Archivierter Artikel vom 17.06.2010, 14:52 Uhr

Das Paradies der Bernadottes im Bodensee

Schweden erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit – nun ja, abgesehen von dieser Fußballgeschichte 1958 in Göteborg, als die deutsche Nationalmannschaft mit den gräßlich Heja-Heja-Rufen fertig gemacht wurde. Pippi Langstrumpf, Knäckebrot, Billi-Regale und als Krönung Silvia Sommerlath haben dafür gesorgt, das wir dieses wunderschöne Land sozusagen adoptiert haben oder zumindest ins Herz geschlossen.

Die Insel Mainau im Bodensee ist ein Stück Schweden in Deutschland. Graf Lennart machte es berühmt.
Die Insel Mainau im Bodensee ist ein Stück Schweden in Deutschland. Graf Lennart machte es berühmt.
Foto: dpa

Schweden erfreuen sich hierzulande großer Beliebtheit – nun ja, abgesehen von dieser Fußballgeschichte 1958 in Göteborg, als die deutsche Nationalmannschaft mit den gräßlich Heja-Heja-Rufen fertig gemacht wurde. Pippi Langstrumpf, Knäckebrot, Billi-Regale und als Krönung Silvia Sommerlath haben dafür gesorgt, das wir dieses wunderschöne Land sozusagen adoptiert haben oder zumindest ins Herz geschlossen.

Ein Schwede hat in Deutschland ganz besonderes geleistet: Graf Lennart Bernadotte (1909–2004), der auf der Mainau im Bodensee ein Paradies auf Erden geschaffen hat. Über eine Million Besucher kommen jedes Jahr auf das Eiland, wo dank einer Art Mikroklima seltene Pflanzen aus aller Herren Länder gedeihen.

Graf Lennart – übrigens ein Oscar-Preisträger für seinen 1951 produzierten Dokumentarfilms über Thor Heyerdahls Pazifik-Überquerung mit dem Floß „Kon-Tiki“ – erbte die 45 Hektar große Mainau und verwandelte das verwilderte Stück Land. 1955 wurde er Präsident der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft. In dieser Funktion rief er 1961 den Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ ins Leben.

Lennart Bernadotte, als Prinz in Stockholm geboren, hatte 1932 eine schwedische Fabrikantentochter geheiratet. Das nannte man damals noch „Mesalliance“; er verzichtete durch Austritt aus dem schwedischen Königshaus auf Thronfolgeansprüche und war „nur“ Herr Bernadotte. Erst 1951 erhielt er durch seine Tante, Großherzogin Charlotte von Luxemburg, wieder einen Titel, den des Grafen „von Wisborg“. Von seinen fünf Kinder aus zweiter Ehe (aus erster Ehe stammen vier Kinder) sind zwei unmittelbar für die Mainau tätig. Bettina Gräfin Bernadotte ist Geschäftsführerin der Mainau GmbH, ihr Bruder Björn Wilhelm Geschäftsführer der Lennart-Bernadotte-Stiftung.

Beide werden morgen in Stockholm sein – zumindest zwei Namen auf der immer noch hoch geheimen Gästeliste. Aber was heißt schon geheim? Bei den vielen „üblichen Verdächtigen“

Jochen Kampmann