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    CDU gab sich lange ahnungslos: Mauss-Firma Nolilane war früh umstritten

    Auf einmal schien alles ganz einfach: Tagelang hatten CDU im Land und Kreis Cochem-Zell Katz und Maus(s) mit der Öffentlichkeit gespielt, sich geziert und gewunden, was die seltsamen Spenden der Kanzlei Hansen anging. Dann meldete sich plötzlich Gero Himmelsbach, der Anwalt des früheren Superagenten Werner Mauss. Er räumte frank und frei ein, dass die Mauss-Firma Nolilane (Sitz in Panama) hinter den neun Spenden innerhalb von acht Jahren an die CDU steckt - als sei das die größte Selbstverständlichkeit. Alles stamme selbstredend aus versteuertem Einkommen.

    Meister der Täuschung und Tarnung: Ex-Geheimagent Werner Mauss spendete über Jahre an die CDU im Land. Was wusste die Partei?  Foto: dpa
    Meister der Täuschung und Tarnung: Ex-Geheimagent Werner Mauss spendete über Jahre an die CDU im Land. Was wusste die Partei?
    Foto: dpa

    Wozu also die Aufregung? Wenn es Unklarheiten beim Absender der insgesamt 82.000 Euro gegeben habe, sei das "schlicht ein Versehen" der damit beauftragten Eisenacher Kanzlei Hansen gewesen, so Anwalt Himmelsbach. Mauss habe damit nichts zu tun. Und auch dieser Hinweis durfte nicht fehlen: "Mit Franz O. Hansen verbindet Herrn Mauss ein über dreißigjähriges Vertrauensverhältnis." Hansen hat übrigens eine Partnerkanzlei in Simmern.

    Schlüsselfigur Franz Otto Hansen

    Nur wenn das alles so einfach wäre. In der CDU hieß es unisono, dass niemand Werner Mauss hinter den Spenden vermutete. Noch am 28. September erklärte CDU-Landesschatzmeister Peter Bleser, der Hansen lange und gut kennt, gegenüber unserer Zeitung: "Ich gehe davon aus, dass das Geld von niemand anders als von Rechtsanwalt Hansen stammt. Jede andere Unterstellung wäre unanständig."

    Konnte die CDU tatsächlich so ahnungslos sein? Die Spur von Nolilane zu Werner Mauss ist in etwa so breit wie eine sechsspurige Autobahn. Die mutmaßliche Briefkastenfirma in Panama geriet bereits 1997 in Verruf. Damals titelte der Spiegel "Die Liechtenstein Connection. Wo die reichen Deutschen ihr Geld vor den Steuern verstecken." Zu Nolilane N. V. hieß es in dem umfangreichen Stück, dass ihr Mauss' Anwesen im Hunsrück gehörte. Der Topagent und Topverdiener betonte schon damals, dass das Millionenvermögen der Stiftung regulär versteuert wurde. Nolilane sollte, so war zu lesen, den Lebensunterhalt der Familie für die Zukunft absichern.

    2015 war Mauss' Anwesen Thema im Gemeinderat des kleinen Hunsrückörtchens, in dem er seinen gut geschützte Residenz samt Reitstall hat. Es ging um eine banale Wasserleitung. Das Anwesen des einstigen Hunsrück-007 gehört ja bekanntlich dem Unternehmen Nolilane. Und so wurde es auch besprochen. Immer schön mit Klarnamen. Mauss ließ zahlreiche Um- und Anbauten vollziehen. Damit dürften lokale Gremien öfter beschäftigt gewesen sein.

    Spenden von Briefkastenfirmen – ist für die CDU das normal?

    Schließlich tauchte Nolilane im April 2016 in den "Panama-Papers" auf, die Steuerverstecke enthüllten. Angeblich soll Mauss auf zwölf Offshore-Gesellschaften Zugriff gehabt haben. Über all dies wurde viel geschrieben. Nur die CDU im Land bekam offenbar jahrelang nichts mit.

    Der innerparteiliche Erkenntnisprozess schritt selbst dann nicht voran, als Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR die hiesige CDU am 19. September mit Fragen unter Druck setzten. In dem Schreiben hieß es: "Geschieht es häufiger, dass Ihr Landesverband Spenden von Briefkastenfirmen erhält?" Und: "Wusste Ihre Partei, wer hinter der Nolilane steht oder hat sie Geld von einer ausländischen Firma angenommen, ohne sich darüber im Klaren zu sein, wer dahintersteht?" Antwort der CDU einen Tag später: "Keine der von Ihnen gestellten Fragen trifft zu." Da muss damals jemand mächtig tief gegraben haben. Oder wollte man hier etwas nicht wissen?

    Partei könnte Strafe drohen

    In die Enge gedrängt, hat die CDU eingeräumt, dass in Teilen oder komplett verdeckt gespendet wurde. Das ist unzulässig. Die 82 000 Euro gingen ans Bundestagspräsidium. Der CDU könnte eine Strafe drohen, wenn nicht am Ende alles auf die Anwaltskanzlei geschoben wird. Die Kanzlei Hansen könnte sich zudem strafbar gemacht haben, sollte sie die Spendenquittung geltend gemacht gaben. Oder wurde diese von Ex-Agent Werner Mauss eingereicht? Oder von seiner Briefkastenfirma Nolilane?

    CDU-Schatzmeister und Bundesagrarstaatssekretär Peter Bleser will heute zu offenen Fragen Stellung beziehen. Dafür sollte die CDU sicherheitshalber viel Zeit einplanen.

    Dietmar Brück

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