Archivierter Artikel vom 12.10.2012, 09:15 Uhr
Kailua-Kona

Brütende Hitze und Wind: Eine wahre Tortur bis zum Zielstrich

Der Ironman Hawaii hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert, er ist zu einem wirtschaftlichen Erfolgsprojekt geworden, bei dem Umsatzzahlen genauso stark im Fokus stehen wie der sportliche Wettkampf. Aber zugleich ist er ein Wettbewerb geblieben, der seine Teilnehmer an ihre Grenzen treibt und sie zugleich dazu motiviert, ihr persönliches Limit zu verschieben. Denn die Konkurrenz, vor allem aber die Strecke verlangt den Athleten nach wie vor alles ab.

Drei deutsche Protagonisten der vergangenen Jahre: Normann Stadler gewann zweimal, stand aber 2005 auch als Titelverteidiger mit einem platten Reifen und Tränen in den Augen am Straßenrand ...
Drei deutsche Protagonisten der vergangenen Jahre: Normann Stadler gewann zweimal, stand aber 2005 auch als Titelverteidiger mit einem platten Reifen und Tränen in den Augen am Straßenrand ...
Foto: DPA
Die Schwimmstrecke führt vom Pier des Hafenstädtchens Kailua-Kona 1,9 Kilometer lang hinaus in den Pazifik, dort um einen Katamaran herum und wieder zurück zum Start. Häufig gibt es unterwegs Strömung, die Orientierung ist nicht leicht im offenen Meer, dazu sorgt Wind für Wellengang.

Nach dem Wechsel aufs Rad folgt anschließend die Radstrecke, die von Kailua-Kona nach Hawi im Norden der Insel und wieder zurück führt. Tückisch ist der Wind, der nie kalkulierbar ist und die großteils öde Lavalandschaft noch erbarmungsloser erscheinen lässt. In auf- und absteigenden Wellen zieht sich der Radkurs dahin, angesichts hoher Temperaturen und einer extremen Luftfeuchtigkeit ist die Belastung für Kreislauf und Muskulatur enorm.

... Faris Al-Sultan beeindruckte nicht nur bei seinem Sieg 2005 mit einer Soloflucht auf dem Rad ... 
... Faris Al-Sultan beeindruckte nicht nur bei seinem Sieg 2005 mit einer Soloflucht auf dem Rad ...
Foto: DPA
Die Laufstrecke ist die Krönung des Ironman Hawaii. Zum Abschluss des Wettkampfs steht den Athleten ein Marathon bevor, der an Härte kaum zu übertreffen ist. Zunächst absolvieren die Teilnehmer eine Startschleife durch Kona; wenn die ersten Athleten loslaufen, brütet gerade die Mittagshitze über dem Kurs – Temperaturen von mehr als 40 Grad sind hier die Regel. Nach der heißen Stadtrunde geht es hinaus, entgegengesetzt der Radstrecke und hinein ins Energy Lab, eine Forschungsstation für Klimaexperten. Hier kocht die Hitze die Sportler förmlich gar. Und noch ist er längst nicht zu Ende, denn ausgangs des Energy Lab sind erst drei Viertel des Marathons geschafft. Der Weg zurück in die Stadt ist eine wahre Tortur. Sie endet erst auf dem Zielstrich auf dem Alii Drive. vb

... Andreas Raelert hat noch nicht gewonnen, lief seit 2009 aber immer aufs Podium – im Vorjahr sogar mit einem geschwollenen Auge. Fotos: dpa
... Andreas Raelert hat noch nicht gewonnen, lief seit 2009 aber immer aufs Podium – im Vorjahr sogar mit einem geschwollenen Auge. Fotos: dpa
Foto: DPA
Volker Boch hat ein 384 Seiten starkes Buch über die Typen des Ironman Hawaii und die Geschichte des bekanntesten Triathlons der Welt geschrieben. „Road to Kona“ ist im Verlag Spomedis für 24,95 Euro erschienen. Das Buch ist erhältlich unter www.ku-rz.de/roadtokona