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Mülheim-Kärlich

Gaffer am AKW: Drohnen gefährden Arbeiter auf dem Kühlturm

Volker Schmidt

RWE macht sich ernsthaft Gedanken um die Sicherheit der Mitarbeiter, die auf dem etwa 160 Meter hohen Turm am Abriss arbeiten. Schuld daran sind „Schaulustige“, die den Abriss etwas zu genau unter die Lupe nehmen wollen – nämlich mit ihren Drohnen. Die RWE hat nun Konsequenzen gegen diese Art von „Gaffern“ angedroht.

Der Arbeitsplatz ist ohnehin nicht der ungefährlichste. Auf etwa 160 Meter Höhe sind die Experten auf einer schmalen Arbeitsplattform zugange. Da sind Irritation von außerhalb natürlich alles andere als erwünscht. Foto: dpa/Frey (Archiv)
Der Arbeitsplatz ist ohnehin nicht der ungefährlichste. Auf etwa 160 Meter Höhe sind die Experten auf einer schmalen Arbeitsplattform zugange. Da sind Irritation von außerhalb natürlich alles andere als erwünscht.
Foto: dpa/Frey (Archiv)

Der Abriss des Kühlturms im stillgelegten Kernkraftwerk Mülheim-Kärlich ist nach rund vierwöchiger Zwangspause am Freitagmorgen wieder angelaufen. Der speziell für das Projekt konzipierte Abbruchroboter wurde soweit modifiziert, dass er seiner Arbeit wieder nachgehen kann. Die RWE hat aber inzwischen eine ganz andere Sorge:

Denn das Unternehmen macht sich ernsthaft Gedanken um die Sicherheit der Mitarbeiter auf dem etwa 160 Meter hohen Turm. Schuld daran sind „Schaulustige“, die den Abriss etwas zu genau unter die Lupe nehmen wollen – nämlich mit ihren Drohnen. Die RWE hat nun Konsequenzen gegen diese Art von „Gaffern“ angedroht.
„Die Tage muss eine Drohne bis auf fünf Meter herangeflogen sein“, berichtet RWE-Sprecherin Dagmar Butz von dem wohl krassesten Fall. In jüngster Vergangenheit habe man mehrfach Drohnen in der Nähe des luftigen Arbeitsplatzes gesichtet. Für die Experten, die in der Höhe unter erschwerten Bedingungen arbeiten, zum Beispiel mit den starken Winden kämpfen müssen, eine echte Gefahr. „Es könnte zu Irritationen der Leute kommen, wenn die Drohnen zu nahe ran kommen“, befürchtet Butz. Einer solchen Situation sollen die Männer auf der schmalen Arbeitsplattform nach Möglichkeit nicht ausgesetzt werden. Ein weitere Gefahr stellen nach Informationen der RWE die Funkwellen dar, durch die die Drohnen gesteuert werden. „Wir fürchten eine Beeinflussung des Abbruchgeräts“, sagt die Unternehmenssprecherin und fügt hinzu: „Wenn das Gerät nicht ordnungsgemäß arbeitet, kann das auch zur Gefahr für die Arbeiter werden.“

Die RWE stellt klar: Das Fliegen rund um den Kühlturm ist verboten. „Dort existiert eine Flugverbotszone“, sagt Dagmar Butz. Das „temporäre Flugbeschränkungsgebiet“ – so die offizielle Bezeichnung – hat einen Radius von 1,48 Kilometern um den Kühlturm und gilt bis zu einer Höhe von 670 Meter über NN. Lässt man die Drohne an dem Koloss aufsteigen, ist das also kein Kavaliersdelikt, sondern ein Straftatbestand. „Wir werden das verfolgen“, betont die Sprecherin. Noch hat man allerdings keine Anzeige erstattet. „Bei den Drohnenflügen, die wir wahrgenommen haben, ist keine Strafanzeige gestellt worden, da der Verursacher nicht ausfindig gemacht werden konnte“, sagt sie. „Wir werden da aber ab sofort konsequenter vorgehen.“

Das Bundesverkehrsministerium hat den Betrieb von Drohnen im vergangenen Jahr neu geregelt. In dieser Verordnung, die am 7. April 2017 in Kraft trat, ist unter anderem von einem Betriebsverbot in „sensiblen Bereichen“ die Rede. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Einsatzorte von Polizei und Rettungskräften, um Menschenansammlungen, Gefängnisse, aber eben auch um Industrieanlagen. Auch der Betrieb in Flughöhen von mehr als 100 Metern ist untersagt – es sei denn, es handelt sich um ein speziell dafür vorgesehenes Gelände. Und das ist das Grundstück, auf dem der Kühlturm steht, nun mal nicht.

„Ich kann die Leute ja verstehen, dass sie Interesse an dem Abbruch haben“, sagt Dagmar Butz, „aber es gefährdet die Sicherheit der Arbeiter da oben.“ Die Drohung: Mit der Rücksichtnahme ist es nun vorbei.

Von unserem Redakteur Volker Schmidt

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