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    Polit-Prominenz bei Mammutverfahren um Nürburgring-Affäre im Fokus

    Mit einem lauten Knall platzte 2009 die private Finanzierung für den Ausbau des Nürburgrings. Nun wird die Affäre um die Eifel-Rennstrecke in einem Untreue-Prozess aufgearbeitet. Ex-Finanzminister Deubel (SPD) steht in dem Mammutverfahren besonders im Fokus.

    Auftakt zum Nürburgring-Prozess: Bildre aus dem Gerichtssaal.
    Mit einre Schirmmütze der Fußball-WM 2006: Kafitz.
    Foto: dpa

    Koblenz (dpa) - Geplatzte Schecks, mysteriöse Investoren, Luxusreisen und Bordellbesuche: Was klingt wie der Stoff für einen Hollywood-Film, soll in Wahrheit der Untreue-Prozess zum Nürburgring aufarbeiten. In dem Verfahren mit politischer Prominenz auf der Anklagebank - darunter der ehemalige rheinland-pfälzische Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) - geht es seit Dienstag am Koblenzer Landgericht um die spektakulär gescheiterte Privatfinanzierung des Freizeitparks an der Rennstrecke. Sie hatte 2009 die damalige SPD-Alleinregierung in eine tiefe Krise gestürzt. Seitdem schwebt das Thema Nürburgring wie ein Damoklesschwert über den Regierenden in Mainz und trübt die Bilanz des scheidenden Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD).

    Der Ausbau des Nürburgrings galt einst als Vorzeigeprojekt, die Landesregierung investierte rund 330 Millionen Euro, um mehr Besucher in die strukturschwache Eifel zu locken. Stattdessen wurde es - nicht nur wegen der 2009 gescheiterten Privatfinanzierung - zum Fiasko. Der Freizeitpark entpuppte sich als überdimensioniert, nach der Insolvenz der größtenteils landeseigenen Nürburgring GmbH in diesem Jahr könnte Steuergeld in dreistelliger Millionenhöhe verloren gehen. Das alles erhöhte in den vergangenen Monaten den Druck auf Beck und führte auch zu dem Misstrauensvotum der oppositionellen CDU im Landtag gegen ihn.

    Die Affäre um die gescheiterte Privatfinanzierung, um die es in dem Prozess geht, hat viele Facetten. Sie spielte unter anderem in Mainz, Dubai und den USA, es floss Geld auf Konten in der Schweiz und in Liechtenstein. Deubel kostete sie das Amt. Nun muss er sich gemeinsam mit dem Ex-Hauptgeschäftsführer der Nürburgring GmbH, Walter Kafitz, dem ehemaligen Ring-Finanzchef Hans-Jürgen Lippelt sowie drei weiteren Managern vor Gericht verantworten - wegen Untreue oder Beihilfe zur Untreue.

    Deubel, der damals ein anerkannter Haushaltspolitiker und einer der zentralen Figuren in Becks Kabinett war, spielte eine der Hauptrollen beim Ausbau des legendären Rings. Seinem Plan zufolge sollte das Land mit einem gewagten internationalen Finanzkonstrukt Millionen sparen. Dabei soll sich Deubel seiner Sache so sicher gewesen sein, dass er mit einem Journalisten um eine Kiste Sekt wettete, dass dies gelingt. Doch am Ende platzte ein US-Scheck über 67 Millionen Euro. Eine über einen Schweizer Finanzmakler gewonnene angeblich steinreiche US-amerikanische Persönlichkeit wurde als mutmaßlicher Betrüger mit wahrscheinlich falschem Namen entlarvt, der vermutlich nie mehr als 500 Dollar auf dem Konto hatte.

    Das Strafverfahren soll nun Licht in dieses komplexe Wirrwarr bringen - eine Herkulesaufgabe. Einer der Verteidiger betonte zum Auftakt, angesichts von 5600 Blatt an Ermittlungsakten und 32 Kartons voller Beweismaterial sei dies kein Verfahren wie jedes andere. Ein anderer Anwalt mutmaßte, statt der bislang angesetzten 15 Verhandlungstage seien 100 denkbar und eine Prozessdauer von zwei Jahren. Sollten nun tatsächlich Ministerpräsident Beck sowie alle anderen damaligen Minister als Zeugen vernommen werden, wie dies von einem Verteidiger beantragt wurde, könnte es tatsächlich so kommen. Am Dienstag jedenfalls äußerte sich noch keiner der Angeklagten zur Sache.

    Von Christian Schultz, dpa

    Ring: Sehen sich alle Verurteilten vor Gericht wieder? Deubel-Prozess: Generalbundesanwalt empfiehlt Aufhebung des Urteils – Mildere Strafe möglichWarten auf Urteil: Bringt der Nürburgring Deubel ins Gefängnis? Fall Deubel: Alle legen Revision ein Im Nürgburgringprozess: Anwälte von Deubel und Kafitz haben Revision eingelegtweitere Links
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