Archivierter Artikel vom 19.11.2011, 13:32 Uhr
Remagen/Mainz

Halt in Remagen: Mainz 05-Fans treffen auf Neonazis

Neonazis und Antifa – und dann auch noch Fans von Mainz 05: Am Remagener Bahnhof kam es zu einem ungewollten Zusammentreffen und einem kurzzeitigen Tumult.

Doch die Polizei trennte die Gruppen schnell.
Doch die Polizei trennte die Gruppen schnell.
Foto: Vollrath

Die Polizei hatte sich schon im Vorfeld vor einer großen Herausforderung gesehen wegen der Neonazi-Kundgebung in Remagen am Samstag. Dann kam es noch zu einem Zwischenfall am Bahnhof: Ein aus Ruchtung Köln kommender Zug mit Rechtsxtremisten traf zur gleichen Zeit im Bahnhof ein wie ein Zug mit Fans von Mainz 05-Fans auf dem Weg zum Auswärtsspiel in Köln. Sofort stürzten Mainz-Fans aus dem Zug – unter lauten „Nazischweine“-Rufen. Die Polizei hatte Mühe, ein Zusammentreffen beider Lager zu verhindern.

Matthias Schöffel, Mitarbeiter beim Fanprojekt Mainz und an Bord des Zuges, sah in dem Verhalten der Mainzer Anhänger „ein deutliches Zeichen unserer Fans, wie man zu so einer Gesinnung steht“. Im Nachgang zur gerade laufenden Ausstellung „Tatort Stadion“ zeige das Verhalten, dass in Mainz das Einstehen gegen Dinge wie Rassismus, Homophobie und Antisemitismus nicht nur ein Lippenbekenntnis ist.

Unter den Fans – im Zug waren insgesamt etwa 150 Mainzer – sei das Unverständnis groß gewesen, dass Neonazis Schutz in Anspruch nehmen für Grundrechte, die sie selbst ablehnen – und dass sie dafür von der Polizei Unterstützung erfahren. Das Zusammentreffen nannte er „unglücklich – es ist die Frage, ob man das nicht hätte anders lösen können, wenn en Zug gewartet hätte. Am schönsten wäre es aber, wenn so Demos gar nicht erlaubt werden.“ Wie es weitergegangen wäre, wenn die Polizei die Lager nicht getrennt hätte, „war nicht abzusehen“, so Schöffel.

Einen Fan hatte die Polizei vorübergehend fixiert und seine Personalien festgehalten. Was ihm vorgewurfen wurde, war zunächst unklar. Er durfte aber die Weiterreise mit dem Zug antreten.

Ein Polizeisprecher erklärte, dass im Vorfeld die Zugzeiten bewusst überprüft und abgestimmt wurden, um den dann eingetretenen Fall zu vermeiden. Der Zug mit den Neonazis traf dann aber nicht pünktlich, sondern verspätet in Remagen ein – während der Zug mit den Mainz-Fans auch dort war.

Lars Wienand