Archivierter Artikel vom 17.06.2010, 14:41 Uhr

Gloria Victoria und Daniel sind in der Prinzenrolle

Am Samstag freut sich Ockelbo und ganz Schweden sowieso. Fast zehn Jahre nach dem Kennenlernen heiratet Kronprinzessin Victoria den ehemaligen Fitnesstrainer Daniel Westling. Und zwar auf den Tag genau 34 Jahre, nachdem sich ihre Eltern, Silvia und Carl Gustaf das Jawort gegeben haben.

Am Samstag freut sich Ockelbo und ganz Schweden sowieso. Fast zehn Jahre nach dem Kennenlernen heiratet Kronprinzessin Victoria den ehemaligen Fitnesstrainer Daniel Westling. Und zwar auf den Tag genau 34 Jahre, nachdem sich ihre Eltern, Silvia und Carl Gustaf das Jawort gegeben haben.

Wenn das nicht Liebe ist: Kronprinzessin Victoria und Daniel Westling, künftiger Prinz Daniel von Schweden, treten nach fast einem Jahrzehnt als Paar, 16 Monaten als Verlobte und nicht zuletzt nach zähem Widerstand des Vaters König Carl XVI. Gustaf vor den Traualtar. In Stockholm werden morgen mehr als eine Million Schaulustige bei der Traumhochzeit des Jahres erwartet. Die Fernsehsender übertragen fast ganztägig: König Fußball bei der WM in Südafrika bekommt dann majestätische Konkurrenz aus dem hohen Norden.

Heidelberger Erinnerungen

Das gewaltige Interesse am Ja-Wort der 32-jährigen Victoria und ihres vier Jahre älteren Auserwählten lässt Erinnerungen wach werden an zwei „Märchen-Hochzeiten“ der Vergangenheit: Am 19. Juni 1976, auf den Tag genau 34 Jahre vor der Tochter, traten die Heidelbergerin Silvia Sommerlath und Carl Gustaf ebenfalls vor den Altar der Stockholmer Domkirche. Aus der Diplom-Dolmetscherin und Olympia-Hostess in München wurde die hoch geachtete Königin von Schweden. Gut fünf Jahre später schaute alle Welt nach London, wo am 29. Juli 1981 der britische Thronfolger Prinz Charles Diana Spencer zu seiner Frau machte.

Das große Brautkleid, die Kutschfahrt im eleganten Landauer, verliebte Blicke, sentimentale Festreden: Bei Victorias Hochzeit wird vieles an die letzten Jahrhundert-Hochzeiten erinnern – und doch alles anders sein. Schwedens Kronprinzessin ist in den Augen ihrer Landsleute weder eine geheimnisvolle exotische Schönheit wie einst ihre Mutter, Carl Gustafs Eroberung von den Olympischen Spielen in München 1972, noch gilt sie als extravaganter Jet-Set-Liebling wie die 1997 tragisch gestorbene Lady Di.

Victoria hat ihre Mutter als populärste Frau Schwedens vor allem dank ihres unverstellten, freundlichen und alles andere als „hochnäsigen“ Auftretens abgelöst. „Mama spricht sehr gut Schwedisch und manchmal sehr falsch,“ sagt sie liebevoll, und niemand nimmt ihr den Spaß krumm. Und vor allem hat sie zu ihrem Daniel gestanden, der überhaupt keinen adligen Hintergrund hat. „Mit ihm an meiner Seite fühle ich mich sicher“, sagte die Thronfolgerin im Februar 2009 bei der Verlobung – und man glaubte es ihr.

Gegenwind macht stark

„Unsere Liebe ist mit den Jahren immer stärker geworden“, sagte der Bräutigam, der nach der Verlobung noch eine Nierentransplantation zu überstehen hatte. Vielleicht stimmt für diese Beziehung die Behauptung, dass Gegenwind zusammenschweißt. Denn vor allem König Carl Gustaf hat sich wohl jahrelang heftig gegen den Sohn kleiner Angestellter aus dem Provinznest Ockelbo als Schwiegersohn und Prinz in spe gewehrt. Auch Royalisten in Schweden fanden, dass der Betreiber von Fitnessstudios nicht unbedingt die Aura des „Besonderen“ ausstrahlt, die eine Monarchie nun mal benötige.

