krause das Brückenhotel The Bridge vor.
121 Doppelzimmer und Suiten, 40 Millionen Euro schwer: So stellt sich Projektentwickler Tom Krause das Brückenhotel The Bridge vor.
Foto: privat

Viel zu oft hätten ihm Firmen berichtet, dass diese Schwierigkeiten bei der Unterbringung größerer Delegationen hätten. Profitieren könnten von dem geplanten Gastronomie- und Wellnessbereich nicht nur Besucher des Friedensmuseums und Touristen, sondern auch Remagener.

Auch für Sabine Junge (SPD) liegt auf der Hand: „Der Neubau eines hochwertigen Hotels mit Tagungsmöglichkeiten ist ein Segen für die Stadt Remagen.“ So könnten Geschäftspartner der Remagener Gewerbetreibenden in der Stadt untergebracht werden und Wochenendtouristen wie Urlauber eine weitere Unterkunft in der Stadt am Rhein finden. Junge sieht in der Nähe zur Kölner Messe sowie bei Großveranstaltungen in Bonn ebenfalls einen großen Vorteil: „Es ist ein Gewinn für die Stadt und auch für die touristische Entwicklung.“

Herbert Georgi, seit 2002 Bürgermeister von Remagen, sagt: „In Sachen Brückenhotel wurden viele Luftschlösser bis hin zum Baumhotel gebaut. Das hier ist das erste Projekt, das so ernsthaft und mit so viel Aufwand betrieben wurde.“ Deshalb verdiene das Vorhaben eine positive Betrachtung. Je länger die Planungen gediehen seien, desto stärker wäre seine anfängliche Skepsis verhaltenem Optimismus gewichen.

Seit fünf Jahren seien die Projektentwickler mit den Planungen beschäftigt, hätten schon jetzt einige Gelder investiert. Und sie müssten nun, da sich die Generaldirektion Kulturelles Erbe wegen möglicher römischer Funde eingeschaltet hat, noch 400.000 Euro für die Ausgrabungen zahlen.

Angesprochen auf den Ruf des Architekturbüros von Krause und Bohne, den Kandidat Wyborny als Paradiesvogel bezeichnet, sagt Georgi: „Diesen Ruf hatte das Büro schon immer. Es gibt große Projekte, die es realisiert hat und andere, die skandalträchtig begraben wurden.“ Sorgen, dass das Brückenhotel im Fall einer zu geringen Gäste-Auslastung komplett in hochpreisige Wohnungen umgewandelt würde, teilt er nicht: „Ein Scheitern des Hotels zieht keinen Automatismus in dieser Richtung nach sich.“ Für einen solchen Fall müsse eine Nutzungsänderung beantragt und in den Ausschüssen und im Stadtrat beraten werden. Zudem sei hochpreisiger Wohnraum, direkt am Rhein gelegen, hochbegehrt. Grundsätzlich begrüßt Georgi den Hotelkomplex an der Brücke, von dem laut Planung 20 Prozent als Wohnraum genutzt werden sollen, als „wichtige Ergänzung der touristischen Infrastruktur“.

Remagens Altbürgermeister Hans Peter Kürten sieht das Vorhaben als Begründer des Friedensmuseums als „echte Bereicherung. Ich würde mich freuen, wenn es bald los gehen würde.“ Eher kritisch sieht er dagegen, dass in dem Komplex Wohnungen entstehen sollen.

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, dass Hotel würde 40.000 Millionen Euro kosten. Es ist zwar teuer, aber so teuer dann auch wieder nicht. Natürlich kostet es "nur" 40 Millionen Euro. Wir haben diesen Fehler verbessert.

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