Archivierter Artikel vom 31.12.2012, 08:00 Uhr

Kultur: 2013 scheidet in Wagner-Liebhaber und -Verächter

Götterdämmerung ist sicher Kultur 2013 scheidet in Wagner-Liebhaber und -Verächter Claus Ambrosius prophezeit: Im neuen Jahr kommt man um den Bayreuther Meister nicht herum.

Wer für kulturelle Höhepunkte des kommenden Jahres in die Glaskugel blickt, bekommt als Begleitmusik entweder Verdi oder Wagner gespielt: 2013 wird der Geburtstag der beiden großen Opernkomponisten begangen, und kaum ein Theater lässt es sich nehmen, im Jubiläumsjahr ein oder mehrere Werke der Granden auf den Spielplan zu setzen. In Deutschland liegt dabei der große Schwerpunkt auf dem Werk Richard Wagners, der ja schon in Nicht-Jubiläumsjahren die Geister spaltet.

Im kommenden Jahr wird es arg für Wagner-Verächter: Überall herrscht Wagner-Wahn, Leipzig, Dresden und natürlich die Festspielstadt Bayreuth feiern ganz im Zeichen des Meisters, der neben seinem Opernwerk auch allerhand schwer verdauliche Pamphlete hinterlassen hat und dessen Nachfahren und -Eiferern im Aufblühen der NS-Bewegung und im „Dritten Reich“ eine unrühmliche Rolle zukommt. Daran wird man sich ebenso reiben können wir an künstlerischen Fixdaten rund um den Geburtstag am 22. Mai – und mit Frank Castorfs Neuinszenierung des „Ring des Nibelungen“ in Bayreuth dürfte spätestens im Sommer nicht nur das Feuilleton heftig rauschen. In diesem Vierteiler ist immerhin die „Götterdämmerung“ zum Finale ein Fixpunkt und weniger ungewiss als alle Maya-Kalender.

Ansonsten wird der Kulturbetrieb weiterhin Schaulaufen um seine Existenzberechtigung betreiben: Eine Entspannung der Kassenlage ist nicht in Sicht.