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Rheinland-Pfalz

Nürburgring-Verkauf: Für den Freizeitpark bleibt nur die Abrissbirne

Robertino Wild hatte gerade den Zuschlag für den Nürburgring bekommen. Aber auf dem Podium im Koblenzer Hotel "Contel" wirkte der Capricorn-Boss am frühen Abend vor allem erschöpft.

Der Nürburgring ist verkauft. Foto: dpa
Der Nürburgring ist verkauft.
Foto: dpa

Von unserem Redakteur Dietmar Brück

Nach der Sitzung des Gläubigerausschusses, die dreieinhalb Stunden länger als geplant währte, stellten sich Wild, GetSpeed-Gesellschafter Adam Osieka sowie die Insolvenzverwalter Jens Lieser und Thomas Schmidt den wartenden Journalisten. Der schnelle Zuschlag für Capricorn war offenbar kein Selbstläufer im Gläubigerausschuss gewesen. Lieser und Schmidt sprachen daher auch nur von einer einmütigen und nicht von einer einstimmigen Entscheidung. Im Vorfeld war Unmut angesichts des engen Zeitplans aufgekommen.

Robertino Wild indes schien das lange Warten auf das Votum des Gläubigerausschusses nicht mürbe gemacht zu haben. "Ich habe das ganze Leben auf den Nürburgring gewartet", meinte er. Wild hatte schon früh gegenüber unserer Zeitung erklärt, dass ihm die weltberühmte Traditionsrennstrecke ein Herzensanliegen ist. Zwischenzeitlich erhielt der Düsseldorfer sogar Applaus von den Verkaufsgegnern, die stundenlang vor dem Koblenzer Hotel ausgeharrt hatten. Wild reichte allen Kritikern die Hand. Er will sogar einen Beirat gründen, in dem Experten und Unternehmer der Region sitzen sollen. Die ersten haben wohl schon zugesagt.

Auch der Rest seiner ersten Agenda klang nach einem Wohlfühlprogramm für geschundene Ringseelen: Das Partydorf "Grüne Hölle" geht zur Hölle, wird also abgerissen. Der Ringracer, die ewig lahmende Achterbahn, macht im Winter den Abgang. Sie soll an einer anderen Stelle in Rheinland-Pfalz aufgebaut werden. In einem der vielen Freizeitparks? Näheres wollte Wild noch nicht sagen. Nur soviel: Er sieht sie als chronischen Verlustbringer am Ring.

Freizeitpark muss weichen

Dort, wo jetzt das Erlebnisdorf steht, soll autoaffines Gewerbe in einem Technologiepark angesiedelt werden. Capricorn und seine Mitstreiter hoffen auf reges Interesse einschlägiger Firmen. Insgesamt wollen Wild und Osieka mit den Finanziers im Hintergrund rund 25 Millionen Euro investieren. Ein Teil wird in die Nordschleife und den Grand-Prix-Kurs fließen, wo sich ein Investitionsstau angesammelt hat. Auch der ausgeschiedene Bieter H.I.G. hatte in diesem Bereich zweistellige Millioneninvestitionen versprochen.

Weitere Eckpunkte des Capricorn-Konzeptes: Verhältnis und Zusammenarbeit mit dem Industriepool sollen verbessert werden, also jener Autokonzerne, die die Nordschleife als Teststrecke nutzen. Touristenfahrten genießen weiter hohe Priorität. Die Zukunft der Formel 1 will Wild ebenfalls sichern, "wenn sie bezahlbar bleibt", wie der Unternehmer einschränkte. Der Capricorn-Gründer wörtlich: "Zur Königsstrecke gehört auch die Königsdisziplin." Wilds Co-Geschäftsführer bei der neu gegründeten Capricorn Nürburgring GmbH, Adam Osieka, meinte nur bescheiden: "Wir haben jetzt den ersten Schritt getan. Wir wissen, dass viele weitere folgen werden." Wie Medienprofis wirkten die neuen Herren des Rings nicht. Vielmehr scheinen sie vor der Aufgabe, die vor ihnen liegt, Respekt zu haben.

Jens Lieser und Thomas Schmidt machten nach dem nächtelangen Verhandlungsmarathon einen erleichterten Eindruck. Vor allem Sachwalter Lieser muss rund um die Uhr verhandelt haben. Lange war unklar, ob H.I.G. oder Capricorn den Zuschlag erhalten würden. Und während der gestrigen Sitzung des Gläubigerausschusses wurde noch ein Angebot regionaler Unternehmer abgegeben, die 15 Millionen Euro für den Freizeitbereich zahlen wollten. Aber selbst mit den 30 Millionen Euro, die der ADAC für Rennstrecken und Boulevard geboten hat, addiert, konnte diese Offerte die 77 Millionen von Capricorn nicht toppen. ADAC-Ehrenpräsident Otto Flimm meinte am Ende nur: "Das sind schöne Visionen. Ich bin nur skeptisch, ob Capricorn sie auch wirklich finanzieren kann."

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