Archivierter Artikel vom 24.12.2011, 07:00 Uhr

Radio Andernach schickt Weihnachtsbotschaften in die Welt

Mayen/Masar-i-Scharif – Während die Kinder das Christkind ersehnen, warten Tausende Männer und Frauen jenseits der Heimat auf die eine Stimme im Radio. Genau genommen warten sie auf wenige Momente, die nur ihnen speziell gewidmet sind. Zum Beispiel so: „Für den Feldwebel Friedrich in Afghanistan: Hallo mein Schatz. Wir denken an dich und wünschen dir ein schönes Weihnachtsfest. Wir vermissen dich und freuen uns jetzt schon darauf, dich bald wieder am Flughafen abholen zu können.“

Aus dem Mayener Studio gehen die Weihnachtsgrüße an Tausende Soldaten der Bundeswehr, die Weihnachten im Einsatz verbringen.
Aus dem Mayener Studio gehen die Weihnachtsgrüße an Tausende Soldaten der Bundeswehr, die Weihnachten im Einsatz verbringen.
Foto: dpa

Mayen/Masar-i-Scharif – Während die Kinder das Christkind ersehnen, warten Tausende Männer und Frauen jenseits der Heimat auf die eine Stimme im Radio. Genau genommen warten sie auf wenige Momente, die nur ihnen speziell gewidmet sind. Zum Beispiel so: „Für den Feldwebel Friedrich in Afghanistan: Hallo mein Schatz. Wir denken an dich und wünschen dir ein schönes Weihnachtsfest. Wir vermissen dich und freuen uns jetzt schon darauf, dich bald wieder am Flughafen abholen zu können.“

Dann folgt oft noch ein Liedwunsch der Familie. „Angels“ von Robbie Williams ist so ein Klassiker. Es sind Momente, in denen die Tränen kullern – auch bei den härtesten Männern und Frauen. Besonders dann, wenn der Gruß nicht nur vorgelesen wird, sondern auch als Audiodatei vorliegt.

8000 Bundeswehrangehörige sind über die Weihnachtsfeiertage im Auslandseinsatz – in Afghanistan, im Kosovo, auf den Schiffen am Horn von Afrika. Die meisten von ihnen hören in diesen Tagen zwischen 8 und 16 Uhr gebannt ein Programm: den Grußmarathon des Soldatensenders Radio Andernach. Rund 2000 Weihnachtsgrüße sind in der Redaktion in Mayen (Kreis Mayen-Koblenz) in der Adventszeit eingegangen – 200 mehr als im Vorjahr.

Und das, obwohl die Soldaten mittlerweile durch Handy und E-Mail fast jeden Tag mit ihren Familien in Kontakt stehen. „Ein Radiogruß ist aber immer noch eine Besonderheit – etwas Festliches“, erklärt Chefredakteur Major André Burdich. Eine Tradition aus der Zeit, als das Internet die Welt noch nicht zusammenschrumpfen ließ. „Zudem muss man bedenken, dass wir für einige Außenposten die einzige Verbindung zur Heimat sind.“

Radio Andernach wird in den Feldlagern über UKW ausgestrahlt und ist damit auch für das Umland abhörbar. „Deshalb werden die Daten der Soldaten so weit anonymisiert, dass die Angesprochenen sie noch erkennen können, aber sonst keine Rückschlüsse gezogen werden können“, erklärt Burdich das Vorgehen.

Während die Redaktion in Mayen mit Grüßen der Familien eingedeckt wird, sind es im afghanischen Bundeswehr-Hauptquartier in Masar-i-Scharif die Soldaten selbst, die täglich die kleine Mannschaft des Senders bestürmen. Grund: Dort hängen Listen aus, auf denen gegrüßte Soldaten aufgelistet werden. So kann jeder bereits im Vorfeld sehen, ob er mit dabei ist. „Zudem bieten wir den Service an, dass jeder Soldat seinen Gruß und seinen Liedwunsch auch auf CD bekommt“, erklärt Burdich, „denn nicht alle können an dem entsprechenden Tag auch immer Radio hören.“ Viele wollen diesen mit Sehnsucht und Heimweh aufgeladenen Moment auch für sich allein in ihrer Unterkunft erleben.

Von unserem Redakteur Peter Lausmann

Über die Weihnachtstage wird Radio Andernach seine Sendung auch für alle anderen Interessierten zugänglich machen. Bis zum 2. Januar ist das Programm im Internet freigeschaltet: http://87.118.72.162:5000/live

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