Aber Victoria blieb stur. Sie bekam am Ende nicht nur die nach der Verfassung nötige Genehmigung ihres Vaters. Sie hatte auch mehr Glück mit der Partnerwahl als Prinzessin Madeleine, ihre vier Jahre jüngere Schwester. Die blonde Schönheit löste im April ihre Verlobung mit dem eleganten Anwalt Jonas Bergström auf, der ihr als Bräutigam mit einer Norwegerin untreu gewesen sein soll. Seit den demütigenden Berichten darüber und der „Entlobung“ hat sich die bisher als „Partylöwin“ geltende Madeleine nicht mehr in der Öffentlichkeit gezeigt. Bei der Hochzeit der großen Schwester ist sie morgen aber dabei. Am Dienstag dieser Woche hat sie ihren „Urlaub“ in den Vereinigten Staaten beendet.

Auch Kronprinzessin Victoria hat in den letzten Wochen rar gemacht in der Öffentlichkeit, was alle normal finden, denn auf Braut und Bräutigam kommen harte Tage zu. Seit gestern trudeln Angehörige der europäischen Königshäuser in Stockholm ein. Bis Sonntag geht es Schlag auf Schlag mit Festen, Empfängen, Galakonzerten.

Samstag um 15.30 Uhr ist dann die Trauung durch den Stockholmer Bischof Anders Weyryd. Mit dem Ja-Wort wird aus „Herrn Daniel Westling“, wie es in offiziellen Mitteilungen des Hofes stets ein wenig steif und nicht besonders freundlich heißt, der neue Prinz Daniel und Herzog von Västergötland.

Die anschließende Kutschfahrt durch die schönsten Teile des so wunderschön am Wasser gelegenen Stockholm sichern mehrere tausend Soldaten und Polizisten. Das Interesse des Publikums an dieser fantastischen „Fotogelegenheit“ haben etliche Reiseveranstalter aber wohl doch überschätzt: Der große Ansturm auf die Stockholmer Hotels ist ausgeblieben.

Denn obwohl das Wetter günstig sein soll, werden es viele Schweden vorziehen, daheim am Fernseher oder beim „Public Viewing“ das Ereignis zu verfolgen. Denn es ist ein Ereignis in Schweden. Seit ein Bernadotte im Jahr 1818 den schwedischen Thron bestieg, wurde in den – vornehmlich deutschen Hochadel – geheiratet. Endlich kommt ein Schwede zum Zug!

„Blaue“ Heiratspolitik

Böse Zungen behaupteten, diese Heiratspolitik der Vergangenheit sollte das Blut der Bernadottes überhaupt erst „blau“ machen. Die Familie stammt aus der Kleinstadt Pau im Südwesten Frankreichs. 1810 wurde Jean-Baptiste Bernadotte, Marschall von Frankreich und napoleonischer Fürst von Pontecorvo, vom letzten König aus dem Hause Holstein-Gottorp, Karl XIII., adoptiert und nach dessen Tod als Karl XIV. Johann zum König von Schweden gekrönt. Er soll, für damalige Verhältnisse, bereits durchaus volkstümlich gewesen sein. Übrigens machte erst Victorias Vater Carl Gustaf Schluss mit der bis dahin offiziellen Titulatur „König der Schweden, Goten und Vandalen“ und wählte bei seiner Thronbesteigung 1973 nur noch den den Titel „König von Schweden“. Vielleicht wäre sonst Silvia damals auch verschreckt gewesen – so als künftige Königin der Vandalen ... Victoria jedenfalls tritt ein großes Erbe an.

Versuchen wir uns im Schwedischen und wünschen: Härtliga Gratulationer, Kungliga Höghet. Und natürlich: Viel Glück, Daniel Westling.

Thomas Borchert und Jochen Kampmann