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VG Herrstein

Ein Wunder, dass niemand verletzt wurde – Höhe der Schäden kann nur geschätzt werden

Andreas Nitsch

Völlig ausgelaugt steht Fischbachs Ortsbürgermeister Michael Hippeli am Montagmorgen an der Hauptstraße. Gerade hat er zugesichert bekommen, dass in Kürze Müllcontainer angeliefert werden. Derweil fährt die Feuerwehr durch den Ort und bittet die Bevölkerung, darin keinen Sondermüll wie Öle, Farben und Lacke zu entsorgen. Hippeli ist verärgert.

„Ich frage mich, warum es keine zentrale Einsatzstelle gibt, die sämtliche Arbeiten und notwendige Besorgungen organisiert. Derzeit muss jeder Ortsbürgermeister zusehen, woher er beispielsweise diese Container bekommt. Das kann man besser regeln“, sagt der ehemalige Soldat.

Währenddessen werden völlig verdreckte Möbel aus der Gemeindehalle, die wie zahlreiche weitere am Fischbach gelegene Gebäude völlig überflutet gewesen ist, getragen und am Straßenrand deponiert. Trotz aller Erschöpfung vergisst der Ortsbürgermeister nicht, die Helfer zu loben. „Unsere Feuerwehr ist seit gestern Abend im Einsatz. Heute morgen kamen noch die Kollegen aus Baumholder. Was sie leisten, ist enorm.“ Auf der anderen Straßenseite schaut sich MdB Antje Lezius die Spuren des Unwetters an – und ist fassungslos.

Franziska Ensch von der Freiwilligen Feuerwehr Fischbach reinigt mit Hochdruck in Fischbach die Strasse.
Franziska Ensch von der Freiwilligen Feuerwehr Fischbach reinigt mit Hochdruck in Fischbach die Strasse.
Foto: dpa

Nahezu gleichzeitig schreitet Staatssekretär Randolf Stich in Gummistiefeln durch eine Lagerhalle der Firma Effgen in Herrstein, die ebenfalls überflutet war, um sich ein Bild vom Ausmaß der Verwüstungen zu machen. Mitarbeiter räumen Regale leer, spritzen mit Dampfstrahlern den Schlamm aus Material und von den Wänden, schieben Wasserabzieher über den Boden. Firmeninhaber Ralph Effgen zeigt Stich, Landrat Matthias Schneider, MdL Hans Jürgen Noss, VG-Bürgermeister Uwe Weber und anderen, wie hoch das Wasser in der Halle gestanden hat.

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Zuvor hatte sich Stich im Feuerwehrhaus – dort in den Hallen kletterte der Wasserstand auf 1,40 Meter – von Kreisfeuerwehrinspekteur Eberhard Fuhr und VG-Wehrleiter Nils Heidrich auf den aktuellen Stand bringen lassen. Fuhr selbst steht noch unter dem Eindruck des Überstandenen: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Es seien mehr als 100 Liter Wasser pro Quadratmeter gefallen – in weniger als zehn Minuten. „Das ist Wahnsinn, da hatten wir keine Chance“, erklärt Fuhr. Das sei gegen 17 Uhr gewesen, „um 18 Uhr ging's dann richtig los, und wir haben Vollalarm gegeben. Als uns klar wurde, dass dies nicht in ein paar Stunden erledigt ist, haben wir die Feuerwehren aus Simmern und Bad Kreuznach um Unterstützung gebeten.“

Die Feuerwehr war kurz vorher bereits zu einem Maschinenbrand bei der Herrsteiner Firma Wayand gerufen worden. Zu diesem Zeitpunkt habe man das nahende Gewitter schon kommen sehen, berichtet Wehrleiter Nils Heidrich. Innerhalb von zehn Minuten seien bei der Feuerwehr mehr als 50 Notrufe aus Bruchweiler und Schauren eingegangen. Die überfluteten Keller seien zwar registriert, aber nicht mehr abgearbeitet worden. „Wir haben uns auf die Menschenrettung konzentriert“, bestätigt der Wehrleiter. Am stärksten betroffen war der Campingplatz Harfenmühle. Das Gelände musste komplett evakuiert werden. Die Gäste wurden in der etwas höher gelegenen Gaststätte untergebracht. Am Fischweiher Niederwörresbach waren Personen vom Wasser eingeschlossen. Auch sie wurden in Sicherheit gebracht.

Zum Glück bestätigte sich eine erste Meldung über zwei vermisste Kinder nicht. An der Kläranlage Kempfeld waren zwei herrenlose Juniorfahrräder angespült worden. „Im Laufe des Abends hat sich allerdings bestätigt, dass niemand vermisst wird“, berichtet Heidrich dem Staatssekretär. Stich ist erleichtert, dass niemand bei dem Unwetter zu Schaden gekommen ist.

Nach der Lagebesprechung inspiziert die Delegation das Verwaltungsgebäude. Überall das gleiche Bild: Mit Schubkarren werden Schlamm und Geröll abtransportiert, im Hof werden alle möglichen Utensilien gelagert, das meiste wird gleich aussortiert. Bis zur Decke stand die Brühe im Untergeschoss. Auf dem nahen Parkplatz sind mehrere demolierte Fahrzeuge ineinander verkeilt.

Großes Chaos in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Herrstein.
Großes Chaos in der Verwaltung der Verbandsgemeinde Herrstein.
Foto: Andreas Nitsch

Immer wieder telefoniert Stich, verspricht schnelle Hilfe. Ein Hubschrauber soll zum Einsatz gebracht werden, dann kündigt er den Besuch von Ministerpräsidentin Malu Dreyer für den frühen Abend an.

Die Schadenshöhe jetzt schon zu beziffern, fällt schwer. VG-Bürgermeister Uwe Weber spricht von mehr als 1 Million Euro, Fischbachs Ortsbürgermeister Hippeli schätzt den Schaden allein für seinen Ort auf mehrere Hunderttausend Euro. Die Schadensaufnahme hat begonnen, und fest steht, dass die Aufräumarbeiten sich noch mehrere Tage hinziehen werden.

Von unserem Redakteur Andreas Nitsch

Idar-Oberstein Birkenfeld
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