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Kreis Birkenfeld

Fischbachtal: Schadenslage ist noch immer nicht überschaubar

Andreas Nitsch

Nach den sintflutartigen Regenfällen am Sonntagabend und dem damit einhergehenden Extremhochwasser gehen die Aufräumarbeiten unvermindert weiter. Die Bestandsaufnahme läuft. Noch ist nicht absehbar, wie hoch die Schäden sind.

Nicht nur Ortsbürgermeister Horst Lang ist in Niederwörresbach seit Sonntag rund um die Uhr unterwegs. Zwar sagte VG-Bürgermeister Uwe Weber am Montagmorgen noch, das Dorf sei mit einem blauen Auge davongekommen, doch laut Lang „sieht es bei uns ganz schlecht aus“. Das Dorfzentrum sei besonders stark betroffen. Die Schäden an den beiden Sporthallen (wir berichteten) seien immens. Auch bei der Metzgerei und einer Familie in der Hauptstraße seien die Probleme groß. „Wir müssen jetzt sehen, wie wir das finanziell abfedern können“, sagt Lang: „Wir dürfen die Menschen jetzt nicht allein lassen.“ Der Ortsbürgermeister kann gar nicht genau sagen, wie viele und welche Häuser und damit Familien insgesamt betroffen sind. „Wir gehen seit Sonntag alle bis an unsere Grenzen“, betont er.

In Herrstein und Fischbach war am Mittwoch den ganzen Tag über die Bundeswehr im Einsatz. Möglich ist dies durch Artikel 35 des Grundgesetzes, wonach sich Behörden des Bundes und der Länder gegenseitig Rechts- und Amtshilfe leisten. Weil die Verbandsgemeindeverwaltung in Herrstein derzeit brachliegt, hatte der Landkreis Birkenfeld die BW-Helfer angefordert. „30 Soldaten holten mit Schaufeln und Schubkarren Schlamm und Müll aus dem Verwaltungsgebäude, damit der Betrieb dort so schnell wie möglich wieder aufgenommen werden kann“, berichtete ein Bundeswehr-Sprecher. Weitere 14 Soldaten waren mit ähnlichen Arbeiten in der Integrierten Gesamtschule (IGS) betraut, und sechs Militärangehörige packten im Gemeindezentrum in Fischbach an. Sie alle gehören dem Artillerielehrbataillon 345 Idar-Oberstein an.

Auch THW-Kräfte aus Wörrstadt und Worms halfen gestern gemeinsam mit ihren Kollegen aus dem Landkreis Birkenfeld. Bildungsstaatssekretär Hans Bechmann schaute in der havarierten IGS vorbei und dankte Schulgemeinschaft, Einsatzkräften und Helfern „für ihr großes Engagement“. Die Feuerwehr barg mittlerweile ein seit Sonntag in Herrstein vermisstes Auto in Höhe der Abfahrt Hintertiefenbach (!) aus dem Fischbach. Dafür musste die L 160 kurzzeitig gesperrt werden.

In Fischbach wurde inzwischen eine Fläche am Möbelmarkt unweit des Wohnmobilstellplatzes eingerichtet, auf den bis zur Entsorgung Unrat und demolierte Möbel zwischengelagert werden können. Und da kommt eine Riesenmenge zusammen. „Das ist wichtig, weil die Geruchsentwicklung durch die Hitze enorm ist. Das kann man den Menschen im Dorf nicht zumuten“, sagt Kreisfeuerwehrinspekteur Eberhard Fuhr.

Betroffen von dem Unglück ist in Herrstein auch die Gärtnerei Fleischhauer. Trotz der enormen Schäden vor allem an den Gewächshäusern läuft dort der Betrieb allerdings den Umständen entsprechend normal weiter.

In Hottenbach hat sich die Lage wieder halbwegs normalisiert. „Wir haben das Dorf sauber“, sagt Horst Kreischer. Der Ortsbürgermeister fand sogar die Zeit, um am Dienstagnachmittag mit Ratsmitglied Rudi Röper zur VG-Verwaltung nach Herrstein zu fahren, um dort zu helfen. Insgesamt sei Hottenbach mit einem blauen Auge davongekommen. Lediglich bei einem Senior sei der ganze Keller vollgelaufen. Die Dorfgemeinschaft hat dem über 80-Jährigen geholfen. Das Gasthaus von Gert Dahlheimer wurde ebenfalls von dem Unglück heimgesucht. 70 Kubikmeter Öl sind in der Nacht abgepumpt und in Güllefässer umgefüllt worden. Das Öl werde jetzt nach und nach unter Aufsicht der Kreisverwaltung in einem Abscheider entsorgt.

Möglicherweise vor dem Aus steht die urige Straußwirtschaft von Volker Stolz in Kempfeld-Katzenloch. Auch der Steinbach führte am Sonntagabend ungewöhnlich viel Wasser, das mit enormer Kraft über das Stolz-Gelände kurz vor der Einmündung in den Idarbach strömte und Teile des Inventars mitriss. Seit Tagen sind auch dort Helfer mit Aufräumarbeiten beschäftigt.

Auch der TV Vollmersbach blieb nicht verschont. Schlamm- und Wassermassen brachen über die Tennisanlage und den Sportplatz herein und zerstörten große Teile der Sportanlagen. Lediglich der Beachvolleyballplatz blieb einigermaßen verschont. Die Tennisabteilung muss ihren Trainings- und Spielbetrieb vorerst einstellen. Alle Heimspiele müssen auf Ausweichanlagen ausgetragen werden. Die Aufräum- und Instandsetzungsarbeiten auf der Sportanlage werden mehrere Wochen dauern. Ausgerechnet in diesem Jahr steht das 30-jährige Bestehen der Tennisabteilung auf dem Terminplan – und das Sportfest am ersten Juliwochenende steht ins Haus. Bis dahin wartet noch viel Arbeit. Alle Mitglieder und Freunde des TV, die helfen möchten, können sich mit dem Vorsitzenden Matthias Hautmann, Telefon 06781/317 85, in Verbindung setzen.

Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

AM RANDE BEMERKT: Das Hochwasser hat durchaus auch positive Aspekte

Auch bei einer Katastrophe wie dem verheerenden Hochwasser am Sonntagabend gibt es durchaus erfreuliche Aspekte. Helmut Purper aus Weierbach hat schöne Beispiele parat.

Der Vorsitzende des VfL Weierbach – seine Schwiegermutter wohnt in Fischbach in der Hauptstraße und blieb von den Unwettern nicht verschont – war überrascht von den zahlreichen Helfern, die spontan mit angepackt haben, um die enormen Schäden zu beseitigen. „Hier waren bestimmt 100 Leute, mehr als die Hälfte davon Fremde.“ Erfreulicherweise seien es meist junge Menschen gewesen, die die Ärmel hochgekrempelt haben. „Am Montag war ein junger Mann aus Buhlenberg hier und hat uns nach Leibeskräften unterstützt“, erzählt der VfL-Vorsitzende. „Morgen will er wiederkommen und auch noch seinen Vater mitbringen.“

Trotz aller Anstrengungen nimmt sich Purper meist noch die Zeit zu fragen, woher denn die Helfer kommen. Und so erfuhr er auch von der Frau, die aus Kirchenbollenbach stammt, aber schon seit 13 Jahren in Österreich lebt. Sie sagte: „Ich mache hier gerade Urlaub. Aber was soll ich in Kirchenbollenbach rumhocken, wenn ich doch hier in Fischbach mit aufräumen kann?“ Purper hat sicher noch mehr dieser schönen Geschichten parat. „Wissen Sie“, sagt er, „das ist das Positive, das ich von dieser schrecklichen Geschichte mitnehme. ni

Rheinland-Pfalz-Tag: Kreis sagt ab

Der Kreis Birkenfeld wird nicht am Rheinland-Pfalz-Tag teilnehmen, der am Wochenende in Worms stattfindet. Landrat Matthias Schneider hat aufgrund der Katastrophensituation in den Verbandsgemeinden Herrstein und Rhaunen entschieden, dass der Landkreis nicht mit dabei sein wird.

