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    Berlin

    Die letzte Chance von Martin Schulz: Beim TV-Duell kann er sich direkt mit der Kanzlerin Merkel messen

    Es kann das größte Fernsehereignis des Jahres werden: Beim TV-Duell von Kanzlerin Angela Merkel und ihrem Herausforderer Martin Schulz am Sonntagabend ab 20.15 Uhr werden nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ deutlich mehr Zuschauer vor den Bildschirmen sitzen als vor der Wahl 2013. Damals waren es schon 18 Millionen.

    Merkel und Schulz
    SPD-Herausforderer Martin Schulz schafft es bisher nicht, Kanzlerin Angela Merkel aus der Reserve zu locken.
    Foto: Gregor Fischer - dpa

    Der Umfrage zufolge wollen 48 Prozent aller 61,5 Millionen Wahlberechtigten das von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragene Duell sehen. Immerhin gut jeder Fünfte gab an, dass der Ausgang der einzigen direkten Auseinandersetzung zwischen Schulz und Merkel seine Wahlentscheidung beeinflussen könnte.

    Umfrage
    TV-Duell: Merkel oder Schulz – Wer wird als Sieger hervorgehen?

    Fast die Hälfte aller Wahlberechtigen will sich das am Sonntag das TV-Duell zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Herausforderer Martin Schulz (SPD) ansehen. Wer wird als Sieger hervorgehen?

    Angela Merkel
    47%
    Martin Schulz
    33%
    Das ist mir egal
    20%
    Stimmen gesamt: 205

    Szenerie und Ablauf des TV-Duells werden dem Format von 2013 stark ähneln. Die Debatte soll 95 Minuten dauern. Vier Moderatoren stellen die Fragen: Maybrit Illner (ZDF) und Peter Kloeppel (RTL) sowie Sandra Maischberger (ARD) und Claus Strunz (ProSieben/Sat.1). 2013 hatte ProSieben den Entertainer Stefan Raab ins Rennen geschickt. Da dieser sich aus dem Fernsehgeschäft zurückgezogen hat, übernimmt jetzt Strunz für die Senderfamilie.

    Seit Tagen werden in Berlin in den großen TV-Studios in Adlershof im Südosten der Stadt Kabel verlegt, Kameras gestellt und Scheinwerfer gerichtet. Wie auch 2013 werden die Kandidaten an zwei Stehpulten positioniert. In einer großen Halle nebenan gibt es Platz für 700 Journalisten, Wahlkämpfer, Spin-Doktoren, Wissenschaftler und andere, die das Duell aus professioneller Sicht verfolgen und nach den letzten Sätzen der Kandidaten ihre Bewertungen abgeben.

    Kein Studiopublikum

    Ursprünglich wollten die Sender das Format verändern. Eigentlich sollten je zwei Moderatoren in Blöcken fragen. Außerdem wollten die Sender Studiopublikum einladen. ARD und ZDF beklagten sich, dass Merkels Vertraute, Regierungssprecher Steffen Seibert und Medienberaterin Eva Christiansen, dies abgelehnt haben. Auf der Internetseite der ARD ist zu lesen: „Die Vertreter der Bundeskanzlerin waren mit diesen dramaturgischen Veränderungen nicht einverstanden und lehnten eine Teilnahme unter diesen Bedingungen ab.“

    Für Merkel ist es bereits das vierte Duell. 2005 trat sie als Herausforderin gegen Gerhard Schröder an. Danach folgten Frank-Walter Steinmeier (2009) und Peer Steinbrück (2013).

    Für Schulz ist es das erste Duell. Er will, so sagt er, mit Inhalten überzeugen und die Kanzlerin nicht frontal angehen. „Ich respektiere Frau Merkel sehr. Wir kennen uns gut und haben häufig erfolgreich auf europäischer Ebene zusammengearbeitet“, sagte er. Die CDU-Vorsitzende habe jedoch keinen Plan. Die SPD hofft aber, dass ihr Parteichef, der vom Typ her rhetorisch stark und angriffslustig ist, in der direkten Auseinandersetzung Boden gutmachen kann. Manch ein Sozialdemokrat hofft noch auf den Umschwung im Wahlkampf.

