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    Tödlicher Stich in Steinebach: War es Mord?

    Koblenz/Steinebach - Der Prozess um die tödliche Messerattacke von Steinebach geht in die Schlussphase der Plädoyers. Doch am Verhandlungstag am Donnerstag kochten die Emotionen noch einmal hoch. Der Angeklagte erlitt einen Zusammenbruch, und auch in den Zuhörerreihen wurde geweint. 

    Im April 2014 ist ein junger Mann unweit der Grillhütte bei Schmidthahn im Westerwald erstochen worden. 
    Im April 2014 ist ein junger Mann unweit der Grillhütte bei Schmidthahn im Westerwald erstochen worden. 
    Foto: privat

    Von unserem Redakteur Michael Wenzel

    Die Prozessbeteiligten werden sich jetzt auf die Plädoyers einstellen. Doch am Verhandlungstag am Donnerstag kochten die Emotionen noch einmal hoch. Der Angeklagte erlitt einen Zusammenbruch, und auch in den Zuhörerreihen wurde geweint. Der Vertreter der Nebenklage stellte sogar in Aussicht, dass eine Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommen könnte, worauf der Vater des Angeklagten fassungslos den Gerichtssaal verließ.

    Kurzer Rückblick: Ein 19-Jähriger aus dem Raum Rhens (Kreis Mayen-Koblenz) ist am Landgericht in Koblenz wegen Totschlags angeklagt. Er soll am späten Abend des 19. April 2014 bei einer Party an der Grillhütte in Steinebach im Streit einem Kontrahenten mit einem Messer einen tödlichen Halsstich zugefügt haben. Der 19-Jährige hat die Tat gestanden, spricht aber von Notwehr. Die Zuhörerreihen waren auch am achten Verhandlungstag dicht gefüllt. Ein Richter des Landgerichts wurde als Zeuge gehört. Der Angeklagte war ihm nach Ostern 2014 im Rahmen des Ermittlungsverfahrens vorgeführt worden. „Wie überflüssig, diese Tat, dachte ich", berichtete der Jurist aus seiner Erinnerung. Auf ihn habe der junge Mann, der von Notwehr sprach, bei der Vernehmung ruhig und ein bisschen unsicher gewirkt, nicht aber verzweifelt.

    Die Vorsitzende Richterin verlas das Vorführungsprotokoll. Darin hieß es: „Ich machte mir ein Bier auf. Plötzlich und nicht vorhersehbar kam der J. und drohte mir wiederholt einen Kopfstoß an. Ich wollte mit meinen Freunden die Grillhütte wieder verlassen, als ich geschubst wurde. Als ich auf Boden lag, hatte ich Angst, dass ich bestenfalls im Krankenhaus landen würde. Ich spürte Schläge und Tritte. Ich war in einer totalen Paniksituation, mit zwei Personen über mir. Da zog ich das Messer. J. schrie, dann war die Rangelei zu Ende. Nach dem Stich kippte er nach hinten von mir weg. Wir gingen zügig weg. Ich flüchtete mit M., hatte Angst vor den Freunden des Opfers. Dann rief ich die Polizei an und schilderte das Geschehen", berichtete der Angeklagte damals dem Haftrichter und sagte diesem, dass er aus Angst zugestochen habe und niemals die Absicht hatte, jemand zu töten.

    Der Nebenklagevertreter verlas eine Erklärung, wonach im vorliegenden Fall auch eine Verurteilung wegen Mordes aus Heimtücke oder aus niedrigen Beweggründen in Betracht kommen könnte. Der Angeklagte soll sich unter anderem darüber geärgert haben, dass er wegen seines Berufes als Straßenbauer gehänselt wurde. Bei der Verlesung rang der 19-Jährige mit den Tränen. Der Angeklagte habe ohne ersichtliches Motiv und ohne Anlass getötet, unterstellt der Rechtsanwalt dem Angeklagten. Seine Einlassung auf Notwehr sei widerlegt. Der 19-Jährige habe sich nicht wie ein Angegriffener verhalten. Er habe gegen den Rat seiner Freunde ein Messer mitgenommen. Der Vater des Angeklagten rang um Fassung und verließ den Gerichtssaal. Dann brach der Angeklagte unter Tränen zusammen, worauf das Gericht die Verhandlung für 15 Minuten unterbrochen wurde.

    Nach der angeordneten Pause brachte der Anwalt seine Erklärungen zum Abschluss. Er sprach von einer „verachtenswerten Tat auf niedrigster Stufe". Anschließend hörte das Gericht zwei Sachverständige. Eine LKA-Expertin für DNA hatte fünf Kleidungsstücke des Angeklagten untersucht. Ein weiterer LKA-Sachverständiger erläuterte Schmutzanhaftungen und Spuren von pflanzlichen Materialien an der Kleidung des Angeklagten. Die Spurenlage ließen keine Rückschlüsse auf die Rekonstruktion des Tatgeschehens zu. Der Angeklagte verlas eine Erklärung, worin er erklärte, dass er keinesfalls rechtsradikal eingestellt sei. „Ich bin in der politischen Mitte zu Hause und nicht ausländerfeindlich", sagte er und betonte, dass er das Messer nicht einsetzen wollte. „Ich fühle Unzufriedenheit und Abscheu über das, was geschehen ist. Ich hätte die Messer nicht mitnehmen sollen. Ich kann die Tat nicht rückgängig machen", sagte der Angeklagte. „Ich war es, der den Tod eines Menschen verursacht hat. Ich suche in der Haft nach Möglichkeiten, das zu verarbeiten, was geschehen ist. Doch es gibt keinen Ausweg."

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