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Neuwied

Gestank: Druck durch die Petition wächst

Ulf Steffenfauseweh

„Unerträglich“ – „Ekelerregend“ – „Es muss unbedingt etwas getan werden“: Auf diese drei Zitate lassen sich die vielen Kommentare unter der Onlinepetition „Schluss mit dem Gestank im Distelfeld“ von Martin Hahn (CDU) und Conrad Lunar (SPD) herunterbrechen. Knapp 850 Menschen hatten dort bis gestern unterzeichnet, darunter jetzt auch zahlreiche Mitarbeiter des St. Elisabeth-Krankenhauses, die klagen, den üblen Geruch sogar in der Klinik riechen zu müssen. Kommt jetzt Bewegung in die Sache? Vielleicht am Montag, wenn ein lang erwartetes Gespräch stattfindet.

Im Distelfeld stinkt es, und die meisten Menschen glauben, dass das Kompostwerk der Verursacher ist.
Im Distelfeld stinkt es, und die meisten Menschen glauben, dass das Kompostwerk der Verursacher ist.
Foto: Jörg Niebergall

Die Organisatoren der Petition gehen unterdessen davon aus, am Samstag bei einem Stand auf dem Luisenplatz das ausgegebene Ziel von 1000 Unterschriften zu erreichen. Anschließend wollen sie zeitnah nach Mainz fahren, um das Paket im Umweltministerium zu übergeben. Das Ziel dabei ist klar: den Druck auf die SGD Nord zu erhöhen. Denn die Kontrollbehörde tut nach Ansicht der beiden Petitionsersteller und zahlreicher Unterzeichner viel zu wenig.

„Irritiert“ sei er, sagt Lunar, der von 2007 bis 2010 selbst bei der Behörde beschäftigt war. „Warum da nicht mehr passiert, ist für mich nicht nachvollziehbar und ärgert mich“, sagt er, gibt allerdings auch zu bedenken, dass man sich „ein wenig an die eigene Nase fassen“, dass sich die Stadtverwaltung fragen muss, ob sie das Problem unterschätzt hat. Nachdem OB Roth Anfang 2017 Suez als Verursacher der Gerüche öffentlich benannt hatte, hätte man daran anknüpfen sollen, meint er, attestiert aber, dass der plötzliche Tod des Stadtchefs viel durcheinander gebracht hat.

Während Lunar noch vergleichsweise zurückhaltend agiert, fährt Hahn die nächste Frontalattacke gegen die SGD und deren Leiter Dr. Ulrich Kleemann. Der sehe „offenkundig keinen Anlass, seiner Verantwortung für die Gesundheit und die Lebensqualität der Bürger Neuwieds gerecht zu werden“, schreibt der CDU-Chef bei Facebook und fragt, warum die Behörde keine der einschlägigen Kontrollmethoden wie eine Rasterbegehung oder Geruchsemissionsmessung durchführt.

Hahn wirft der SGD vor zu mauern und Ergebnisse unter der Decke zu halten. Er kommt dabei zu dem Schluss, „dass all das nur zu erklären ist, wenn es etwas zu verheimlichen gibt, wenn wirtschaftliche Interessen des mutmaßlich für den Gestank verantwortlichen Unternehmens offenkundig über schutzwürdige Interessen der Menschen unserer Stadt gestellt werden“.

Hahn wirft der SGD außerdem vor, trotz der vielen Beschwerden nur sporadisch und seit Tagen gar nicht mehr kontrolliert zu haben. Und das stimmt, wenn man der Historie der Prüfungsmaßnahmen auf der Internetseite der SGD glaubt. Seit Juli sind dort insgesamt zwölf Ortstermine und Begehungen aufgeführt, der bislang letzte datiert vom 22. August. Geändert hat sich allerdings, dass die Kontrolleure bei den vier Terminen im August, anders als im Juli, Gerüche wahrgenommen haben: zweimal schwache, einmal „schwache, mitunter deutliche“, einmal keine.

Und welche Konsequenzen zieht die SGD daraus? Die Frage bleibt offen. In einer ungewöhnlich einsilbigen Antwort auf eine entsprechende RZ-Anfrage schreibt Pressesprecherin Sandra Hansen-Spurzem, dass die SGD Nord „alle Einwendungen, die ihr zugeleitet wurden,“ berücksichtigt. Die Behörde arbeite weiter an der Feststellung der Geruchsverursachung. „Wenn konkrete Ergebnisse vorliegen, wird die SGD Nord diese den Medien zur Kenntnis geben“, teilt sie mit und will nicht auf die Frage antworten, ob Landrat Achim Hallerbach und OB Jan Einig SGD-Chef Kleemann schon, wie beim CDU-Bürgerforum avisiert, eingeladen haben. „Der Terminkalender des Behördenleiters ist nicht für die Medien zugänglich“, lautet ihr Kommentar dazu.

Neuwieds Stadtsprecher Erhard Jung hatte dagegen weniger Problem damit, auf Nachfrage unserer Zeitung zu bestätigen, dass für diesen Montag ein Gesprächstermin vereinbart ist.

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