Archivierter Artikel vom 28.06.2011, 09:35 Uhr
Koblenz

Deutscher Bauerntag in Koblenz: Die Landwirte nutzen die Energiewende

Für drei Tage steht Koblenz ganz im Zeichen der Landwirtschaft: Rund 1000 Delegierte werden vom 29. Juni bis zum 1. Juli zum Deutschen Bauerntag in der Stadt an Rhein und Mosel erwartet.

In der Ehec-Krise mussten Bauern massenweise Salat unterpflügen; die Trockenheit macht den Landwirten vielerorts zu schaffen. B
In der Ehec-Krise mussten Bauern massenweise Salat unterpflügen; die Trockenheit macht den Landwirten vielerorts zu schaffen. B
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Koblenz. Für drei Tage steht Koblenz ganz im Zeichen der Landwirtschaft: Rund 1000 Delegierte werden vom 29. Juni bis zum 1. Juli zum Deutschen Bauerntag in der Stadt an Rhein und Mosel erwartet.

Beim Deutschen Bauerntag in Koblenz geht es vor allem um die Perspektiven.
Beim Deutschen Bauerntag in Koblenz geht es vor allem um die Perspektiven.
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Natürlich werden viele Gespräche um die Ehec-Krise und die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit im Frühjahr kreisen. Doch im Mittelpunkt stehen drei Themen, die in die Zukunft weisen.

Die Energiewende bietet neue Chancen beim Anbau nachwachsender Rohstoffe – wie etwa der dreijährigen Weiden, die hier geerntet, gehäckselt und dann in einem Biomasse-Kraftwerk verbrannt werden. Aber die Frage der Einheitlichkeit innerhalb der EU ist noch längst nicht beantwortet.
Die Energiewende bietet neue Chancen beim Anbau nachwachsender Rohstoffe – wie etwa der dreijährigen Weiden, die hier geerntet, gehäckselt und dann in einem Biomasse-Kraftwerk verbrannt werden. Aber die Frage der Einheitlichkeit innerhalb der EU ist noch längst nicht beantwortet.
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Ein Überblick:

1 Die Bundesregierung treibt die Energiewende voran, und die Bauern wollen davon profitieren. Schon heute hat die Biomasse den größten Anteil an den erneuerbaren Energien, betont Helmut Born, Generalsekretär des Deutschen Bauernverbands (DBV) – und hat damit sowohl die Windkraft als auch die Fotovoltaik hinter sich gelassen.

Auf 2,2 Millionen Hektar Fläche werden nachwachsende Rohstoffe für die Stromerzeugung (beispielsweise Mais, das in Biogasanlagen verstromt wird), für Kraftstoffe (Biodiesel und Bioethanol) sowie für die Wärmeerzeugung (Restholz, Stroh und Pflanzenöle) angebaut. Gerade im Wärmesektor ist die Biomasse dominant.

Um aber die Energiewende zu schaffen, muss auch die Landwirtschaft noch mehr beitragen. Die Bauern möchten um jeden Preis vermeiden, dass eine neue „Teller oder Tank“-Diskussion aufflammt: Sie wollen wirklich nachhaltig wirtschaften und nicht auf Kosten der Lebensmittelerzeugung, die ihnen am Herzen liegt.

Born verlangt dabei auch von den neuen grünen Fachministern in den Ländern, eine klare Linie abzustecken. „Die Grünen müssen ihre eigenen Ziele zur Deckung bringen“, betont der DBV-Generalsekretär. Die rheinland-pfälzische Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken wolle einerseits den ökologischen Landbau vorantreiben, was eine extensivere Bewirtschaftung bedeutet: Die Bauern benötigen dazu rund das Doppelte der Fläche wie im konventionellen Landbau. Andererseits gebe Höfken aber das Ziel aus, 20 Prozent der Rohstoffe sollten künftig nachwachsend sein. „Wir können nicht alles auf einmal haben“, sagt Born dazu. Die Hauptfrage, die der Bauerntag klären soll, ist deshalb: Wie intensiv bewirtschaften wir künftig unsere landwirtschaftlichen Flächen? „Es wäre schon viel erreicht, könnten wir die Minister zumindest nachdenklich stimmen“, gibt der DBV-Generalsekretär als Ziel aus.

2 Die Bauern und das liebe Geld: Wie es mit der EU-Agrarförderung nach 2013 weitergeht, ist für die Landwirte eine existenzielle Frage. Sie wünschen sich, dass nach drei tief greifenden Reformen von 1992 über 2000 bis 2004 nun Ruhe einkehrt. Kontinuität ist ihr Ziel für die gemeinsame Agrarpolitik in den Jahren 2014 bis 2020. Ob es erreicht wird, steht in den Sternen.

Denn die Planungen müssten schon in der Endphase sein, um rechtzeitig beschlossen zu werden. Doch die EU-Erweiterungen haben den Fahrplan völlig durcheinandergebracht. Ende Juni, parallel zum Bauerntag, wird nun erst einmal der grobe Finanzrahmen abgesteckt, damit wird dann auch klar sein, was auf die Agrarpolitik entfällt. Doch erst danach wird geklärt, ob es beispielsweise beim Direktausgleich für Umwelt- und Naturschutzleistungen bleibt, wie es sich die Bauern wünschen. Immerhin: Nachdem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zunächst Anstalten gemacht hatte, alles umzukrempeln, wird er jetzt wohl einen aus Sicht der Bauern „vernünftigen“ Vorschlag präsentieren. „Auch Barroso hat erkannt: Wir brauchen keine Revolution, sondern Konstanz“, sagt Helmut Born dazu.

3 Die Bauern wollen sich in Koblenz zudem ihrer selbst vergewissern. Die Delegierten werden ein neues Leitbild beschließen, das die verschiedenen Interessenlagen beispielsweise der Getreide- und Fleischproduzenten, der Obst- und Gemüsebauern, der Wald- und der Energiebauern bündelt. Die Satzung soll in einigen Punkten geändert werden. So wird die Legislaturperiode von drei auf vier Jahre verlängert; für Ämter gilt künftig eine Altersgrenze von 65 Jahren; die Jugend soll stärker im Verband verankert werden.

Von unserem Redakteur Jörg Hilpert