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Ein Rundgang durchs Stadtbad Koblenz: Die Substanz ist in Ordnung

Als Lothar Zehe vor 33 Jahren im Stadtbad anfing, da gab es noch die alten Brause- und Wannenbäder, in denen sich die Altstädter badeten. Meist einmal in der Woche. Manchmal mit der ganzen Familie, die durch eine Wanne hüpfte. „Das sah manchmal aus nachher!“, sagt der Bäderbetriebsleiter der Stadt Koblenz und lacht. „Es gab viele in der Altstadt, die kein Bad hatten. Die kamen zu uns.“

Koblenz – Als Lothar Zehe vor 33 Jahren im Stadtbad anfing, da gab es noch die alten Brause- und Wannenbäder, in denen sich die Altstädter badeten. Meist einmal in der Woche. Manchmal mit der ganzen Familie, die durch eine Wanne hüpfte. „Das sah manchmal aus nachher!“, sagt der Bäderbetriebsleiter der Stadt Koblenz und lacht. „Es gab viele in der Altstadt, die kein Bad hatten. Die kamen zu uns.“
Die Zeiten haben sich längst geändert. Wo damals die Brausebäder waren, haben heute moderne Saunakabinen und Ruheräume ihren Platz. Die Besucher kommen, um sich zu entspannen und weil Saunieren gesund ist. Und sie kommen in allererster Linie zum Schwimmen ins Stadtbad.
Oben in der Schwimmhalle ziehen sie ihre 25-Meter-Bahnen im 28 Grad warmen Wasser. Stammgäste zumeist. Man kennt sich, viele schwimmen nebeneinander und plaudern. Im wärmeren Nichtschwimmerbecken läuft gerade ein Wassergymnastik-Kurs. „Wir haben versucht, mit Farbe was zu machen“, sagt Lothar Zehe und deutet auf die bunt gepunkteten Säulen und farbenfrohen Wände. Die Decke, die mit Holz-Alu-Paneelen abgehängt war, ist nun mit einem festen Netzstoff bespannt. „Wir wollten da kein Risiko eingehen. In anderen Bädern kamen die abgehängten Decken runter, da haben wir sie vorsorglich abgemacht.“
Ein Schmuckstück ist das Stadtbad schon seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber es ist zweckmäßig, sagen die Besucher. Das zeigt auch der Keller: Das Schwimmbecken ist nicht wie bei vielen anderen Bädern in den Boden eingelassen, sondern es ist eine Betonwanne, die auf Pfeilern stützt. Und die sind bombenfest. „Der Beton ist der Hammer“, sagt Zehe zufrieden. „Wir haben versucht, einen kleinen Sockel zu entfernen, der nicht mehr benötigt wurde. Aber nachdem wir fünf Meißel kaputtgemacht haben, haben wir es aufgegeben.“
Lange Rohre verlaufen an den Wänden und Decken unterhalb der Schwimmbecken, die Wände sind wasserfleckig. An der Seite des Schwimmerbeckens sieht man noch ein Fenster. „1966 war das der allerneueste Stand der Technik“, sagt Betriebsleiter Zehe. „Da gab es sogar eine Gegensprechanlage, sodass der Trainer den Kunstspringern direkt sagen konnte, wie sie ihre Sprünge im Wasser noch verbessern können.“
Im großen Gaskessel wird die ganze Energie erzeugt, die für die gesamte Heizung und das Warmwasser für Duschen etc. benötigt wird. Und nicht nur das: Die angrenzende Clemens-Brentano-Realschule wird von hier aus mitgeheizt. „Wenn wir das Bad schließen, braucht die Clemi eine neue Heizung“, sagt Rüdiger Sonntag.
Zwei Kessel stehen hier nebeneinander. Einer ist gerade außer Betrieb, weil eine Dichtung kaputt ist. „Aber deshalb sind es ja zwei. Sonst könnte man immer zumachen, wenn mal was ist“, erklärt Zehe. Bei einem Stadtbad sind die Dimensionen ein bisschen anders als in einem Einfamilienhaus.
Das Herzstück eines jeden Schwimmbads ist die Filteranlage. Auch sie stammt natürlich nicht mehr aus dem Jahr 1966, sondern wurde zwischenzeitlich erneuert. Das Wasser läuft oben neben den Becken über die Überlaufrinnen in die eingelassenen Schwallbecken und dann durch Rohre nach unten in diese Filteranlage. Hier wird es von Grobstoffen gereinigt und durch Aktivkohle, Sand und Kies im Filter hochgepumpt – im Übrigen mit Pumpen aus dem Jahr 1965. „Die haben aber jetzt ausgedient, es gibt auch keine Ersatzteile mehr“, sagt Lothar Zehe.
Etwa 15 bis 20 Prozent Frischwasser und etwas Chlor werden zugesetzt, dann wird das Wasser wieder in die Becken geleitet. „Sowenig wie möglich, aber so viel Chlor wie nötig“, sagt Zehe. Denn ein Bad könne man nie ohne diese Zusätze betreiben, sonst sei die Gefahr von Krankheitsübertragungen viel zu groß. Wie viel Chlor drin ist und wie die Wasserqualität insgesamt ist, das zeigt ein kleines elektrisches Messgerät – vermutlich das modernste Stück im alten Bad.

Von unserer Redakteurin Doris Schneider

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