Archivierter Artikel vom 14.10.2010, 09:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Dreyer will noch mehr Organspender gewinnen

In Rheinland-Pfalz haben bis Ende September deutlich mehr Menschen Organe gespendet als im Vorjahr. Das ist Ergebnis eines jahrelangen Bemühens der Landesregierung, betont Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD).

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Dreyer will noch mehr Organspender gewinnen
Will die Organspendequote im Land weiter steigern: Ministerin Malu Dreyer.
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Rheinland-Pfalz – In Rheinland-Pfalz haben bis Ende September deutlich mehr Menschen Organe gespendet als im Vorjahr. Das ist Ergebnis eines jahrelangen Bemühens der Landesregierung, betont Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD).

Die Mainzer Gesundheitsministerin Malu Dreyer (SPD) ist eine Gegnerin der Widerspruchslösung bei Organspenden. Um mehr Menschen dazu zu bewegen, Organe zu spenden, setzt sie eher auf praktische Dinge: So könnte das Thema Organspende Teil von Erste-Hilfe-Kursen werden, schlägt sie im Interview vor.

Was ist Ihre Haltung zur Widerspruchslösung?

Die Zustimmungslösung in Deutschland ist nach einer intensiven Diskussion gefunden worden. Deshalb sollten wir daran festhalten.

Union und FDP wollen die Organspendebereitschaft künftig in Personalausweis oder Führerschein festhalten. Was halten Sie davon?

Dieser Vorschlag sollte geprüft werden, da täglich Menschen auf der Warteliste sterben. Ich unterstütze sehr die Aufnahme einer Organspendeerklärung auf der elektronischen Patientenakte und fördere das Modellprojekt in Trier. Ich bin mir sicher, dass dieser Weg die Auseinandersetzung mit der eigenen Organspendebereitschaft fördert und eine gute Möglichkeit ist, die Zahl der Organspenden deutlich zu erhöhen.

Was tut das Land, um die Bereitschaft zu Organspenden zu erhöhen?

Die Förderung der Organspende beruht auf zwei Säulen: der Aufklärung und Öffentlichkeitsarbeit über die Organspende und ein verbessertes Verfahren in den Krankenhäusern. Dazu haben wir im Jahr 2002 die Initiative Organspende Rheinland-Pfalz gegründet. Rheinland-Pfalz hat im Rahmen einer Selbstverpflichtung mit Krankenhausgesellschaft, Landesärztekammer, der Landeszentrale für Gesundheitsförderung (LZG) und der Deutschen Stiftung Organtransplantation Region Mitte im Jahr 2006 eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, um die Zahl der Organspenden in Rheinland-Pfalz zu erhöhen. Außerdem führt die LZG zusammen mit dem Wissenschaftsministeriums eine Informationskampagne an den Schulen durch.

Welche Rolle spielen die Krankenhäuser?

Teil der Kampagne ist es, die Verfahren zur Organspende in den Krankenhäusern zu verbessern und Kliniken verstärkt an Organspendeprozess zu beteiligen. Die Landesregierung wird diesen Weg des konstruktiven Dialogs und der Hilfestellung mit den Krankenhäusern fortsetzen. Als Erfolg werte ich, dass die Zahl der Krankenhäuser, die sich in Rheinland-Pfalz nicht an der Gemeinschaftsaufgabe Organspende beteiligen, in den vergangenen Jahren kontinuierlich zurückgegangen ist – von 30 Prozent im Jahr 2007 auf voraussichtlich 25 Prozent in diesem Jahr. Organspende ist aber auch Bestandteil des Versorgungsauftrages der Krankenhäuser. Um die Krankenhäuser stärker in die Pflicht zu nehmen, haben wir in der Neufassung des Landeskrankenhausgesetzes eine entsprechende Klarstellung aufgenommen.

SPD und CDU im Landtag haben die Landesregierun dazu aufgefordert, ein Maßnahmenpaket zu schnüren, um die Zahl der Organspender zu erhöhen. Was ist seitdem geschehen?

Der Beirat zur Kooperationsvereinbarung hat sich auf seiner ersten Sitzung nach der Sommerpause mit den Ideen, Hinweisen und Forderungen der Fraktionen beschäftigt und für die Mitglieder der Kooperationsvereinbarung „Arbeitspakete“ geschnürt. So wird die Deutsche Stiftung Organspende die Situation in den Krankenhäusern analysieren und auf der nächsten Sitzung des Beirates vorstellen. Die Landesärztekammer wird prüfen, ob das Thema Organspende auch im Rahmen der Erste-Hilfe-Ausbildung behandelt werden kann.

Wie könnte der Einfluss der Transplantationsbeauftragten erhöht werden?

Ihre Arbeit muss im Klinikalltag angenommen werden. Gemeinsam mit den Kliniken erörtern wir daher intensiv, mit welchen Änderungen in der Organisation und der Berichtswege Verbesserungen erreicht werden können. Zum ersten Mal ist es gelungen, die Zahl der Organspenden in unseren Krankenhäusern zu steigern. Über diese positive Entwicklung sind wir sehr froh und sehen es als Bestärkung, unserer erfolgreiche Arbeit fortzuführen und den engen Dialog mit den Krankenhäuser weiterhin zu intensivieren.

Wie viel Geld investiert das Land in diesen Bereich?

Die Krankenkassen finanzieren den gesamten Organspendeprozess. Auch die Deutsche Stiftung Organtransplantation wird von den Kassen finanziert. Der Landeshaushalt ist nicht die Finanzierungsgrundlage der Organspende. In der Vergangenheit wurde zwar die Aufwandspauschale für die Entnahmekrankenhäuser angehoben. Aber es muss nochmals geprüft und mit den Krankenhäusern erörtert werden, ob das ausreicht. Ich begrüße es deshalb, wenn im nächsten Jahr in ausgewählten Krankenhäusern die Aufwandspauschale neu kalkuliert wird. Das ist für mich der richtige Weg, auch die finanziellen Rahmenbedingungen zu verbessern. Außerdem unterstützen wir die Aufklärungsarbeit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Rheinland-Pfalz in diesem Jahr mit zusätzlichen 20.000 Euro.

Was könnte Rheinland-Pfalz von Spanien lernen?

Die hohe Spenderquote in Spanien hat viele Ursachen. Ein wesentlicher Teil des Erfolges ist, dass es mehr Transplantationskoordinatoren in der Organisation des Organspendeprozesses gibt, die sich intensiv um die Erkennung potenzieller Spender kümmern.

Die Fragen stellte Christian Kunst