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    Rheinland-Pfalz

    Die Region bangt: Fliegt der Hahn in die geordnete Insolvenz?

    Die Mitarbeiter des Flughafens, die Angestellten der Firmen rund um den Airport, die Bürger im Hunsrück: Unzählige Menschen hoffen dieser Tage, dass der Hahn eine Zukunft haben wird.

    Der Rettungseinsatz am hoch defizitären Flughafen Hahn ist mehr als nötig. In der Landespolitik wird inzwischen längst auch über eine geordnete Insolvenz nachgedacht. ⋌
    Der Rettungseinsatz am hoch defizitären Flughafen Hahn ist mehr als nötig. In der Landespolitik wird inzwischen längst auch über eine geordnete Insolvenz nachgedacht. ⋌
    Foto: weber

    Von unserem Redakteur Dietmar Brück

    Derzeit richten sich alle Blicke auf die chinesische HNA Gruppe, einen Luftfahrtkonzern, der die Größe und das finanzielle Polster hätte, den Hunsrück-Flughafen in die rettende Gewinnzone zu bringen. Die Chinesen haben Interesse bekundet. Sie wollen verhandeln. Aber werden sie am Ende ein tragfähiges Angebot vorlegen?

    Wenig Rettendes in Sicht

    Neben der HNA, die von dem früheren Wirtschaftsstaatssekretär Siegfried Englert (SPD) und seiner deutsch-chinesischen ADC GmbH ins Spiel gebracht wurde, ist derzeit nicht besonders viel Rettendes in Sicht. Der Verkaufsprozess wurde zwar wieder aufgemacht, aber die alten und neuen Interessenten müssen unter Hochdruck ein belastbares Konzept für den hochdefizitären Flughafen vorlegen. Daran ist schon Bieter Nummer zwei, jenes amerikanisch-chinesische Konsortium gescheitert, das es mit der ADC GmbH und der Shanghai Yiqian Trading (SYT) in die Endrunde geschafft hatte. Die SYT ist mittlerweile ausgeschieden, weil sie ihr prall gefülltes Konto nur mit einem gefälschten Banknachweis dokumentieren konnte.

    Angesichts dieser Lage kursiert im Landtag und dem Regierungsviertel das Wort, das niemand aussprechen will: die "Insolvenz". Das Kalkül ist ganz einfach: Bekommt der Hahn kein Gesellschafterdarlehen, geht ihm möglicherweise bereits im September das Geld aus. Das 34-Millionen-Euro-Darlehen des Landes darf aber nur fließen, wenn die wirtschaftliche Lage am Flughafen dessen Verwendung rechtfertigt. Es muss sich eine realistische Perspektive für den Airport abzeichnen. Dazu bedarf es eines Investors, der kaufen will und kann.

    Politisch stellt sich die Frage anders: Ist es noch gerechtfertigt, einen Teil des Darlehens selbst dann in einen Flughafen zu stecken, wenn man an dessen Überleben gar nicht mehr glaubt? Oder sollen diese Millionen Euro in diesem Falle nicht besser genutzt werden, um die Folgen einer möglichen Insolvenz abzumildern. Mit Blick auf die Betroffenen im Hunsrück klingen solche Überlegungen herzlos und grausam. Aber in der Landesregierung und auch in der regierungstragenden SPD versucht man möglichst nüchtern, alle Optionen auszuloten. FDP und Grüne beurteilen die Lage am Hahn ohnehin eher sachlich.

    Entscheidung im August?

    Die Entscheidung muss eigentlich bereits im August fallen. Die Flughafengesellschaft FFHG könnte sich einer Insolvenzverschleppung schuldig machen. Dies ist nicht erst der Fall, wenn tatsächlich kein Geld mehr in der Kasse ist, sondern auch schon in dem Moment, in dem ein derartiger Zustand droht. Davon ist man im Hunsrück nicht mehr weit entfernt.

    In Kreisen der Wirtschaft denkt ohnehin manch einer, dass es klüger wäre, am Hahn in eine geordnete Insolvenz oder in eine Insolvenz in Eigenverantwortung zu gehen. Der Betrieb des Flughafens liefe zunächst weiter. Und es gäbe mehr Möglichkeiten, einen Rettungsplan zu schmieden, da alle Vertragsbindungen nichtig wären.

    Auf der anderen Seite scheut die Landesregierung eine Insolvenz wie der Teufel das Weihwasser. Kein Begriff illustriert eindringlicher das politische und wirtschaftliche Scheitern im Hunsrück. Zudem könnte die 24-Stunden-Fluggenehmigung im Falle einer Insolvenz gefährdet sein. Aber genau diese ist das Alleinstellungsmerkmal, das den Hahn attraktiv macht - auch für chinesische Investoren.

    Dem Land geht es darum, am Hahn zu retten, was noch zu retten ist. Dabei sind auch Konzepte denkbar, die gar keine fliegerische Nutzung mehr vorsehen. Oder welche, für die man die Startbahn nur noch gelegentlich braucht - etwa für eine Pilotenschule oder einen Ausbau des Wartungsgeschäfts. Der CDU-Politiker Alexander Licht und dessen Fraktion hatten einmal ein Luftfahrttechnologiezentrum ins Gespräch gebracht.

    Der Konsul gab den Tipp

    Derweil werden immer mehr Details aus den gescheiterten Verhandlungen mit der SYT bekannt. Dass der chinesische Hoffnungsträger ein faules Ei war, fiel nicht im Innen-, sondern im Wirtschaftsministerium auf. Dort war Ende Juni eine chinesische Delegation aus der Partnerprovinz Fujian vorstellig geworden. Mit dabei: der Generalkonsul aus Frankfurt.

    Dieser gab Wirtschaftsminister Volker Wissing den folgenschweren Hinweis, dass über den damaligen chinesischen Hahn-Hoffnungsträger SYT keine seriösen Informationen zu finden seien. Der Konsul informierte den FDP-Politiker zudem darüber, dass die SYT gar keinen Antrag auf Geldtransfer in China gestellt hatte. Wissing setzte postwendend Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) ins Bild. Etwas später brach dann Innenstaatssekretär Randolf Stich (SPD) nach Shanghai auf, um den vermeintlichen Investor zu suchen. Der Skandal nahm seinen Lauf.

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