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Koblenz

Nach Brand im Alt Coblenz: Sanierung dauert noch Monate

Doris Schneider

„Wie sieht's aus?“ Während Joe Wilbert im Gespräch mit der RZ schildert, wie die Arbeiten nach dem Brand in der Küche des Alt Coblenz vorangehen, bleibt fast im Minutentakt jemand auf dem Plan stehen und spricht den 64-Jährigen an, fragt, wie der Stand der Dinge ist.

Gastronom Joe Wilbert vor dem Wirtshaus Alt Coblenz am Plan. Nach dem Brand hat er seine Angestellten entlassen müssen. Foto: Sascha Ditscher
Gastronom Joe Wilbert vor dem Wirtshaus Alt Coblenz am Plan. Nach dem Brand hat er seine Angestellten entlassen müssen.
Foto: Sascha Ditscher

Und man merkt, dass gleich mehrere Herzen in der Brust des Altstadtgastronomen schlagen: Die Erleichterung, dass bei dem Feuer in den frühen Morgenstunden des 23. Mai niemand verletzt wurde, überwiegt. Und dennoch ist auch eine tiefe Trauer da, dass „sein Baby“, das Alt Coblenz, so in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dann kommt wieder die Freude hoch, dass so viele Menschen Anteil nehmen, mit Worten und Taten – von etlichen Kollegen, Lieferanten, Geschäftspartnern bis hin zu quasi Wildfremden, denen das Gasthaus dennoch etwas bedeutet.

Die Küche im rückwärtigen Teil des Gebäudes, die vom Brand am meisten betroffen ist, gleicht nach wie vor einem Schlachtfeld.
Die Küche im rückwärtigen Teil des Gebäudes, die vom Brand am meisten betroffen ist, gleicht nach wie vor einem Schlachtfeld.
Foto: privat

Dem alten Haus am Plan, 1779 gebaut, ist von außen fast nichts anzusehen. Eine Plane hängt davor, auf dem Dach sieht man ein paar provisorisch geflickte Stellen. Das war's aber auch schon. Von den verheerenden Auswirkungen des Feuers, das in der Küchendecke wohl durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde, sieht man fast nichts. Und doch sind zumindest die oberen Wohnungen wohl ganz oder zumindest teilweise zerstört, hat Joe Wilbert gehört. Genau weiß er es nicht, er ist selbst auch „nur“ Pächter des Lokals im Erdgeschoss, das Haus selbst gehört einer Eigentümergemeinschaft, zu der unter anderem auch die Sparkasse gehört.

Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Leserin Astrid Berres hat uns dieses Foto geschickt.
Foto: Astrid Berres

Die Küche im rückwärtigen Teil des Gebäudes, die vom Brand am meisten betroffen ist, gleicht nach wie vor einem Schlachtfeld. Hier ist einfach alles kaputt. Besser sieht es dagegen im Lokal selbst aus: Das Kellergewölbe ist fast unbeschadet, außer dass es durch die große Menge Löschwasser noch feuchter ist als ohnehin schon. Aber da kann man mit Trockengeräten arbeiten. Und auch die Einrichtung im Erdgeschoss konnte gerettet werden – die Stühle, Tische und Gemälde sind zwischengelagert, viele, viele Menschen haben geholfen, berichtet Wilbert dankbar.

Wie lange die Arbeiten dauern werden, das weiß niemand so genau. Und während Joe Wilbert anfangs optimistisch von ein paar Monaten sprach, hält er jetzt bis zu einem Jahr für möglich, bis das Alt Coblenz wieder das Alte ist. Denn durch Brand und Löschwasser kamen auch giftige Dämpfe aus den Umbauten der 70er-Jahre heraus, das Haus darf im Moment nur mit Schutzkleidung und Atemmaske betreten werden. „Ich habe keine Ahnung davon, aber man sagt mir, wenn alles wie in einem Zahnrad ineinander läuft, kann es noch dieses Jahr klappen, aber es kann auch Frühjahr werden“, sagt er bedrückt.

Erste Reservierungen für Weihnachtsfeiern hat er jedenfalls abgelehnt. Überhaupt sind es unendlich viele Leute, denen er seit dem 23. Mai absagen musste. Manches ist ihm besonders schwergefallen. Drei Tage nach dem Brand hätte beispielsweise eine Gesellschaft den 60. Hochzeitstag eines Paares feiern wollen. Und auch viele andere Gäste betrachten das Lokal als Teil ihrer Familie, wie sie ihm in vielen Gesprächen oder Nachrichten erzählen.

Und natürlich hat ein solch gravierender Brand auch wirtschaftliche Folgen. „Die Versicherung zahlt einiges, aber so gut können Sie sich gar nicht versichern“, sagt Joe Wilbert. „Man rechnet vielleicht mit einem Rohrbruch, nicht mit so etwas.“ Deshalb musste er auch alle Mitarbeiter entlassen, obwohl er zunächst gehofft hatte, die Zeit überbrücken zu können. Das ist ihm schwergefallen, denn das Team – bestehend aus etwa 20 Leuten, darunter zwölf Festangestellte – war gerade ein besonders gutes. Aber über einen möglicherweise so langen Zeitraum kann Wilbert die Leute nicht halten.

24 Jahre Bestehen feiert das Alt Coblenz Anfang August – theoretisch, denn es wird keinen Grund zum Feiern haben. Ganz sicher ist Wilbert nicht, wie es weitergehen wird. Es kann sein, dass im Sommer 2019 wieder alles so ist, als wäre nichts passiert – alte Möbel, alte Bilder, alter Wirt, sagt er. Den Vertrag hat er erst im vergangenen Jahr verlängert. Wenn sich die Wiedereröffnung aber sehr lang hinzieht, muss er vielleicht eine andere Lösung finden – „zwei Jahre kann ich nicht überbrücken“. Oder ob er den Gewölbekeller auch ohne Küche früher öffnet? Für halbe Sachen ist er eigentlich nicht zu haben. Sucht er also schon einen neuen Standort, ein „Neu Coblenz“? „Ich bin ein Herz- und Bauchmensch“, gibt Wilbert ein bisschen ausweichend Antwort. „Als ich vor mehr als 40 Jahren in das Lokal kam, das später Joes Winkel wurde, wusste ich sofort: ,Das ist es.' So was kann man nicht planen.“

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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