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Koblenz/Thür

Koblenz/Thür: Barbara-Denkmal kehrt auf den Ring zurück

Der Verein der Freunde und Förderer des Barbara-Denkmals kommt seinem großen Ziel immer näher: Zwei der insgesamt drei Muschelkalk-Plastiken des Monuments sind bereits restauriert.

Stefanie Pung und Anton Steer sprechen über die Ergänzungsarbeiten, für die historische Fotos als Vorlage dienen.
Stefanie Pung und Anton Steer sprechen über die Ergänzungsarbeiten, für die historische Fotos als Vorlage dienen.
Foto: Reinhard Kallenbach

Derzeit laufen in der Werkstatt von Stefanie und Olaf Pung in Thür die Arbeiten an der Heiligenfigur. Hier muss noch ein gutes Stück Arbeit geleistet werden, weil einige verloren gegangene Teile – darunter der Kopf – nachgebildet werden müssen. Dennoch läuft alles nach Plan. Der Verein hält an seiner Vorgabe fest, das Denkmal im Laufe des Frühjahrs 2014 wieder auf dem Friedrich-Ebert-Ring aufzustellen.

Nach dem am vergangenen Wochenende eingeweihten Traubenträgerbrunnen ist das Barbara-Denkmal das zweite große Monument, das von Koblenzer Bürgern vor dem Untergang gerettet wurde. Beide Denkmäler haben ein gleiches Schicksal: Sie überstanden im Großen und Ganzen den Krieg, wurden aber später abgebaut, lieblos eingelagert und dann vergessen. Die Folgen für das Barbara-Denkmal waren jedoch dramatischer. Die Schäden hatten andere Dimensionen, sodass die Art und Weise der Herstellung reichlich Diskussionsstoff bot. Ergebnis war, dass sich der Verein gegen eine allzu freie Ergänzung ablehnte.

"Beim ehemaligen und zukünftigen Standort des Barbara-Denkmals würde eine großzügig vom Original abweichende Restaurierung und Wiederherrichtung wie ein Fremdkörper wirken. Das historische Häuser-Ensemble des Umfeldes ist nämlich am zukünftigen Standort in der Nachbarschaft der Christuskirche weitgehend erhalten geblieben", ist Ehrenvorsitzender Anton Steer überzeugt. Die Vorgabe des Vereins war auch für das Bildhauer- und Restauratoren-Ehepaar in Thür eine große Herausforderung. So modellierte Stefanie Pung den fehlenden Kopf und die ebenfalls zerstörten Extremitäten zunächst in Gips. Diese "Urformen" entstanden nach gründlicher Analyse von historischen Fotos. Derzeit laufen die Feinarbeiten am 1:1-Modell, dann arbeiten die Steinkünstler in Thür wieder mir Rohlingen aus Muschelkalk. Bis zum Frühjahr soll dann auch die heilige Barbara fertig sein. Zur Erinnerung: Die restaurierte Symbolfigur für den Frieden steht im Bereich des nördlichen Zirkularbaus am Schloss, die Allegorie für den Krieg befindet sich dagegen in der Lützeler Falckenstein-Kaserne.

Parallel läuft bereits die Vorbereitung zum Bau des Denkmalsattels, was in enger Absprache mit der Denkmalpflege geschieht. Geht es doch darum, den Sockel so wiederherzustellen, dass möglichst viele Originalteile verwendet werden können. Eines steht bereits fest: Der gewaltige Brunnen des Originals wird nicht mehr fließen. Die Unterhaltungskosten wären zu teuer. Angedacht ist derzeit, das Brunnenbecken so zu füllen und zu erschließen, dass das Denkmal begehbar wird. Dazu werden noch einige Veränderungen kommen, die das einst wuchtige Monument optisch leichter machen. Geplant ist, die originalen Steinbänke und die Schrifttafeln hinter das Denkmal zu verlegen. "Insgesamt entspricht diese Lösung dem ursprünglichen ästhetischen Gesamtkonzept des Künstlers unter den in der Zwischenzeit entstandenen Bedingungen. Diese Form der Restaurierung wird deshalb die Achtung vor dem Überlieferten mit dem Anspruch der Gegenwart verbinden", ist Anton Steer überzeugt.

Der Ehrenvorsitzende weist darauf hin, dass der Verein noch Spenden braucht. Das Material ist teurer geworden als ursprünglich geplant. Mehr über den Verein im Internet unter der Adresse www.vff-barbara.de

Reinhard Kallenbach

Kleine Geschichte des Barbara-Denkmals

Das 1907 eingeweihte Barbara-Denkmal wurde einst zwar dem Rheinischen Feldartillerieregiment Nr. 8 gewidmet, ist aber dennoch kein klassisches Kriegerdenkmal, sondern auch ein Mahnmal für den Frieden. Die Vorgeschichte des Monuments reicht bis 1902 zurück. Damals wurde ein Denkmalausschuss gebildet, der – unterstützt von namhaften Bürgern – die erforderlichen Mittel für den Bau erstaunlich schnell sammelte. Auch die Stadt zog mit und stellte für den Aufbau des Denkmals einen direkt der alten Stadthalle gegenüber liegenden Platz zur Verfügung. Über die Gestaltung des Denkmals wurde im Rahmen eines Wettbewerbs entschieden, den der Bildhauer Georg Schreyögg von der Großherzoglichen Kunstschule Karlsruhe gewann. Das Denkmal überstand den Krieg, wurde aber am 8. März 1956 aus Gründen der Verkehrssicherheit demontiert und landete ungesichert auf einem Bauhof. 2012 wurden die Teile geborgen. Die Restaurierung läuft. ka

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