„Es ist der Bevölkerung nur schwer zu vermitteln, wenn wir bedingt durch diese elementaren Schäden und die dadurch entstandenen Existenzbedrohungen für einige unserer Mitbürger ein paar Tage später fröhlich und gut gelaunt an einem Festakt teilnehmen.“ Wichtiger sei, Personal und Geld in die Unterstützung der Betroffenen zu investieren.

„Natürlich tut es mir sehr leid für die Arbeitsgemeinschaft Trauntal, die unseren Landkreis im Festumzug repräsentiert hätte. Ich möchte allen Beteiligten für ihren bisherigen Einsatz danken. Der Festwagen ist so gestaltet, dass wir im nächsten Jahr am Rheinland-Pfalz-Tag in Annweiler teilnehmen können.“

Alle wollen helfen

Die Liste der Hilfsangebote für die Menschen in Not ist lang.

Nina Müller aus Fischbach schreibt uns zum Beispiel: „Neben den vielen privaten Spenden für die Helfer (Essen, Wasser, Eis, Kuchen und ähnliches) haben das Café Duo, die Bäckerei Risch und die Metzgerei Leyser aus Idar-Oberstein Kofferraumladungen mit kalten Getränken, Essen, Teilchen und Kuchen für die Helfer in Fischbach spendiert, selbst Plastikbesteck und Teller wurden geliefert. Freiwillige Helfer des DRK kamen am Mittag und am Abend und haben aus eigener Kasse Jumbo-Pizzen und belegte Brote im Dorf verteilt. Es musste sich keiner der Helfer und Betroffenen um Essen kümmern, es war einfach wie von Zauberhand alles da. Auch wenn es bei all der Arbeit etwas unterging, so sind das doch die vielen kleinen Taten drum herum, die im Endeffekt ganz groß sind.“ Nicht nur das Dorf stehe in solchen Zeiten enger zusammen, Hilfe kam auch von außerhalb – wie eine Gruppe aus Bad Sobernheim, die mit 20 jungen Leuten vorbeikam, um mit anzupacken.

Auch die Maler Nisius GmbH aus Weierbach würde gern helfen. „Wir können zwei Trocknungsgeräte zur Verfügung stellen für die Leute, die es wirklich schlimm getroffen hat und in absoluter Notlage sind“, schreibt die Firma. Außerdem möchte sie Farbe für den Neuanstrich kostenlos zur Verfügung stellen. Wer möchte, kann die Nisius GmbH auch mit der kompletten Abwicklung von der Versicherung bis zur Sanierung beauftragen.

Von der Cantina Mexicana in Kaiserslautern gibt es einen Post auf Facebook: „Wir haben uns überlegt, ein Büfett für die Helfer und Betroffenen zur Verfügung zu stellen. Essen und Getränke, um die Kräfte zu stärken und die Aufräumungsarbeiten dadurch zu beschleunigen. Wäre das gewünscht?“ Dafür gab es viele Likes.

Der Verein Engel für alle Felle möchte eine Sammelstelle für alles, was Tiere betrifft, anbieten – Futter und Tierzubehör wie Decken, Schlafkissen, Leinen, Halsbänder, Spielzeug, Kratzbäume und ähnliches. Gesammelt wird in Kirn, Weierbach und Idar-Oberstein. Sollte eine Spende nicht gebracht werden können, kann sie nach Absprache abgeholt werden. „Auch bieten wir Tierhaltern, deren Koppeln oder Gehege überflutet sind, vorübergehend kostenfrei Stallungen in Dickesbach an.“ Platz wäre dort auch für Geflügel oder Kaninchen.

Der Maschinenring Hunsrück plant für Freitag, 15. Juni, ein Sommerfest im Movietown in Neubrücke, der Erlös soll den Opfern der Überflutungen zugutekommen. „Wir sehen uns als Dienstleister aus der betroffenen Region mit den Opfern verbunden“, schreibt Kerstin Haag. Zudem stellt der Maschinenring schwere Maschinen wie einen Teleskoplader zur Verfügung, um damit bei den Aufräumarbeiten in Fischbach, Herrstein und Niederwörresbach zu helfen. vm/sc

Idar-Oberstein Birkenfeld
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