Archivierter Artikel vom 10.08.2011, 14:32 Uhr

Lexikon: Was ist „Scripted Documentary“?

„Scripted Documentary“ ist zum Schlagwort geworden – die entsprechenden Formate der deutschen Privatsender sind umstritten.

„Scripted“ lässt sich am ehesten übersetzen mit „als Drehbuch geschrieben“ (Script = Drehbuch). Und „Documentary“ steht für Dokumentation. Die Sendungen vermitteln den Eindruck, die Wirklichkeit der gezeigten Personen zu zeigen. In Wahrheit haben sich jedoch Autoren die Handlungsstränge und die Rollen ausgedacht. Vor der Kamera stehen entsprechend meist Laiendarsteller.

Wo echte Dokumentationen enden und „Scripted Documentary“ oder „Scripted Reality“ anfängt, ist oft nicht ganz leicht zu erkennen.

Im weiteren Sinne unter diese Bezeichnung fallen die Sendungen, die nachmittags bei RTL laufen: In „Mitten im Leben“ wird der Alltag „normaler Menschen“ eingefangen, die Personen sind zumindest hin und wieder erdacht, die Geschichten sollen auf realen Begebenheiten beruhen. In „Verdachtsfälle“, wo es um Straftaten geht, sind Handlungen und Personen frei erfunden. Auch die Fälle der „Schulermittler“ sind gestellt.

Klarer als Pseudodokus zu erkennen sind die Vorabendserien bei Sat.1. In „Lenßen & Partner“ wird die Arbeit des (echten) Anwalts Ingo Lenßen und seiner „Ermittlerteams“ begleitet – reine Fiktion. Auch „K11 – Kommissare im Einsatz“ wird nach dem Prinzip produziert. Hauptfigur Alexandra Rietz ist auch im Leben Polizistin.

Während bei diesen Formaten in der Regel im Vor- oder Nachspann steht, dass Geschichten und/oder Figuren erdacht sind, ist in vielen Formaten die Grenze zwischen Realität und Fiktion fließend. Dramaturgische Eingriffe sind in einigen „Reality“-Formaten üblich. So werden die Protagonisten zum Beispiel bei „Bauer sucht Frau“ (RTL) zumindest zeitweise in bestimmte Situationen (klassisch: Ausflug an den Badesee) gebracht, um zu sehen und zu filmen, was dann passiert. Auch bei der „Super Nanny“ oder auch bei „Einsatz in 4 Wänden“ (beide RTL) werden Handlungen zumindest forciert oder sogar von den Protagonisten nachgespielt.

Als Dokusoap bezeichnet der Sender VOX seine tägliche Maklersendung „Mieten, Kaufen, Wohnen“. Auch hier werden allerdings Szenen zum Teil nachgespielt. Darüber informiert der Sender im Abspann. Auffällig ist auf jeden Fall, dass inzwischen die „Mieter“ meist aufregende Jobs haben oder sogar Promis sind.

Aufsehen erregten jüngst auch „Schummel-Vorwürfe“ gegen die Sendung „Mietprellern auf der Spur“ mit Vera Int-Veen bei RTL. Im Nachhinein behauptete eine gezeigte Familie, nicht sie habe ihre Wohnung verwüstet, sondern die Produktionsfirma. Die Firma widersprach der Darstellung.

Quasi als Umkehrung des klassischen Reportagestils dürfen die Sendungen rund um Daniela Katzenberger bei VOX gelten. Hier wird die reale Katzenberger gezielt in dramaturgisch interessante Situationen geworfen, etwa die Eröffnung eines eigenen Cafés. tim