Archivierter Artikel vom 13.10.2010, 07:40 Uhr
Boden

Ein Jahr auf neue Leber gewartet

Ihren Geburtstag feiert Mariele Höhn aus der kleinen Gemeinde Boden in der Nähe von Montabaur gleich zweimal im Jahr: einmal an dem Tag, an dem sie geboren wurde. Und dann noch einmal an dem Tag, an dem ihr die Ärzte eine neue Leber einpflanzten.

Boden – Ihren Geburtstag feiert Mariele Höhn aus der kleinen Gemeinde Boden in der Nähe von Montabaur gleich zweimal im Jahr: einmal an dem Tag, an dem sie geboren wurde. Und dann noch einmal an dem Tag, an dem ihr die Ärzte eine neue Leber einpflanzten.
Die Westerwälderin leidet an einer seltenen Auto-Immunkrankheit der Gallenwege, die nach und nach die Leber zerstört. Ein Jahr verbrachte sie zwischen Hoffen und Bangen, bis endlich ein geeignetes Spenderorgan gefunden war.

An die qualvollen Monate des Wartens kann sich die 55-Jährige noch gut erinnern, auch wenn die Operation bereits 19 Jahre zurückliegt: „Die gepackten Koffer für die Fahrt ins Krankenhaus standen immer bereit, schließlich kann der Anruf, dass ein passender Spender gefunden ist, jederzeit kommen.“ Einmal erhielt sie eine Fehlermeldung und musste die Enttäuschung verkraften, dass der ersehnte Spender doch nicht gefunden war. Wochen später dann der erlösende Anruf: Um halb zehn Uhr abends erhält Höhn die Nachricht, dass sie sich für eine mögliche Operation bereithalten soll, nachts um drei kommt die Zusage der Klinik.

Da Transplantationszentren Anfang der 90er-Jahre in der Region noch spärlich gesät sind, fährt Höhn zunächst in die Flughafenklinik nach Frankfurt und wird von dort ins Krankenhaus nach Hannover geflogen: „Mit einem Mal war meine Angst vor der Operation weg. Ich dachte nur noch an die Chance zu überleben.“

Die Lebertransplantation gelingt, und auch wenn sie ihr ganzes Leben Medikamente mit starken Nebenwirkungen einnehmen muss, damit ihr Körper das neue Organ nicht abstößt, geht es Höhn heute gut. Die studierte Architektin kann sogar wieder stundenweise arbeiten.

Das Schicksal ihrer Mitpatienten lässt sie aber bis heute nicht los: Seit 1997 engagiert sie sich für den Verein „Lebertransplantierte Deutschland“, der Erkrankte und ihre Angehörigen durch die schwere Zeit des Wartens auf ein passendes Spenderorgan begleitet. Und nicht immer nimmt die Suche nach der neuen Leber ein gutes Ende: „Ich habe schon viele Bekannte sterben sehen, weil kein Spender gefunden wurde.“ Die Verzweiflung angesichts der todkranken Wartenden nimmt Höhn immer wieder aufs Neue mit: „Man könnte noch viel mehr Leute retten.“

Ihr Verein setzt sich dafür ein, dass die Organspende nicht länger tabuisiert wird und fordert, dass sich auch in den Kliniken etwas ändern muss: „Es werden immer noch viel zu wenig verfügbare Organe gemeldet.“ Eine Widerspruchsregelung, wie sie etwa in Spanien gilt, findet ebenfalls den Beifall der Lebertransplantierten: „Dadurch muss sich einfach jeder mit dem Thema Organspende auseinandersetzen.“

Von unserer Reporterin Martina Koch