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    Bad KreuznachEinstige Befürworter: Enttäuschung und Entsetzen über die Ditib-Gemeinde sind groß

    Die Kreuznacher Ditib-Gemeinde und der lange Arm Erdogans: Ein gutes halbes Jahr nach der erhitzt geführten Debatte um die Neubaupläne für eine Moschee im Gewerbegebiet kommt nun das böse Erwachen. Bei aller Kritik, die schon damals laut wurde, viele machten sich auch für einen Neubau der Moschee Am Grenzgraben stark: Sie fühlen sich nun hintergangen, ihr Vertrauen missbraucht, nachdem jetzt bekannt wurde, dass der Grundstückseigentümer nicht die Bad Kreuznacher Gemeinde, sondern der Ditib-Dachverband in Köln ist. Auch wenn im Grundbucheintrag noch der Name des Verkäufers steht.

    Dieses Grundstück gehört dem Ditib-Bundesverband. Damit hat die türkische Regierung mittelbar Einfluss auf alle Entscheidungen. Foto: Carsten Zillmann
    Dieses Grundstück gehört dem Ditib-Bundesverband. Damit hat die türkische Regierung mittelbar Einfluss auf alle Entscheidungen.
    Foto: Carsten Zillmann

    Eine Fürsprecherin für die Ditib-Gemeinde war Oberbürgermeisterin Heike Kaster-Meurer. Das Entsetzen ist jetzt auch bei ihr groß: „Ich bin immer davon ausgegangen, dass die Ditib-Gemeinde vor Ort der Käufer ist,“, erklärte sie dem „Oeffentlichen“ und betont: „Mir ging es immer um die Menschen hier.“ Für die OB ist eine Grenze überschritten, wenn der Dachverband mit im Boot ist. Ganz gleich ob nun als Grundstückseigentümer oder als Verwalter der Immobilie: Eine direkte Einflussnahme aus Ankara ist dann gegeben.

    Denn der Kölner Dachverband untersteht der Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Dann reicht Erdogans Einfluss bis an den Grenzgraben. Eins ist für die OB klar. „Ich werde nicht mehr für die Ditib-Gemeinde kämpfen.“ Ginge es jetzt nach ihr, wäre der Moscheeneubau wohl gestorben. Auf jeden Fall werde man den Bauvorbescheid überprüfen und alle Möglichkeiten ausloten. Auch für Kaster-Meurer hat Vorsitzender Cihan Sen einen Vertrauensbruch begangen.

    „Unangenehm überrascht“ ist der SPD-Kreisvorsitzende Hans-Dirk Nies, der sich ebenfalls dafür ausgesprochen hatte, dass die hiesige Ditib-Gemeinde ihre neue Moschee bekommt. Auch er geht nun auf Distanz. Bei einem so sensiblen Thema hätte Sen die geplanten Eigentumsverhältnisse von sich aus kommunizieren müssen, macht Nies deutlich. So sei das Projekt „unnötig belastet“. Sollte das vom Wissenschaftsministerium in Auftrag gegebene Gutachten zu Ditib zu dem Ergebnis kommen, dass die Organisation nicht verfassungskonform ist, hat sich für Nies das Thema Moscheebau ohnehin erledigt. Die Verhandlungen des Landes mit den muslimischen Verbänden ruhen derzeit. Zentrale Fragestellung der Untersuchung ist, inwieweit eine Unabhängigkeit Ditibs von der türkischen Regierung gegeben ist, teilt die Staatskanzlei mit. Die Eigentumsverhältnisse sind der Landesregierung im Detail nicht bekannt.

    „Verheimlichen schafft kein Vertrauen.“ So reagieren CDU-Landeschefin Julia Klöckner und Kreisvorsitzende Bettina Dickes auf die neue Faktenlage. „Die Glaubens- und Religionsfreiheit ist ein wichtiges Gut. Vertrauen entsteht aber nur, wenn auch mit offenen Karten gespielt und transparent vorgegangen wird“, schreiben sie in einer Presseerklärung. „Wir sind wie viele Bürger verwundert, warum hier nicht offen miteinander umgegangen wurde, viele fühlen sich bewusst hinters Licht geführt.“

    Dass der Ditib-Dachverband Eigentümer des Grundstücks ist, auf dem der Ortsverband der Ditib seine neue Moschee bauen will, werfe neue Fragen auf: „Hat sich der Dachverband auch finanziell am Kauf beteiligt, und wie wird er sich in den Bau der Moschee einmischen? Was sind die örtlichen Zusagen wert, wenn am Ende Köln und Ankara das Sagen haben?“

    Die beiden Christdemokratinnen fordern, dass alle Karten auf den Tisch gelegt werden. Die Kreuznacher Ditib und die OB sollten vollständige Transparenz schaffen. „Dass der Dachverband nur als Eigentümer im Grundbuch steht, sonst aber in keiner Weise involviert ist und Einfluss nimmt, das fällt momentan doch schwer zu glauben.“

    Von unserem Redakteur Harald Gebhardt

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