Archivierter Artikel vom 07.09.2012, 14:04 Uhr
Frankfurt

Streikroutine im Terminal – Passagiere reagieren gelassen

Lange Gesichter und Warteschlangen? Fehlanzeige. Am Frankfurter Flughafen ist trotz der flächendeckenden Streiks fast so etwas wie Routine in Terminal 1 eingezogen.

An Schaltern der Lufthansa warten Passagiere.

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Ein Passagier schläft am Freitagmorgen vor einer Bank ein.

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Ein anderer Passagier schläft auf einer Bank im Terminal des Frankfurter Flughafens.

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Neben ihren Koffern versuchen diese Passagiere, Ruhe zu finden.

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Feldbetten stehen für gestrandete Passagiere bereit.

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Ein einziger Passagier wartet in der ansonsten leeren Warteschlange im Terminal.

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Vor einer Anzeigentafel mit zahlreichen annulierten Flügen stehen Passagiere am Freitagmorgen im Terminal des Frankfurter Flughafens.

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Die Heckflosse eines Flugzeuges ragt am Freitag an der Lufthansa-Basis am Flughafen Frankfurt in die Luft.

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Frankfurt – Brigitte Maier schaut voller Vorfreude auf die Anzeigetafel in Abflughalle A – ein Bild, das an den bisherigen Streiktagen in Frankfurt eher selten war.

„Wir haben zwei Tage lang zu Haus gezittert“, sagt die 56-Jährige aus Bad Dürkheim in der Pfalz mit dem Blick auf ihre Bordkarte. Sie fliegt mit ihrem Partner nach Athen, und von da aus weiter auf die Insel Samos. „Acht Tage aufs Schiff und Segeln“, sagt die Lufthansa-Kundin, deren Flug um 9.05 Uhr wie geplant abheben konnte.

Klar war das zunächst keineswegs: Denn am Freitag hatte die Gewerkschaft Ufo den in der vergangenen Woche begonnenen Streik auf das gesamte Bundesgebiet ausgedehnt und Lufthansa zur Streichung von rund 1000 Flügen gezwungen. Rund 100 000 Passagiere waren betroffen, darunter auch etliche in Frankfurt. Bei der Bahn zeigte sich bis zum Mittag jedoch kein besonderer Andrang wegen der ausgefallenen Flüge.

Wegen der angespannten Lage hatte sich Brigitte Maier in den vergangenen Tagen übers Internet und bei ihrem Reisebüro erkundigt. Dann konnte sie sicher sein: Sie kann fliegen – trotz der Streiks.

Etwas skeptischer ist dagegen Udo Thiele. Der 45-jährige Elektrotechniker muss für die Arbeit übers Wochenende ins spanische Ourense an der portugiesischen Grenze, er will nach Porto fliegen. „Das ist schon das zweite Mal innerhalb eines Jahres, dass mein Flug vom Streik bedroht ist“, berichtet er. Insgeheim habe er allerdings auch ein wenig gehofft, dass sein Flug vielleicht doch ausfalle, sagt er mit einem Augenzwinkern. Schließlich sei das Wetter in Deutschland am Wochenende vermutlich ähnlich gut wie in Spanien. „Aber da gibt es wundervolle Tapas-Bars.“

Streikleiter: Rückmeldungen positiv

Auch bei den Streikenden ist im Vergleich zum vergangenen Dienstag etwas Ruhe eingekehrt. Vor Beginn der offiziellen Kundgebung haben sich deutlich weniger Flugbegleiter vor dem Verwaltungsgebäude der Stewards und Stewardessen versammelt. Streikleiter Sascha Berger führt das auf die vielen Streikstandorte an diesem Tag zurück. „Die Rückmeldungen von den Standorten sind sehr positiv und die Beteiligung ist gut.“

Auch die deutsche Rollhockey-Nationalmannschaft der Männer ist zuversichtlich. Sie fliegt ebenfalls nach Porto. Im portugiesischen Paredes findet ab Samstag die Europameisterschaft statt. „Wir haben uns ständig gefragt: Geht er, geht er nicht?“ sagt Nationaltrainer Mike Neubauer über den nicht abgesagten Flug. In Afrika sei das Team nämlich vor kurzem des öfteren tageweise steckengeblieben. Diesmal scheint für die 13-köpfige Truppe alles zu klappen. „Wir hoffen, dass wir mit der Lufthansa am übernächsten Samstag dann auch wieder zurückkommen.“ Dann vielleicht mit einem Pokal im Gepäck.

Am Frankfurter Hauptbahnhof war bis zum Mittag nicht viel von zusätzlichen Reisenden aufgrund der Streiks zu spüren. Bei den Autovermietern, im Reisezentrum der Deutschen Bahn sowie am Gleis zeigten sich die Mitarbeiter gelassen. Bislang sei sogar eher wenig los für einen Freitag. Mit der Heimreisewelle nach Feierabend könnte der Ansturm aber noch kommen. Felix Herkernberg, der am Wochenende normalerweise mit dem Flugzeug nach Hamburg in die Heimat pendelt, hat daher vorgesorgt: Er buchte seinen Zug bereits für mittags 12 Uhr. „Weil ich keine Lust hatte, wie die Hühner auf der Stange in der Bahn zu sitzen“, erzählt der 40-Jährige am Gleis. Marco Engemann