Archivierter Artikel vom 20.12.2011, 13:14 Uhr

Juli bis September 2011: Bolts Fehlzünder in Daegu

Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Südkorea wird nicht komplett zu den erwarteten Festspielen des Jamaikaners Usain Bolt. Dafür trumpft unter anderem der junge Speerwerfer Matthias de Zordo auf.

Wer sich an die altehrwürdigen Hefte von Asterix & Obelix erinnert, möge an den elften Band der Serie denken, Titel: Asterix und der Arvernerschild. Darin fällt der legendäre Satz „Alesia? Ich kenne kein Alesia!“ Wenn Sie in zehn Jahren auf den Jamaikaner Usain Bolt treffen, fragen Sie ihn doch einmal nach Daegu. „Daegu?“, wird er Sie erstaunt und fragend anschauen, „ich kenne kein Daegu – ich weiß nicht, wo dieses Daegu liegen soll.“

Usain Bolt
Der schnellste Mann der Welt steht ganz allein da – Usain Bolt nach dem Fehlstart im 100-Meter-Finale.
Foto: DPA
Daegu liegt in Südkorea, etwa 250 Kilometer von der Hauptstadt Seoul entfernt im Südosten des Landes. Soweit zur Geografie. Zum Sportlichen: Daegu war 2011 Gastgeber der Leichtathletik-Weltmeisterschaft, wenngleich sich am Jahresende nur noch Experten daran erinnern dürften, weltweit ist diese Sportstadt eher unbekannt.

Nach dem 100-Meter-Finale streicht auch Usain Bolt die Stadt vorübergehend komplett aus seinem Kopf. Sonntag, 28. August: Bolt hockt in der Startrampe für den WM-Titel über 100 Meter. Supermann der Szene, Weltmeister, Weltrekordler, dreifacher Olympiasieger von Peking. 25 Jahre junger Sprint-Millionär, das kritisch beäugte, coolste und wahrscheinlich größte Talent der Geschichte. Und dann: Fehlstart im Finale, er zuckt, bevor der Schuss fällt.

„Sucht Ihr nach Tränen? Ihr werdet sie nicht finden“, sagt der frustrierte Superstar nach der Blamage trotzig. Bolt verschwindet in den Katakomben, Trainingspartner Yohan Blake gewinnt in 9,92 Sekunden Gold. Vier Tage lang taucht Bolt unter, dann siegt er über 200 Meter und noch mit Weltrekord in der Staffel, und alles ist wieder normal.

Elf Monate vor den Olympischen Spielen in London scheint Bolt zwar nicht aus der Spur geraten zu sein, aber zum ersten Mal zeigt er so etwas wie einen Riss im ultrastabil erscheinenden Nervenkostüm.

Bolt beherrscht die internationalen Schlagzeilen von Daegu, im Schatten tasten sich die deutschen Athleten heran. Sieben Medaillen gibt es, darunter drei goldene.

2009 in Berlin gab es zwar acht WM-Plaketten, aber bei den Olympischen Spielen 2008 nur einmal Bronze. „Mit diesen Siegertypen gehören wir zu Recht zu den besten Leichtathletik-Nationen der Welt“, bilanziert der deutsche Sportdirektor Thomas Kurschilgen in Daegu mit geschwellter Brust.

Die deutsche Visitenkarte für London hat einen goldenen Aufdruck: Der streitbare Robert Harting verteidigt seinen Diskus-Titel, Kugelstoßer David Storl verblüfft die Weltelite als erster deutscher Weltmeister in dieser Disziplin.

In Storl gewinnt genauso sensationell ein schwarz-rot-goldenes Talent wie in Matthias de Zordo im Speerwurf: „Einfach drauflos dreschen und 150 Prozent abziehen“, erklärt der gebürtige Langenlonsheimer später sein Erfolgsrezept. Es reicht für Gold – gleich im ersten Versuch setzt der 23-jährige de Zordo mit 86,27 Metern eine Marke, die keiner übertrifft.

Von unserem Redakteur Volker Boch

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