40.000
Aus unserem Archiv
Bad Kreuznach

Ein Spargelfestival reicht nicht: Blick über den Tellerrand zeigt trübe Aussichten

Marian Ristow

Das kleine hessische Weiterstadt hat nicht viel mit Bad Kreuznach gemein, außer in Sachen verkaufsoffene Sonntage. Da ist man dort mindestens so umtriebig wie die Kurstadt – und ihr einige Schritte voraus.

Am vergangenen Samstag rief Pro City zum „Christmas Shopping“ in die Innenstadt. Die Geschäfte waren bis 22 Uhr offen.⋌Foto: Josef Nürnberg
Am vergangenen Samstag rief Pro City zum „Christmas Shopping“ in die Innenstadt. Die Geschäfte waren bis 22 Uhr offen.⋌
Foto: Josef Nürnberg

Ein Szenario, das sich in Weiterstadt gleich mehrfach zugetragen hat, könnte es auch in Zukunft an der Nahe geben. In dem Städtchen im Landkreis Darmstadt-Dieburg mit seinen knapp 25.000 Einwohnern, um einiges kleiner als Bad Kreuznach, versuchte nämlich die lokale Einzelhändlervereinigung, der Gewerbeverein Weiterstadt (GVW), vergleichbar mit Pro City, in mehreren Fällen einen verkaufsoffenen Sonntag zu veranstalten – ohne Erfolg.

Zwar sorgte man für die nötigen Anlässe, verlor aber vor Gericht. In einem Fall sollte eine Gesundheitsmesse (Oktober 2016) als Rechfertigung für die Ladenöffnung innerhalb der Stadt herhalten, in einem anderen Fall sollte das städtische Spargelfestival (Mai 2016) als Ladenöffner dienen. Im April 2017 fasste man die Weiterstädter Autoschau als möglichen sinnstiftenden Grund ins Auge. Stets ohne Erfolg, die Läden blieben dicht.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi und das evangelische Dekanat Darmstadt-Land klagten im Auftrag der Allianz für den freien Sonntag, einem Bündnis von Kirchen und Gewerkschaften, gegen die Ladenöffnung. Im jüngsten Fall, der Autoschau im weiterstädtischen Gewerbegebiet, erlaubte das Verwaltungsgericht in Darmstadt eine teilweise Öffnung der Läden: die Geschäfte im Gewerbegebiet durften öffnen, die in der weiter entfernten Innenstadt hingegen nicht.

Die Kommune zog gegen die Entscheidung zu Feld, wollte eine einheitliche Ladenöffnung durchsetzen. Das schaffe sie auch, allerdings nicht in ihrem Sinn. Der hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel untersagte die Öffnung der Geschäfte kurzerhand generell. Eine desaströse Schlappe für die Gemeinde.

Was bedeuten diese Entscheidungen für Bad Kreuznach? Eine Prognose scheint unmöglich, denn Rechtsprechung ist Ländersache, und Gerichte urteilen unabhängig voneinander. Klar ist aber, dass auch wegen des Urteils des Bundesverwaltungsgerichtes vom 17. Mai (wir berichteten) ein Anlassbezug für verkaufsoffene Sonntage mehr im Vordergrund steht als jemals zuvor.

Ein Schreiben der ADD (Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion) vom 6. Dezember 2016 betonte diesen Umstand – bereits ein gutes halbes Jahr vor dem Urteil. „Hiernach muss zwischen der Anlassveranstaltung und der Ladenöffnung am Sonntag ein nachvollziehbarer Zusammenhang bestehen; die Sonntagsöffnung darf nach den gesamten Umständen nicht nur als bloßer Annex zur anlassgebenden Veranstaltung erscheinen“, heißt es in dem Papier, dass auch Bad Kreuznach zuging.

Salopp ausgedrückt: Ein paar rasch zusammengestellte Zelte auf der Pfingstwiese können als Anlass für eine sonntägliche Ladenöffnung in der Mannheimer Straße keinesfalls herhalten.

Dafür wären schon größere Events nötig, die dafür sorgen, dass viele Menschen in die Stadt kommen. Die Durchführung eines Rheinland-Pfalz-Tages zum Beispiel, der nachweislich Massen in Stadt lockt. Aber nur einmal alle 20 Jahre vorkommt.

Wollen Stadt und Antragsteller, bisher Pro City, weiterhin solche Shopping-Events durchführen, braucht es also schlüssige Anlässe. Klagen drohen unabhängig davon sowieso.

Von unserem Redakteur Marian Ristow

"Christmas Shopping": Resonanz ausbaufähig

Die Geschäfte in der Fußgängerzone hatten anlässlich des „Christmas Shoppings“, zu dem Pro City geladen hatte, bis 22 Uhr geöffnet. Ein „Privileg“, von dem viele, aber längt nicht alle Gebrauch machten. Für ein Fazit ist es Dirk Alsentzer, Vorstand von Pro City, zu früh.

„Das war eine Werbung für Bad Kreuznach als Einkaufsstadt, unabhängig davon, wie viele Menschen jetzt tatsächlich einkaufen waren“, sagte Alsentzer gegenüber dem Oeffentlichen Anzeiger. Solche Aktionen müssten sich erst mal im Bewusstsein der Leute festsetzen. Künftig seien solche langen Einkaufsabende aber ein probates Modell. Gerade am späteren Abend war in der Fußgängerzone aber kaum etwas los. Viele Einzelhändler sprachen von einer mäßigen Resonanz. ri

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
67%
Nein, eher nicht.
33%
Stimmen gesamt: 141
Anzeige
epaper-startseite