Koblenz

Der Synodale Weg und die Frauen

Die Vorsitzende des Forums zur Sexualität beim Synodalen Weg zieht Zwischenbilanz. Birgit Mock ist neben Bischof Dr. Helmut Dieser Co-Vorsitzende des Forums „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“ beim Synodalen Weg der katholischen Kirche in Deutschland.

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Das Foto zeigt die Referentin Birgit Mock (Mitte) mit Theodora Wenzel vom KDFB-Zweigverein Koblenz (links) und der KDFB-Diözesanvorsitzenden Dr. Jutta Mader (rechts).
Das Foto zeigt die Referentin Birgit Mock (Mitte) mit Theodora Wenzel vom KDFB-Zweigverein Koblenz (links) und der KDFB-Diözesanvorsitzenden Dr. Jutta Mader (rechts).
Foto: Stefan Endres/Bistum Trier

Bei einem Vortrag beim Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) in Koblenz hat Mock Einblicke in die letzte Synodalversammlung gegeben, die wegen des gescheiterten Grundtextes zur katholischen Sexualmoral für großes Aufsehen sorgte. Ihre persönlichen Synodal-Erlebnissen bewegen sich zwischen „riesiger Enttäuschung“ und dem Gefühl „historischer Erfolge“. Die mangelnde Zustimmung der Bischöfe zum Grundtext zur katholischen Sexualmoral sei für die meisten Synodalen eine große „Erschütterung und ein Desaster“ gewesen, berichtete Mock über das zentrale Ereignis bei der vierten Vollversammlung Anfang September. Es sei von den Bischöfen „verantwortungslos“ gewesen, einen so zentralen Text über die Neubewertung der Sexualität scheitern zu lassen, sagte Mock mit Blick auf den Macht- und sexuellen Missbrauch in der Kirche als Ausgangspunkt für den Synodalen Weg. Verärgert zeigte sich die Referentin, die eine der Vize-Präsidentinnen des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) ist, auch über das Verhalten einiger Bischöfe, die im Vorfeld nicht Stellung bezogen und ein Scheitern provoziert hätten. Gegenüber den besonders enttäuschten Synodalen des Forums zur Sexualität, darunter zahlreiche nicht heterosexuelle und nicht binäre Personen, hätten nach der gescheiterten Abstimmung viele ihre Solidarität gezeigt – was dazu geführt habe, dass die Versammlung weiter ging. Nach vorherigen Aussprachen unter den Bischöfen mit Probeabstimmungen seien die folgenden Texte angenommen worden, darunter der Grundtext zur Gleichberechtigung für Frauen. „Das war historisch und nur möglich geworden durch das Desaster des Vortages“, zeigte sich Mock überzeugt.

Dass einige Bischöfe den abgelehnten Text zur Sexualmoral in ihren Bistümern dennoch umsetzen wollen, freue sie sehr, betonte Mock, die auch dem Bundesvorstand der KDFB angehört und Geschäftsführerin des Bonner Hildegardis-Vereins zur Förderung akademischer Bildung von Frauen ist. Das Grundlagenpapier betone die Sexualität in ihrer Diversität als ein Geschenk Gottes und markiere damit einen kirchlichen „Paradigmenwechsel“. Im Austausch mit den Zuhörerinnen des Abends sprach Mock von der Verantwortung der Kirche gegenüber queeren Menschen mit ihrer jeweiligen sexuellen Identität und der Bedeutung, die dabei die persönliche Begegnung spiele. Während sie einen entsprechenden Lernprozess bei den Bischöfen beobachte, sei das „an der Basis bereits klar“, bestätigte die Neuwiederin die Erfahrungen einiger Teilnehmerin aus ihrer Praxis, beispielsweise in der Katechese. Sie empfahl das Buch „Die Kunst zu lieben. Unterwegs zu einer neuen Sexualethik“ des verstorbenen Mitglieds im Forum Sexualität, Eberhard Schockenhoff, sowie das Buch „Katholisch und Queer“ mit Lebenszeugnissen entsprechender Menschen.

Die Zuhörerinnen und die KDFB-Diözesanvorsitzende Dr. Jutta Mader wünschten ihr und dem Synodalen Weg „Kraft und Mut und einen langen Atem, um weiterzumachen, denn sonst kann nichts verändert werden“. Der Abend war Auftakt für die neue Reihe „Frauen im Gespräch“, die die KDFB gemeinsam mit der Katholischen Erwachsenenbildung Koblenz organisiert. Weiter Infos und Programm gibt es im Internet unter www.keb-koblenz.de.

Pressemitteilung: Bischöfliche Pressestelle Trier, Redaktion Koblenz

Archivierter Artikel vom 30.09.2022, 11:13 Uhr