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Koblenz

Evakuierung in Koblenz: Müssen Verweigerer zahlen?

Ein paar Uneinsichtige stellen sich quer, verursachen Kosten und Verzögerungen – und 10.000 Koblenzer müssen warten, bis sie endlich nach Hause gehen können: Am Tag nach der Entschärfung der Sprengbombe in der Koblenzer Altstadt sind Ärger und Unverständnis über die Evakuierungsverweigerer groß. Jetzt wird geprüft, ob deren Verhalten Konsequenzen haben wird – und ob es für die Zukunft weitere Sanktionsmöglichkeiten geben kann.

Bombenentschärfung am Sonntag: Bis 9 Uhr sollten eigentlich alle aus dem Evakuierungsgebiet mit einem Radius von 800 Metern verschwunden sein. Doch bei den Kontrollen trafen die Mitarbeiter des Ordnungsamts immer wieder auf Menschen – und einige weigerten sich strikt zu gehen.
Bombenentschärfung am Sonntag: Bis 9 Uhr sollten eigentlich alle aus dem Evakuierungsgebiet mit einem Radius von 800 Metern verschwunden sein. Doch bei den Kontrollen trafen die Mitarbeiter des Ordnungsamts immer wieder auf Menschen – und einige weigerten sich strikt zu gehen.
Foto: Thomas Frey

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider

Klar ist für Josef Hehl, Leiter des Ordnungsamts, dass die Kosten für die Öffnung von Haus- und Wohnungstüren durch den Schlüsseldienst mit denen nach Hause gehen, die diese notwendig gemacht haben. Auch für etwaige Schäden, die bei solchen Einsätzen zustande kommen, wird die Stadt nicht aufkommen. Weitere Kosten, die durch den längeren Einsatz mit immerhin rund 800 Helfern entstanden sind, sind dagegen schwer zu beziffern wie auch Schäden Einzelner – etwa der zusätzliche Umsatzausfall vieler Gastronomen an einem Bilderbuch-Hochsommertag. Da wird es mit Ansprüchen gegen Evakuierungsverweigerung schwierig. Im Ordnungsamt prüft man aber weiter, ob jedenfalls für diejenigen, die auf Platzverweis und klare Aufforderung nicht reagierten, Bußgelder verhängt werden können.

War früher per Allgemeinverfügung das Gebiet zur Sperrzone erklärt worden, werden jetzt nur noch im Einzelfall Platzverweise erteilt. Die Allgemeinverfügung hat laut Hehl den Vorteil, dass man gleich gegen jeden, der nach Ablauf der Frist angetroffen wird, vorgehen kann. Dafür hat es die Stadt mit etlichen Rechtsmitteln zu tun, die bereits im Vorfeld auflaufen – und die auch noch im Nachgang aufzuarbeiten sind. Dennoch überlegt man jetzt, zur alten Praxis zurückzukehren.

Immer wieder tauchten am Sonntag Personen im Sperrgebiet auf. Elf Mal musste das Ordnungsamt mit dem Schlüsseldienst anrücken, zum Teil Stunden nachdem das Gebiet um die Bombe bereits gesperrt war. In zehn Fällen wurde jemand in der Wohnung angetroffen und musste zum Teil mit Zwang herausgeholt werden. In elf weiteren Fällen wurden Ordnungskräfte samt Schlüsseldienst angefordert, die Situation ließ sich aber noch vor deren Eintreffen klären. All das führte zu erheblichen Verzögerungen. Feuerwehrchef Wolfgang Schröder sprach von einer "Undiszipliniertheit", die er in 30 Jahren noch nicht erlebt hat. Oberbürgermeister Joachim Hofmann-Göttig sieht eine zunehmende Tendenz vieler Bürger, die Gefahr nicht ernst genug zu nehmen. Es sei doch in Koblenz immer alles gut gegangen, da will man einfach nicht einsehen, warum eine Zwangsevakuierung notwendig ist. "Aber das Risiko ist gegeben", betont Hofmann-Göttig. Am Tag der Bombenentschärfung brachte er seine Verärgerung über die Verweigerer zum Ausdruck, wie unser Video zeigt:

Hinzu kommt aus Sicht von Josef Hehl, Leiter des Ordnungsamts, dass der Umgang mit Ordnungskräften immer respektloser wird – und das spiegele sich dann auch beim Verhalten während einer solchen Evakuierung wider. Dass einige die Abläufe derart verzögern, ist jedenfalls aus Sicht des Oberbürgermeisters einfach nicht hinzunehmen. Zu bedenken sei immerhin auch, dass von der Evakuierung auch viele ältere, pflegebedürftige Menschen betroffen waren, wie etwa die Bewohner des Pflegeheims Eltzerhof. Dass diese wegen einiger Personen länger als nötig auf ihre Rückkehr warten mussten, macht den Stadtchef wütend. Daher hat er der Verwaltung den Auftrag gegeben, Sanktionsmöglichkeiten zu prüfen – vor allem mit Blick auf künftige Fälle.

Dafür, dass bei der Evakuierung nicht alles rundlief, gab es aus Sicht von Olaf Becker, der am Sonntag für die Feuerwehr die technische Einsatzleitung übernommen hatte, mehrere Gründe. Bei heißem Wetter seien die Menschen weniger gewillt, ihre Wohnung zu verlassen. Da die Rheinanlagen bewusst nicht gesperrt waren, drängten von hier viele Besucher Richtung Innenstadt – und mussten abgehalten werden.

Insgesamt, so Becker, gebe es in der Altstadt weniger Familien, dafür mehr Alleinstehende, Ältere, die auf Hilfe angewiesen waren – und eben auch einige "Andersdenkende", die sich nicht an die Evakuierungsanordnung halten wollten. Hinzu kam, dass ein Tag Vorbereitung mehr gut gewesen wäre – auch um die Bevölkerung noch mehr zu informieren. Letztlich aber hat Becker kein Verständnis für das Verhalten einiger am Sonntag. "Das sind ein paar Leute, die es nicht einsehen wollen, und Tausende leiden darunter." Das soll bei der nächsten Entschärfung aus Sicht der Stadt anders werden. Und die Erfahrung in Koblenz hat leider gezeigt, dass mit weiteren Bombenfunden zu rechnen ist – je nachdem, wo man gräbt.

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