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Koblenz

Stadtbad zu: Die Folgen müssen alle ausbaden

Dienstagmorgen, 6.30 Uhr. Einige Freizeitsportler warten bereits darauf, dass das Beatusbad öffnet und sie vor dem Ansturm der Schulen in Ruhe ihre Bahnen ziehen können. Seit das völlig marode Stadtbad in der Weißer Gasse aus Sicherheitsgründen geschlossen ist, muss das Hallenbad in der Goldgrube als Ersatz für die Hobbyschwimmer herhalten.

Freizeitschwimmer, Schulklassen und die Sportvereine müssen sich das Beatusbad teilen – richtig gut geht es damit keiner der Gruppen. Dennoch arrangieren sich alle mit der Situation, so gut es geht.
Freizeitschwimmer, Schulklassen und die Sportvereine müssen sich das Beatusbad teilen – richtig gut geht es damit keiner der Gruppen. Dennoch arrangieren sich alle mit der Situation, so gut es geht.
Foto: Katharina Demlei

Sie müssen sich beeilen. Denn zwischen 7 und 8 Uhr steht das komplette Becken der Öffentlichkeit zur Verfügung – bis zur Schließung um 21 Uhr sind es danach dann nur noch zwei der insgesamt sechs Bahnen.

Dann drängen sich die Schüler in den engen Gang vor den Umkleidekabinen. Da eine Sammelumkleidekabine für die Allgemeinheit gesperrt ist, verteilen sich bis zu 100 Kinder und Jugendliche auf die verbliebenen zwei Kabinen. "Hier ist es oft chaotisch und vor allem laut", sagt Schwimmmeister Oliver Jaksek.

Auch in den Becken geht es beengt zu. "Gerade mit Anfängern, die am Rand üben müssen, ist es sehr schwierig", berichtet Annette Palfalvi, Sportlehrerin am Eichendorff-Gymnasium. Kollege Gerrit Schützner meint: "Nach dem Leistungsstand differenzieren kann man so nicht mehr." Auch Dirk Johann, Leiter der Bischöflichen Realschule, sieht sich nicht mehr in der Lage, Kindern sichere Schwimmtechniken beizubringen.

Zwar würde versucht, flexibel zu reagieren, wenn die beiden Bahnen für die Öffentlichkeit gerade nicht genutzt werden. "Aber sobald Schwimmer kommen, müssen die Schüler wieder zurück. Zudem brauchen ältere Gäste auch einen Rand, um sich festhalten zu können, und es fehlen Einstiegsleitern", berichtet Oliver Jaksek.

Seiner Erfahrung nach ist ohnehin guter Betrieb auf den öffentlichen Bahnen. "Es kann zwar mal sein, das für 15 Minuten gar keiner schwimmt, aber meistens sind mehrere Sportler da", so der Schwimmmeister. Abschreckend wirke auf viele Badegäste allerdings der Geräuschpegel. Auch fehlende Parkmöglichkeiten und die Gebühren dafür, die im Stadtbad entfielen, machen den Freizeitschwimmern zu schaffen.

Trotz aller Versuche, sich zu arrangieren, leiden auch die Vereine. Zwei Bahnen weniger stehen ihnen zur Verfügung. Gruppenumstrukturierungen, geänderte und gekürzte Trainingszeiten, abgesagte Schwimmkurse und Aufnahmestopps sind die Folge. "Wenn Kinder bei uns schwimmen gelernt haben, können wir sie nicht weiter aufnehmen. Das ist ein Desaster, weil so weniger Kinder richtig schwimmen lernen", sagt Paul Günther, Vorsitzender des SC Poseidon. Bei den Leistungssportlern sind komplette Trainingseinheiten weggefallen, Gruppen mussten zusammengelegt werden. "Frust macht sich breit, weil die Fortschritte leiden. Die Flexibilität, die der Leistungssport braucht, fehlt", betont Paul Günther, der Leistungsabfall und Mitgliederschwund in seinem Verein befürchtet. Austritte hat es beim Post SV bereits gegeben. "Kinderkurse mussten an die Uni verlegt werden, das passt nicht allen Eltern", sagt Frank Wolfram, Leiter der Schwimmabteilung. An den Trainingstagen drängelten sich bis zu 16 Kinder auf eine Bahn. "Das ist zu viel", klagt Wolfram.

Auch der 1. Koblenzer Schwimmverein 1903 musste die Ausbildung für Kinder am Samstagnachmittag absagen. "Nur für Vorschulkinder gibt es im bisherigen Umfang Schwimmkurse, aber im Moment dauert die Wartezeit dafür ein Jahr", berichtet Michael Heisser, sportlicher Leiter des 1. KSV. Im Leistungssport sei es gelungen, durch eine Umstellung des Trainingskonzeptes die Einschränkungen weitgehend zu kompensieren. "Allerdings gibt es enorme Probleme bei der Durchführung von Meisterschaftsrunden, die Pflicht sind", sagt Heisser, der durchaus Verständnis für die Bedürfnisse der Allgemeinheit hat.

Auch Manfred Weber hat Verständnis – für die Schulen und Vereine. Fast täglich schwimmt der Koblenzer im Beatusbad. Jetzt hat er eine Unterschriftenaktion initiiert, um zu verhindern, dass der Öffentlichkeit noch eine weitere Bahn weggenommen wird. Rund 300 Koblenzer haben sich bereits eingetragen. Manfred Weber ärgert sich: "Wir baden die Fehler der Verwaltung der vergangenen Jahrzehnte aus. Es besteht dringender Handlungsbedarf."

Katharina Demleitner

Koblenz
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