Archivierter Artikel vom 20.12.2011, 15:34 Uhr

Fußball-WM 2011: Japan läuft DFB-Frauen Rang ab

Die WM gerät zum großen Familienfest. Volle Stadien und begeisterte Fans sorgen für eine tolle Atmosphäre. Die deutsche Mannschaft allerdings wird den hohen Erwartungen nicht gerecht.

Alles ist bestens vorbereitet. Die deutsche Mannschaft bezieht ein wochenlanges Trainingslager, in Werbespots verulken die Frauen das starke deutsche Fußballer-Geschlecht mit der ambitionierten Aussage „Platz drei ist was für Männer“, ein ganzes Land ist schon im Titelfieber, da ist die WM im eigenen Land noch gar nicht angepfiffen. Ja, und dann kommt alles anders.

Japanerinnen feiern den WM-Titel
Der Jubel kennt keine Grenzen: Die Japanerinnen feiern den WM-Titel.
Foto: DPA
Was als Jubelorgie in Schwarz-Rot-Gold gedacht war, endet tatsächlich in einem Triumph in Blau. Japan – nicht Deutschland heißt am 17. Juli im Frankfurter WM-Stadion der neue Weltmeister der Fußball-Frauen. In einem packenden Finale setzen sich die Asiatinnen, angeführt von ihrer großartigen Spielführerin Homare Sawa, mit 3:1 im Elfmeterschießen durch. Es ist der ungeahnte Erfolg einer fußballerisch zweifellos talentierten Mannschaft, die ihre mentale Stärke daraus zieht, dass ihr in der Heimat Menschen die Daumen drücken, die Wochen zuvor bei einem Erdbeben und – schlimmer noch – bei der Katastrophe im Atomkraftwerk von Fukushima ihr Hab und Gut, nicht aber ihren Lebensmut verloren haben. Dafür wollen die japanischen Fußballerinnen danken und ihnen etwas von der Kraft zurückgeben, die ihnen für das Turnier in Deutschland mitgegeben wurde.

Mit dieser vielversprechenden Mischung aus Talent, Unbekümmertheit – die Japanerinnen hat nun wirklich niemand auf der Rechnung – und enormer Willenskraft haben die Asiatinnen im Viertelfinale schon dem großen Favoriten ein Bein gestellt – Deutschland. Die Spielerinnen von Bundestrainerin Silvia Neid haben gegen die flinken und ballgewandten Japanerinnen nie ein Mittel gefunden und müssen nach einem überraschenden 0:1 in Wolfsburg unter Tränen das Turnier verlassen. Aus allen Titelträumen gerissen, herrscht bei der Trainerin, bei den Spielerinnen und auch bei den zahlreichen Fans im Land große Ratlosigkeit. Alles Engagement – umsonst. Alle Vorschusslorbeeren – verfrüht. Die Bundestrainerin schweigt beharrlich zu den Gründen fürs frühe WM-Aus. In nahezu sämtlichen WM-Partien zuvor aber ist schon der Eindruck entstanden, dass die Mannschaft mit dem hohen Erwartungsdruck einfach nicht fertig wird. Druck freilich, den die Spielerinnen selbst mit aufgebaut hatten.

Aber in allem Negativen wohnt auch Gutes. Der guten Stimmung in den Stadien tut das deutsche Ausscheiden keinen Abbruch. In den Halbfinalpartien gibt es volle Ränge und viel Unterstützung für Japan, die USA, Schweden und Frankreich. Das Endspiel ist packend. Zweimal gehen die USA in Führung, zweimal kommt Japan zurück und hat im Elfmeterkrimi die besseren Nerven.

Aber auch wenn die deutsche Mannschaft frühzeitig zuschauen musste, so ist Deutschland doch auch ein Gewinner dieser WM. Es gibt viel Lob „für die beste Frauen-WM aller Zeiten“, wie die Fifa-Abteilungsleiterin Tatjana Haenni anerkennend hervorhebt. Die Besucher in den neun WM-Stadien genießen die Atmosphäre eines Familienausflugs: keine Polizeiaufgebote, keine betrunkenen Fans, keine Feuerwerkskörper, keine Randale. 771 419 Zuschauer sehen die Spiele in den Arenen. Das sind im Schnitt 25 714 Zuschauer. Locker erreicht das WM-Organisationskomitee mit der umtriebigen, stets freundlichen Steffi Jones die Stadien-Auslastung von 80 Prozent, womit der 51-Millionen-Etat ausgeglichen werden kann.

Dennoch ist nicht alles Gold, was glänzt. Die sechste Frauen-WM hat auch ihre Doping-Schattenseiten. Erst wird Kolumbiens Torfrau Yineth Varon positiv getestet, dann erwischt es die Nordkoreanerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim. Von diesen Fehltritten abgesehen, sind die Nordkoreanerinnen auch sportlich die größte Enttäuschung des Turniers. Ohne Tor und mit nur einem Punkt reisen die Nordkoreanerinnen nach der Gruppenphase wieder nach Hause.

Auch die Schiedsrichterinnen geben sich während des Turniers mitunter der Lächerlichkeit preis. Das von der Ungarin Gyoengi Gaal nicht geahndete Handball-Spiel von Äquatorialguineas Bruna ist die Slapstick-Einlage des Turniers schlechthin. Dennoch: Unterm Strich ist diese WM beste Werbung für den Frauenfußball.

Von unserem Redakteur Klaus Reimann

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