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    Steinebach/Koblenz

    Bluttat in Steinebach: Hat ein Zeuge etwas verheimlicht?

    Hat einer der wichtigsten Zeugen (18) der Bluttat von Steinebach etwas verheimlicht? Der Leiter der Koblenzer Mordkommission erklärte im Prozess in Koblenz, er hatte den Eindruck, der Zeuge habe ihm nicht alles gesagt, was er wusste.

    Von unserem Redakteur Hartmut Wagner

    Jetzt, am siebten Prozesstag, haben die Anwälte des Angeklagten (19), Philipp Grassl und Uta Tiemann, beantragt, dass der Zeuge erneut im Prozess vernommen wird. Und: Sie fordern, dass die Mitschriften seines Vaters, die dieser am ersten Prozesstag im Gerichtssaal erstellte, im Prozess verlesen werden. Sie glauben, der Vater wollte die Mitschriften seinem Sohn geben, damit er sie später bei seiner eigenen Aussage berücksichtigen kann.

    Doch das Gericht stellte die Mitschriften sicher. Die Bluttat von Steinebach: Laut Anklage verübte der 19-Jährige aus dem Raum Rhens (Kreis Mayen-Koblenz) einen Totschlag. Er besuchte demnach am Abend des 19. April 2014 eine Party an der Grillhütte in Steinebach und geriet mit einem Gast in Streit. Beide gingen zu Boden, wobei das spätere Opfer auf den Angeklagten fiel. Da zog der Angeklagte ein Messer und stach auf seinen Kontrahenten ein. Ein 14 Zentimeter tiefer Halsstich war tödlich - so die Anklage. Der 19-Jährige hat die Tat gestanden. Aber er will in Notwehr zugestochen haben, da das spätere Opfer ihn schlug.

    Auch der Zeuge, der vielleicht erneut im Prozess aussagen muss, habe ihn getreten. Am Montag sagte im Prozess ein Berufsschullehrer (34) des Angeklagten aus. Er bezeichnete ihn als „absolut vorbildlichen Schüler", als „Vorzeigeschüler, wie man ihn sich vorstellt". Er kenne ihn aus den Fächern Bautechnik und Sport. Der Angeklagte habe „bei Streit eher geschlichtet". Auffallend: Auch das Opfer der Bluttat war laut den Aussagen mehrerer Zeugen ein „Schlichtertyp".

    Das Gericht nutzte den Prozesstag, um den Angeklagten einer Art Gesinnungstest zu unterziehen - weil er Bilder „aus der rechten Ecke" im Internet verbreitete, zur Tatzeit kurz rasierte Haare trug und sich den Namen der Band Böhse Onkelz auf den Arm tätowieren ließ. Die Schwester (17) des Angeklagten erklärte, die Bilder im Netz könne sie sich nicht erklären, die Frisur und der Musikgeschmack ihres Bruders seien aber nicht politisch zu verstehen. Ihr Bruder wollte für die CDU in den Gemeinderat, habe mit dem Vater am Wochenende Mathematik gebüffelt, mit der Mutter über Politik diskutiert und mit Freunden Poker gespielt. Wenn die Familie den Angeklagten im Gefängnis besucht, würden bei ihm Tränen fließen. „Es wäre sehr viel besser, wenn er das alles zu Hause verarbeiten könnte."

    Ein Arbeitskollege (54) des Angeklagten sagte - wortgleich wie der Berufsschullehrer - über den Angeklagten: „Ich kann nichts Negatives über ihn sagen." Er sei morgens stets pünktlich, bei der Arbeit gewissenhaft, freundlich und gar nicht aggressiv. „Er war ein guter Kerl mit guten Noten." Der Prozess geht am 4. Dezember weiter.

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