Archivierter Artikel vom 10.06.2011, 07:46 Uhr
Berlin

Experte: Dienst unattraktiv

Die Bundeswehr ringt nach dem Ende der Wehrpflicht um Freiwillige. Doch die bleiben aus. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP), warum ihn das kaum wundert.

Hellmut Königshaus
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Hellmut Königshaus
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M Berlin. Die Bundeswehr ringt nach dem Ende der Wehrpflicht um Freiwillige. Doch die bleiben aus. Im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus (FDP), warum ihn das kaum wundert.

Der Freiwilligendienst soll die Wehrpflicht ersetzen. Allerdings melden sich bislang kaum Kandidaten dafür. Woran liegt das?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht sonderlich überraschend. Er läuft schon deshalb nicht, weil jeder vorher wissen will, worauf er sich einlässt. Solange die Strukturreform der Bundeswehr läuft, kann niemand genau wissen, wo er letztlich hinkommt.

Die Reform bremst sich in diesem Punkt also selbst aus?

Danach sieht es aus. Zudem fürchten viele, dass sie um eine mögliche Prämie oder ein höheres Gehalt gebracht werden, wenn sie sich zu früh verpflichten. Deshalb ist es wichtig, dass eine Art Meistbegünstigtenprämie eingeführt wird, die Soldaten, die sich jetzt melden, vor späterer Schlechterstellung schützt. Es ist gut, dass der Bundestag kürzlich einem entsprechenden Entschließungsantrag der Koalition zugestimmt hat.

Reichen dem Freiwilligendienst derzeit die finanziellen Mittel, um attraktiv zu sein?

Der Dienst ist derzeit nicht attraktiv ausgestaltet – er soll es aber werden. Und dafür braucht man Geld. Entscheidend ist dabei, dass wir auch über die 15 Monate hinaus eine große Zahl von Längerdienern gewinnen können.

Dabei steht sich die Bürokratie in den Streitkräften oft selbst im Weg.

In der Tat werden auch Soldaten entlassen, die gern länger bleiben würden und deren Fähigkeiten – und das ist das Entscheidende – in der Truppe dringend gebraucht werden. Oft ist aber das Argument, dass der jeweilige Jahrgang bereits „aufgefüllt“ sei, entscheidend. In solchen Fällen sollte man flexibler und intelligenter verfahren. Wohl wissend, dass man damit zeitweise geringfügig nach oben vom gewünschten Altersschnitt der Bundeswehr abweicht. Aber lieber einen etwas höheren Altersdurchschnitt als gar keine Soldaten.

Welche Dienstzeitmodelle halten Sie deshalb für sinnvoll?

Wir sollten längere Zeiten ermöglichen. Bei Mannschaftsdienstgraden zum Beispiel kann ich mir eine Dienstdauer von zwölf Jahren durchaus vorstellen – mit entsprechender beruflicher Qualifikation während der Dienstzeit. Langfristig ist entscheidend, dass wir eine vernünftige Altersstruktur bei gleichzeitiger fachlicher Kompetenz erreichen.

Wo muss inhaltlich nachgebessert werden, damit mehr Bewerber kommen?

Das ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen, da noch nicht allzu viel klar ist. Ohne die konkrete Struktur der Bundeswehr zu kennen, möchte ich mich nicht festlegen. Aber wir müssen sicherstellen, dass beispielsweise Infanteristen so ausgebildet werden, dass sie nach dem Dienst auch zivile Fähigkeiten besitzen.

Ist dafür nicht der Berufsförderdienst der Bundeswehr zuständig?

Ja. Nur nach den aktuellen Plänen sollen viele Soldaten nur sieben Jahre im Dienst bleiben. Der Berufsförderdienst greift aber erst ab acht Jahren Dienstdauer. Diese Sparmaßnahme widerspricht jeglicher Fürsorgepflicht für die Soldaten.

Das Gespräch führte Peter Lausmann