    Aus diesem Grund waren die Sozialdemokraten auch so verärgert, dass das Kanzleramt offenbar sehr starre Spielregeln für den Ablauf vorgegeben hat. Schulz sieht sich benachteiligt – und wird von Ex-ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender bestätigt, der den Merkel-Leuten Erpressung vorwarf: „Das Kanzleramt verlangt ein Korsett für die Kanzlerin, in dem sie sich nicht bewegen muss. Und zugleich eines für Schulz, in dem er sich nicht bewegen darf.“

    Fest steht, die Antworten sollen jeweils nicht länger als 60 bis 90 Sekunden sein – unter dem Strich werden beide gleich lang reden. Weder Merkel noch Schulz dürfen etwas in die Kameras halten. Highlight des Duells 2013 war aber Merkel schwarz-rot-goldene „Schlandkette“. Die Auslosung hat Merkel gewonnen – sie wählte die Schlussfrage. Wohl in der Hoffnung, dass dieses Statement bei den Zuschauern am besten im Gedächtnis haften bleibt.

    Der renommierte österreichische TV-Profi Markus Peichl soll Schulz auf das Duell vorbereiten, heißt es in SPD-Kreisen. Schulz bringt viele Talente mit, die ihm im Duell helfen können. Er kann komplizierte Zusammenhänge einfach, klar und grundsätzlich erklären. Er besitzt Pathos und Emotionen. Doch trotz dieser Gaben ist das Duell für ihn eine Herausforderung. Er muss sein vulkanisches Talent kanalisieren. Begegnet er Merkel zu defensiv, wird man ihm Schwäche vorwerfen. Agiert er zu offensiv, könnte er zu aggressiv und damit unsouverän wirken. Für Schulz ist es also wichtig, die Wirkung auf dem Bildschirm neben einer abgebrühten Gesprächspartnerin zu trainieren, die ihren Amtsbonus ausspielen und sich durch nichts aus der Ruhe bringen lassen wird. Auch Steinbrück war ein hervorragender Rhetoriker. Doch das TV-Duell bewegte 2013 nicht viel für ihn. Zumal Merkel zum Schluss mit einem einfachen und freundlichen „Sie kennen mich“ seine Argumente neutralisierte.

    Schulz habe im SPD-Umfragetief gezeigt, dass er eine Kämpfernatur ist, heißt es anerkennend in Merkels Reihen. Dort werden ihm gute Chancen gegeben, ein Unentschieden zu erreichen – das sagen Demoskopen auch. Außerdem dürfte Schulz zugute kommen, dass er sich endlich im direkten Vergleich auf Augenhöhe mit der Kanzlerin präsentieren kann. Weder im Kabinett noch im Bundestag hatte er bislang eine Bühne. Zuletzt wirkte es fast so, Merkel mache sich einen Spaß daraus, den Namen Schulz ab und zu in den Mund zu nehmen – weil die Medien immer behaupten, sie ignoriere ihre Herausforderer.

    Wenig Überraschendes

    Auf der Agenda des Abends dürfte dabei wenig Überraschendes zu finden sein: Abgasaffäre, Terror, Türkei, Trump, Putin, Nordkorea, Aufrüstung, Flüchtlinge. Von Schulz wird erwartet, dass er einen Schwerpunkt bei Sozialem, Renten, Bildung setzt. Für Merkel dürften die Gerechtigkeitsthemen die schwierigsten sein. Hier kann sie gegen den Sozialdemokraten kaum gewinnen. Anders könnte es bei den internationalen Themen sein: Da setzt die Kanzlerin auf ihre Erfahrung mit den schwierigen Männern der Welt. Vielleicht noch wichtiger als die Inhalte sind beim Duell Gestik, Mimik und Tonfall. Verheddert sich ein Kandidat in Details, schwitzt, stottert? Knöpft sich der Herausforderer die Kanzlerin richtig vor? Es wird auf jeden Fall spannend. qua/dpa

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