40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz/Mainz

Bekommt neues Hallenbad doch eine Sauna? Antwort lässt auf sich warten

Ingo Schneider

Spielt das Land mit, wenn die Stadt Koblenz das neue Hallenbad doch samt Sauna und Gastronomie selbst baut? Fließen auch in diesem Fall die nötigen Zuschüsse aus Mainz? Aus dem zuständigen Ministerium des Inneren und für Sport kommt jetzt die klare Haltung: Die Stadt sollte es zunächst mit einer erneuten Ausschreibung versuchen.

Wo das neue Hallenbad gebaut wird, steht schon lange fest: auf der Brachfläche im Rauental (Pfeil). Doch ob es am Ende ein Hallenbad mit Saunabereich und Gastronomie sein wird, das ist weiter völlig offen.
Wo das neue Hallenbad gebaut wird, steht schon lange fest: auf der Brachfläche im Rauental (Pfeil). Doch ob es am Ende ein Hallenbad mit Saunabereich und Gastronomie sein wird, das ist weiter völlig offen.
Foto: Sascha Ditscher

Das geht aus der Antwort von Innenminister Roger Lewentz (SPD) auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Anna Köbberling (SPD) hervor. Die Koblenzerin hatte nachgehakt, nachdem sich zuletzt geklärt hatte, dass jedenfalls EU-Vergaberecht nicht gegen einen Bau durch die Stadt sprechen würde. Warum dieser denn dann von der Landesregierung 2015 abgelehnt worden sei, wollte Köbberling wissen. Und ob man in Mainz jetzt bereit sei, das Vorhaben doch zu fördern, selbst dann, wenn die Stadt das Gesamtpaket selbst baut.

Zur Erinnerung: Ausgeschrieben waren Bau und Betrieb bereits, es fand sich nur eben kein Investor. Ein Bad ohne Sauna und Gastronomie erschien in Koblenz zwar nicht allzu attraktiv. Und dennoch wäre es fast so gekommen – und es ist auch noch nicht vom Tisch. Erst nachdem auf Initiative des Ratsherrn Stephan Wefelscheid (BIZ) von der zuständigen EU-Wettbewerbskommissarin klargestellt wurde, dass EU-Recht nicht gegen eine Förderung des Projekts mit der Stadt als Bauherrn steht, kam wieder Bewegung in die Sache. Und auch der neue Oberbürgermeister David Langner (SPD) betonte im Interview mit unserer Zeitung, dass die Stadt selbst bauen solle, wenn es irgendwie geht. Sauna und Gastronomie seien schließlich die Bereiche, in denen man bei dem Zuschussobjekt Schwimmbad „noch ein bisschen was reinholen“ könne. Das aber sieht man in Mainz skeptisch. Zunächst einmal habe aber bei der Ablehnung 2015 EU-Recht keine Rolle gespielt, betont Innenminister Roger Lewentz (SPD) in der Antwort auf Köbberlings Anfrage. Grund sei die fehlende Wirtschaftlichkeit gewesen. Die Stadt habe ursprünglich geplant, die fraglichen Schwimmbadbereiche zu bauen und dann an private Betreiber zu verpachten. Damit aber habe man zuletzt etwa in Mainz schlechte Erfahrungen gemacht. Zudem habe die Planung bei der Berechnung der Baukosten für Schwimmbadhalle, Sauna und Gastronomie Fehler enthalten. Richtig berechnet hätte der Anteil für Sauna und Gastronomie höher ausfallen müssen – und wo in der Berechnung der Stadt ein Überschuss stand, hätte damit ein Defizit stehen müssen. Mangels Wirtschaftlichkeit, so Lewentz, sei daher das Konzept übereinstimmend vom Ministerium und vom Rechnungshof abgelehnt worden.

Insgesamt habe der Rechnungshof Saunen in kommunalen Bädern als nicht wirtschaftlich eingestuft, anhand der Rechnung für die Kosten von Bau und Betrieb. Lewentz: „Nicht wirtschaftlich arbeitende Teilbereiche eines Betriebes können wohl kaum zur Wirtschaftlichkeit des Gesamtbetriebs beitragen, wenn dieser insgesamt defizitär bleibt.“

Eine Chance sieht man in Mainz zumindest noch in der „speziellen Expertise“ und dem kaufmännischen Ansatz privater Betreiber: Denen gelinge es regelmäßig besser, Sauna und Gastronomie zu betreiben. Daher, so Lewentz, „wurde der Stadt durch den Rechnungshof dringend empfohlen, nicht nur den Betrieb, sondern damit zusammen auch das Saunakonzept, die Finanzierung und den Bau auszuschreiben“. Zumal sich die Kosten für das Grundstück und die Parkplätze für die öffentliche Hand natürlich geringer ausfallen, wenn sich ein Privatunternehmen daran beteiligt.

Das Problem nur: Die erste Ausschreibung blieb ohne Erfolg. Für Mainz ein zusätzlicher Beleg für die skeptische Haltung in Bezug auf die Wirtschaftlichkeit. Das stütze die Einschätzung von Ministerium und Rechnungshof, dass sich für kaufmännisch planende Unternehmer die Gewinnmöglichkeiten „nicht zwingend aufdrängen“.

Eine eindeutige Antwort auf die Frage der Abgeordneten Köbberling, ob die Landesregierung jetzt bereit sei, der Stadt den Bau zu erlauben, gibt der Minister nicht. Und doch ist aus Mainzer Sicht klar: Die Stadt sollte erneut ausschreiben – und sich dabei mit dem Rechnungshof abstimmen. Bereits bei der ersten Ausschreibung habe der Rechnungshof angeboten, „sein Erfahrungswissen einzubringen“.

Was aber passiert, wenn auch auf eine neue, fachlich abgestimmte Ausschreibung kein Investor gefunden wird, bleibt offen. Anna Köbberling jedenfalls ist der Meinung, dass die Stadt dann weiter auf einen eigenständigen Bau der Sauna drängen müsse. „Mir leuchtet nicht ein, warum nur Private das wirtschaftlich hinbekommen sollen.“ Was sich bei allen offenen Punkten abzeichnet: Auf die Frage, ob die Stadt am Ende ein Bad mit oder ohne Sauna und Gastronomie bekommen wird, dürfte es so schnell keine Antwort geben.

Von unserem Redaktionsleiter Ingo Schneider
Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Donnerstag

3°C - 8°C
Freitag

2°C - 10°C
Samstag

1°C - 8°C
Sonntag

0°C - 7°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf