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Cochem/Koblenz

Missbrauchsfall von Cochem: Wie Google den Ermittlern hilft

David Ditzer

Überführt ein Handy den Matrosen (29), der im September vergangenen Jahres eine junge Urlauberin auf dem Campingplatz in Cochem-Cond überfallen, mit einem Holzpfahl zusammengeschlagen und zu einschlägigen sexuellen Handlungen gezwungen haben soll? Am zweiten Prozesstag vor der 14. Strafkammer des Landgerichts Koblenz spielte das Mobiltelefon des Angeklagten jedenfalls eine wichtige Rolle. Es lieferte den Ermittlern Erkenntnisse darüber, wo sich der Angeklagte kurz vor der Tat aufgehalten und wozu er sein Handy genutzt hat.

Standardmäßig zeichnen Androidhandys den Standortverlauf seines Eigentümers auf. So war es auch im Falle des Matrosen, der im September vergangenen Jahres ein junge Frau auf dem Campingplatz in Cond sexuell genötigt haben soll. Die Daten spielen vor Gericht eine wichtige Rolle.
Standardmäßig zeichnen Androidhandys den Standortverlauf seines Eigentümers auf. So war es auch im Falle des Matrosen, der im September vergangenen Jahres ein junge Frau auf dem Campingplatz in Cond sexuell genötigt haben soll. Die Daten spielen vor Gericht eine wichtige Rolle.
Foto: Kevin Rühle

1 Welche Art von Handydaten hat die Polizei abgefragt? Im Zeugenstand führte der Ermittlungsleiter von der Kriminalpolizei Mayen aus, bei den Daten handele es sich zum einen um Geodaten vom 19. und 20. September vergangenen Jahres, die das Mobiltelefon automatisch aufgezeichnet habe. Sie erlauben es festzustellen, wo sich der Angeklagte zu welchem Zeitpunkt aufgehalten hat, sofern er sein Mobiltelefon eingeschaltet bei sich trug. Zum anderen haben Ermittler der Polizei Daten abgefragt, die belegen, welche Internetsuchanfragen der Angeklagte gestellt und welche Webseiten er besucht hat – unmittelbar bevor sich die Tat auf dem Cochemer Campingplatz ereignete (gegen 2 Uhr am Morgen des 20. Septembers).

2 Was ergibt die Auswertung der Daten? Verbindet man die einzelnen Geopunkte miteinander, ergibt sich eine Route, die der Angeklagte zurückgelegt hat. Unter anderem lässt sich erkennen, wie der Angeklagte mit dem Personenschiff, auf dem er arbeitete, von Koblenz aus in Cochem eintraf, wo das Schiff vor Anker ging. Die Route belegt jedoch auch, dass der Angeklagte am Abend des 19. Septembers eine Kneipe in der Cochemer Altstadt besuchte. Ebenfalls lässt sich der Rückweg des Angeklagten von der Kneipe in Richtung Schiffsanleger und Campingplatz rekonstruieren. Zudem suchte der Anklagte von 23.06 Uhr an mit seinem Handy im Internet circa 1,5 Stunden lang nach Stichwörtern wie „Sex in Cochem“ oder nach Prostituieren in Cochem, sagte der Ermittlungsleiter im Gerichtssaal. Die letzten Daten wurden um 1.39 Uhr am 20. September protokolliert.

3 Was folgern die Ermittler sonst noch aus den Daten? Zusätzlich zu den Handydaten haben die Ermittler von der Sparkasse die Information bekommen, dass der Angeklagte in der Nacht vom 19. auf dem 20. September zwei Mal Geld abgehoben hat. Das erste Mal war um 22.59 Uhr am Geldautomaten, der sich am Cochemer Verkehrsamt befindet. Zum zweiten Mal zog der Angeklagte sich an einem Automaten in der Filiale der Sparkasse Geld, und zwar um 0.50 Uhr. Dabei wurde er auch von einer Überwachungskamera gefilmt. Die Bargeldabhebungen und die Internetaktivitäten legen zumindest die Vermutung nahe, dass der Angeklagte auf die Befriedigung sexueller Bedürfnisse aus war.

4 Was geschah nach der Tat mit dem Handy des Angeklagten? Der Angeklagte selbst behauptete der Polizei gegenüber, er habe sein Handy auf der Flucht vor dem eigentlichen Verbrecher, der sich an der Camperin verging, verloren. Einer der Polizisten, die zuerst am Tatort waren und den Angeklagten beim Überklettern eines Zaunes am Campingplatz beobachteten, sicherte es in Tatortnähe als Beweisstück. Der Freund des Opfers, der den Täter in die Flucht schlug, sagte der Polizei, das Handy gehöre dem Täter. Der Polizist, der das Handy sicherte und ebenfalls vor Gericht aussagte, fragte den Angeklagten nach der Tat, ob er ein Handy bei sich habe. Dieser bejahte, konnte das Mobiltelefon jedoch nicht vorweisen. Seine Beschreibung desselben deckte sich aber mit dem zuvor sichergestellten Gerät.

Von unserem Redakteur David Ditzer

Aufzeichnung ist Standard

Für die Verwendung eines Handys, das mit dem Betriebssystem Android läuft, benötigt man ein Nutzerkonto bei dem Internetdienstleister Google. Sofern der Nutzer es in den Standardeinstellungen des Handys nicht bewusst deaktiviert, protokolliert Google Maps den Standortverlauf. Das heißt, dass Satelliten von Zeit zu Zeit orten, wo sich das Handy des Nutzers befindet.

Es „loggt“ die Daten mit, führt also quasi ein Standorttagebuch. Die entsprechenden KML-Dateien hat die Polizei für den Angeklagten, der sich für die brutale sexuelle Nötigung auf dem Cochemer Campingplatz vom September vergangenen Jahres aktuell vor Gericht verantworten muss, bei Google angefordert. Ebenso geht aus Googleaufzeichnungen hervor, welche Internetseiten der Angeklagte kurz vor der Tatzeit besucht hat. dad

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