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Remagen

Nazigegner in Remagen deutlich in Überzahl

Ausnahmezustand an diesem Samstag in der sonst so beschaulichen Römerstadt Remagen. Doch nur bedingt wegen Demonstranten und Polizei. Vielmehr im Positiven. Denn Remagen zeigte sich auch von seiner gesprächigen, informativen und gastlichen Seite. Auf der Infomeile entlang der Marktstraße luden mehr als ein Dutzend Organisationen, Vereine und Gruppierungen zum Dialog ein. Im Mittelpunkt dabei das Leitmotiv "Wir in Remagen. Bunt und vielfältig".

Linke Gegendemonstranten und die Polizei
Linke Gegendemonstranten und die Polizei
Foto: Vollrath

Von Andreas Wetzlar

Rege Betriebsamkeit herrschte bereits am frühen Vormittag entlang der Stände. Einen Ort der Ruhe fanden die Besucher in der evangelischen Friedenskirche. Dort sorgten Irmgard und Johannes Morschhausen sowie Theresa und Rudolf Menacher mit angenehm entspannter Musik für einen Kontrapunkt zum Treiben in der Innenstadt. Zugleich bot sich ein perfekter Raum zum Beten und Nachdenken.

Nachdenklich stimmte aber auch die Aussage von Ingrid Heinmeier. Die 86-Jährige aus Dortmund hat den Zweiten Weltkrieg hautnah erlebt, Familienangehörige und Freunde durch die Folgen von Faschismus und Verfolgung verloren. Nach Remagen kommt sie seit vielen Jahren. Nicht nur, um die schöne Rheinpromenade oder die Apollinariskirche zu besuchen, sondern auch, wenn Uneinsichtige ihre politischen Parolen skandieren, einen vermeintlichen Trauermarsch abhalten und eine ganze Stadt verunsichern: "Die jungen Menschen, die sich haben einfangen lassen von Menschen- und Seelenfängern, kennen Angst und Schrecken, der von Krieg und Terror ausgeht, zum Glück gar nicht.

Unter den rechten Demonstranten war auch dieser Mann mit holländischer Flagge.
Unter den rechten Demonstranten war auch dieser Mann mit holländischer Flagge.
Foto: Vollrath

Hätten Sie aber auch nur einen einzigen Tag meiner Jugend miterlebt, würden Sie heute auf unserer Seite stehen." Und im Nachsatz stellte Hannah Blumenstein noch eine ganz wichtige Frage., nämlich: "Was treibt diese Menschen zu ihrer Gesinnung?" Eben diese Frage stand bereits am Freitagabend bei der Vorführung des Dokumentarfilms "Die Arier" von Mo Asumang in der Evangelischen Kirche im Raum. Die deutsch-ghanaische Sängerin, Schauspielerin und Regisseurin stellt scheinbar arglose Fragen, besucht Demonstrationen sowie Propaganda-Veranstaltungen und geht dabei der Frage nach: "Wo liegen die Ursprünge des Arierbegriffs und dessen Missbrauch durch Rassisten?" Eine allgemeingültige Antwort konnte weder im Film noch in der anschließenden, lebendigen Gesprächsrunde gegeben werden. Eindeutiger indes die Aufforderung: "Wegschauen und Gewährenlassen dürfen trotz vermeintlicher Hilflosigkeit nicht gelten. Vielmehr sollten wir bereit sein, für Frieden, Demokratie und Menschrechte aufzubegehren."

In noch einem Punkt herrschte sowohl am Freitag wie auch am Samstag große Einigkeit: Die Infomeile zum Tag der Demokratie in Remagen sollte es öfter geben. Vielleicht sogar ganz bewusst an einem anderen Tag. Damit auch jene kommen, die sich durch Demonstranten vom Besuch abschrecken lassen.

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