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Idar-Oberstein

Industriedenkmal Bengel: Ein stiller Schatz wird neu präsentiert

Stefan Conradt

Nach mehr als 15 Jahren Planungs- und Bauzeit wird das Industriedenkmal Bengel, die historische Schmuck- und Metallwarenfabrik in der Wilhelmstraße in Oberstein, am nächsten Wochenende offiziell eröffnet. Am heutigen Samstag können Interessierte im Rahmen des Tages der Städtebauförderung schon mal einen Blick in die fast fertig gestellten Räume werfen: Um 15 Uhr ist ein Rundgang für die Öffentlichkeit geplant.

Karl-Dieter Braun vom Bengel-Stiftungsvorstand hatte sichtlich Spaß daran, den zahlreichen Besuchern das Schatzkästlein im neuen Glanz zu präsentieren. Foto: Stefan Conradt<br>
Karl-Dieter Braun vom Bengel-Stiftungsvorstand hatte sichtlich Spaß daran, den zahlreichen Besuchern das Schatzkästlein im neuen Glanz zu präsentieren.
Foto: Stefan Conradt

Die offizielle Eröffnung findet dann im Rahmen des rheinland-pfälzischen Kultursommers eine Woche später am 12. und 13. Mai statt. Zur feierlichen Neueröffnung des Industriedenkmals wird am Sonntag, 13. Mai, unter anderem Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Staatssekretär im Mainzer Ministerium für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur, erwartet, dessen Haus erhebliche Fördermittel für die Instandsetzung gewährt hat. Insgesamt kostete die Sanierung des historischen Komplexes rund 2,6 Millionen Euro, von denen die Stadt weniger als eine halbe Million schultern musste, der Rest sind Städtebaufördermittel, die zunächst in Höhe von 80, später sogar von 90 Prozent flossen.

Art-Deco-Schmuck aus der Produktion der Obersteiner Bijouteriefabrik Bengel ist zeitlos schön. Das dachte sich auch die Frauenberger Firma Stephan, die mehrere Stücke neu aufgelegt. Sie sind im Industriemuseum zu sehen und auch zu erstehen.
Art-Deco-Schmuck aus der Produktion der Obersteiner Bijouteriefabrik Bengel ist zeitlos schön. Das dachte sich auch die Frauenberger Firma Stephan, die mehrere Stücke neu aufgelegt. Sie sind im Industriemuseum zu sehen und auch zu erstehen.
Foto: Hosser

Am Eröffnungswochenende gibt es Führungen und Vorträge im Industriedenkmal und in der benachbarten Villa Bengel. In der Fabrik wird die Sonderausstellung „Obersteiner Schmuck- und Metwallwarenindustrie im 19. und 20. Jahrhundert“ eröffnet. Im Kontrast dazu ist in der Villa die Ausstellung „nsaio 6“ (Neuer Schmuck aus Idar-Oberstein) zu sehen, in der ausgewählte und ausgezeichnete Arbeiten der Fachrichtung Schmuck und Edelsteine der Trierer Hochschule zu bewundern sind.

Im Rahmen der Vorträge erinnert der langjährige Vorsitzende der Stiftung Bengel, Willi Lindemann, an die Anfänge der Instandsetzung, Stadtarchivar Manfred Rauscher beleuchtet die unzureichende Quellenlage bezüglich der Obersteiner Bijouterieindustrie, und die Historikerin Julia Wild erinnert an die Modeschmuckindustrie im Revier Wilhelmstraße.

Kulturelles Erbe sichern

Wie Stiftungssprecher Peter Wenzel erläutert, hat es sich die Jakob-Bengel-Stiftung zur Aufgabe gemacht, „das kulturelle Erbe der Idar-Obersteiner Schmuck- und Metallwarenindustrie durch den Aufbau einer Sammlung ihrer historischen Hinterlassenschaften zu sichern“. Die aktuelle Ausstellung präsentiert erste Ergebnisse in den neuen Ausstellungsräumen des Industriedenkmals. Neben Musterbüchern und Entwürfen besitzt die Stiftung einen außergewöhnlichen Fundus an Modeschmuck, Galanteriewaren und Dokumenten der Obersteiner Produzenten, von denen es neben der 1873 gegründeten Firma Bengel einst noch ein gutes weiteres Dutzend gab. Heute ist das kaum noch vorstellbar: Noch in den 1920er-Jahren gingen allmorgendlich Tausende Industriearbeiter durch die Bahnhof-, die Wasem- und die Wilhelmstraße zur Arbeit.

Nicht nur die Herstellung des Schmucks, sondern auch die Arbeitsabläufe und das Leben in und außerhalb einer solchen Fabrik sollen in eine künftige Dauerausstellung in der Fabrik einfließen. Dort soll auch der selbst nach heutigen Design-Vorgaben noch hochaktuelle Art-Deco-Schmuck von Bengel eine würdigen Platz erhalten, der unlängst von der Frauenberger Firma Stephan neu aufgelegt wurde. Hinzu kommt der einzigartige Fundus an Maschinen und Werkzeugen in den original erhaltenen Produktionsräumen: „Das ist ein einzigartiger Glücksfall“, sagt nicht nur Peter Wenzel.

Alles begann im Jahr 2006 mit einem Gutachten mit dem aussagekräftigen Titel „Stiller Reichtum“. Peter Wenzel, der damals noch Wirtschaftsförderer bei der Stadt war, blickt zurück: „Unter der Zielsetzung, ein lebendiges Denkmal für die nachfolgenden Generationen zu schaffen, das Gebäude und das Interieur einer alteingesessenen Uhrenketten- und Bijouteriefabrikation zu bewahren, haben sich seit 2001 Fachplaner, interessierte Mitbürger, Behörden und die Landesdenkmalpflege mit dieser überaus anspruchsvollen Aufgabe beschäftigt.“

Vorträge beleuchten Sanierung

Am 12. und 13. Mai werden die Ergebnisse des langjährigen Sanierungsprozesses präsentiert. In mehreren, zum Teil umfangreichen Publikationen wurde die äußerst behutsam vorgenommene Sanierung im städtebaulich besonders wertvollen Ensemble dokumentiert. Mehrere der Autoren wie Dr. Maria Wenzel von der Generaldirektion Kulturelles Erbe, die Kunsthistorikerin und Leiterin des Deutschen Goldschmiedehauses, Dr. Christiane Weber-Stöckel, und vor allem der langjährige Kurator und Taktgeber Willi Lindemann werden aus dieser Zeit in ihren Vorträgen berichten.

Das Industriemuseum hat bereits jetzt von Dienstag bis Sonntag täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. In der Winterpause (16. November bis 14. März 2019) gibt es Führungen nur nach Anmeldung:         info@jakob-bengel.de

Von unserem Redaktionsleiter Stefan Conradt

Das Programm am Eröffnungswochenende

Samstag, 12. Mai

10 bis 17 Uhr Führungen durch das Industriedenkmal Jakob Bengel

13 Uhr „Bengel – wie alles begann”, Willi Lindemann, ehemaliger Stiftungsvorsitzender

14 Uhr „Modeschmuck im Wandel der Zeit”, Dr. Christianne Weber-Stöber, Kunsthistorikerin, Leiterin des Deutschen Goldschmiedehauses Hanau

15 Uhr „Schwierige Überlieferung – die unzureichende Quellenlage bezüglich der Obersteiner Metallwaren- und Bijouterieindustrie”, Manfred Rauscher, Stadtarchivar

16 Uhr „nsaio 6”, Ausstellungseröffnung in der Villa Bengel durch Prof. Theo Smeets

Sonntag, 13. Mai

10 bis 17 Uhr Führungen

11 Uhr Feierliche Eröffnung des Industriedenkmals, Eröffnung der Ausstellung „Obersteiner Schmuck- & Metallwarenindustrie im 19. und 20. Jahrhundert”. Es sprechen: Peter Wenzel, Vorstandsvorsitzender Jakob-Bengel-Stiftung; Friedrich Marx, Bürgermeister Idar-Oberstein; Prof. Theo Smeets, Fachbereichsleiter Edelsteine und Schmuck der Hochschule Trier mit Sitz in Idar-Oberstein; Prof. Dr. Salvatore Barbaro, Staatssekretär des Ministeriums für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur

13 Uhr Vortrag Dr. Maria Wenzel, Landesdenkmalpflege, Generaldirektion Kulturelles Erbe

14 Uhr „Stiller Reichtum! Die Restaurierung des Industriedenkmals Jakob Bengel”, Kornelius Götz M.A., Büro für Restaurierungsberatung

15 Uhr „Die Obersteiner Modeschmuckindustrie“, Julia Wild, Historikerin

16 Uhr „Vom geschützten Bestand zum heutigen Stand – technische Gebäudeausstattung im Denkmalschutz“, Dipl. Ing. Josef Rittgen

Idar-Oberstein Birkenfeld
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