Archivierter Artikel vom 13.10.2010, 08:00 Uhr
Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfälzer spenden mehr Organe

Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland deutlich zu niedrig. Deshalb hat Gesundheitsminister Philipp Rösler jetzt eine Aufklärungskampagne gestartet. In Rheinland-Pfalz trägt eine ähnliche Aktion erste Früchte.

Rheinland-Pfalz – Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland deutlich zu niedrig. Deshalb hat Gesundheitsminister Philipp Rösler jetzt eine Aufklärungskampagne gestartet. In Rheinland-Pfalz trägt eine ähnliche Aktion erste Früchte.

Frohe Kunde für schwer kranke Menschen: Die Zahl der Organspenden in Rheinland-Pfalz ist in den ersten neun Monaten um 70 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Haben 2009 nur etwa 15 Menschen von einer Million Einwohnern Niere, Leber oder Bauchspeicheldrüse gespendet, werden es in diesem Jahr vermutlich über 20 sein. Das sagt Dr. Thomas Breidenbach von der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) für Rheinland-Pfalz.

Damit hat sich das Land vom vorletzten auf Platz zwei hinter dem Nordosten katapultiert. Nur dort ist die Quote noch leicht höher. Zum Vergleich: Spanien, der weltweite Spitzenreiter beim Thema Organspende, erreicht einen Wert von 34.

Für Breidenbach ist der Anstieg unter anderem Folge einer Imagekampagne in Kliniken. Während Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) den Startschuss für eine bundesweite Kampagne gab, laufen solche Initiativen in Rheinland-Pfalz schon länger. Statt Ärzte unter Druck zu setzen, hat die DSO mit Medizinern kooperiert. Man habe versucht, Wissensdefizite auszugleichen und die Ärzte für das Thema zu sensibilisieren. Dies sei sehr wichtig, wie das Beispiel von SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier belege. Seit der Nierenspende für seine Frau haben sich die Anrufe bei der DSO vervierfacht.

Doch Breidenbach ist überzeugt: „Hätten wir bei den Organspenden spanische Quoten, dann hätte Steinmeier keine Niere spenden müssen.“ Deshalb unterstützt er Forderungen aus der Politik, die Spendenbereitschaft im Personalausweis, Führerschein oder in der künftigen elektronischen Gesundheitskarte festzuhalten. Dann müssten sich die Bürger mit diesem Thema beschäftigen.

Vor allem setzt sich der Experte für besser geschulte, hauptamtliche Transplantationsbeauftragte an Kliniken ein. Eine größere Spendenbereitschaft erhofft er sich auch durch eine erweiterte Widerspruchslösung. Dabei dürfen hirntoten Patienten Organe entnommen werden, wenn diese dem nicht ausdrücklich widersprochen und die Angehörigen einer Entnahme zugestimmt haben. Laut aktuellem Gesundheitsmonitor unterstützen 72 Prozent der Ärzte eine solche Neuregelung.

Von unserem Redakteur Christian Kunst