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Rheinland-Pfalz

Investoren: Poker um den Nürburgring hat begonnen

Wenn man wenig hört, passiert meistens viel. So ist es derzeit auch am Nürburgring. Still und leise sortieren die potenziellen Investoren ihre Karten.

Zehn Interessenten bieten auf den Nürburgring. Foto: dpa
Zehn Interessenten bieten auf den Nürburgring.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Kaufpreise werden kalkuliert, Renditen analysiert, Nutzungsvarianten diskutiert. Wer den Nürburgring kauft, muss tief in die Tasche greifen. Allein die legendären Rennstrecken dürften unter 50 Millionen Euro nicht zu haben sein. Wer auch noch die Hotels, Achterbahn, Ring-Werk, Boulevard und das Partydorf möchte, dürfte mindestens um die 80 Millionen hinblättern müssen. Das sind zumindest die groben Werte, die im Jones-Land-LaSalle-Gutachten auftauchen. Andere Expertisen nennen höhere Preise. Zudem weiß man, dass Insolvenzprofis Wertgutachten meist eher zu niedrig als zu hoch ansetzen. Am Ende wollen sie einen Erfolg vorweisen, indem sie mehr eingenommen haben als ursprünglich gedacht. Die Insolvenzverwalter dürften daher auf einen Verkaufspreis satt über 100 Millionen Euro zielen. Vorausgesetzt ein Investor findet Akzeptanz in der Region und sichert das öffentliche Zugangsrecht.

Autoindustrie sondiert Chancen

Hinter den Kulissen hat der Poker um den Ring längst begonnen. Die Autoindustrie sondiert ihre Chancen. Der ADAC prüft intern, andere potenzielle Käufer ebenso, die ihr Interesse beim weltweiten Unternehmensnetzwerk KPMG einspeisen, das den Verkaufsprozess steuert. Darunter dürfte alles sein, was im weitesten Sinne Benzingeruch verströmt. Leicht vorstellbar, wer Interesse haben könnte: Neben ADAC und Automobilkonzernen wären Zulieferer- und Reifenindustrie geborene Kandidaten, aber auch die Betreiber anderer Rennstrecken, autoaffine Technologiefirmen, Motorenentwickler, Elek-tronikunternehmen oder die Geldgeber hinter den Rennställen.

Bislang kommt keiner aus der Deckung. "Das Thema kommentieren wir nicht", heißt es in der VW-Zentrale. "Wir beobachten genau, was am Nürburgring passiert, aber darüber hinausgehende Maßnahmen stehen derzeit nicht zur Debatte", hört man bei BMW. Andere äußern sich ähnlich. Allein der ADAC hat öffentlich vage Interesse signalisiert. Er ist sowieso so etwas wie der Wunschkandidat der Region, die den Ausverkauf einer Legende befürchtet. Fraglich ist in der Tat, welchen Schutz das vom Land verbriefte öffentliche Zugangsrecht am Ende bietet. Da streiten sich die Rechtsgelehrten.

Derzeit laufen beim Verkaufsprozess die indikativen, also die einigermaßen verbindlichen, Angebote ein. Da trennt sich erstmalig die Spreu vom Weizen. Wenn die Insolvenzverwalter am Ende ein gutes Dutzend Kandidaten haben, bei denen Finanzen und Konzept stimmen, ist das schon gut. 20 solvente und seriöse Aspiranten wären ein Spitzenwert, weiß man aus anderen Verfahren. Die Zahl reduziert sich ohnehin noch einmal, wenn die potenziellen Käufer ihre Due-Diligence-Prüfung, also einen gründlichen Risikocheck, durchziehen. So etwas kann bis zu 1 Million Euro kosten – Geld, das niemand ohne eine konkrete Kaufabsicht investiert. Diese aufwendige Phase kann sich locker zwei, drei Monate hinziehen.

Flimm spricht von "tiefster Krise"

Die vielen Kritiker des – kaum mehr abwendbaren – Verkaufsprozesses befürchten nach wie vor eine fatale Entwicklung. In der Einladung zu einer Bürgerversammlung am Montag im Eifelort Nürburg schreibt Otto Flimm, der Vorsitzende des Vereins "Ja zum Nürburgring": "Die Sportstätte des Nürburgrings befindet sich in ihrer bisher tiefsten Krise, die durch die Einleitung des Verkaufsprozesses einen weiteren traurigen Höhepunkt erreicht hat." Der ADAC-Ehrenpräsident spricht von einem "Trauerspiel", das jetzt in die "letzte Phase" geht. Flimm und seine Mitstreiter wollen weiter für einen "gemeinwohlorientierten Erhalt und Betrieb der Rennstrecke" kämpfen. Der Vorsitzende warnt: "Es besteht die große Gefahr, dass die Rennstrecke aufgrund ihres immensen Images, des derzeitigen Notstands an interessanten Anlageobjekten und durch die Aktivitäten der Insolvenzverwalter als unwirklich geschmückte Braut in die Hände eines Finanzhais gerät."

Geld für Kauf fehlt wohl doch

Für "Ja zum Nürburgring" ist der ADAC die Nummer eins auf der Liste der Investoren, die Vertrauen wecken und schaffen können. "Das liegt daran, dass er einen gemeinwohlorientierten Ansatz verfolgt", meinte Dieter Frey, der Rechtsbeistand des Vereins, im Gespräch mit unserer Zeitung. Grundsätzlich können viele Ring-Aktivitäten aber auch mit einem anderen Käufer leben. Vorausgesetzt die Bedingungen für Motor- und Breitensport ändern sich nicht. Der ursprüngliche Plan des Förderkreises Nürburgring, den Ring zu kaufen, scheint indes kaum umsetzbar. So viel Geld kommt doch nicht zusammen. Im Umfeld des Rings gibt es ohnehin Stimmen, die behaupten, dass Flimm und seine Mitstreiter nicht nur unliebsame Investoren abschrecken, sondern auch den Kaufpreis drücken wollen. Das würde weniger gewinnorientierte Kauf- und Geschäftsmodelle natürlich erleichtern.

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