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    Wirges ist ratlos: Trompeten-Streit nimmt kein Ende

    Es ist Montagabend, punkt 22.11 Uhr: Im Klubraum „Samobor“ des Wirgeser Bürgerhauses herrschen ungläubiges Schweigen und Ratlosigkeit: Der Stadtrat von Wirges hat sich auch in seiner jüngsten Sitzung nicht in der Trompeten-Frage einigen können. Die Abstimmung im Rat endete mit einer Patt-Situation: Befürworter und Gegner kommen quer durch die Fraktionen jeweils auf elf Stimmen.

    Im März präsentierte Gabi Weber noch stolz den Festspielhaus-Entwurf, für den sich die Jury aus Vertretern der Stadt (Gabi Weber, Goswin Kreth und Waltraud Klein), aus einer Vertreterin des Finanzministeriums und aus drei Künstlern nach zwei Auswahlrunden einstimmig entschieden hatte. Foto: Stadt Wirges
    Im März präsentierte Gabi Weber noch stolz den Festspielhaus-Entwurf, für den sich die Jury aus Vertretern der Stadt (Gabi Weber, Goswin Kreth und Waltraud Klein), aus einer Vertreterin des Finanzministeriums und aus drei Künstlern nach zwei Auswahlrunden einstimmig entschieden hatte.
    Foto: Stadt Wirges

    Damit bleibt weiter unklar, ob die Stadt das umstrittene Kunst-am-Bau-Projekt „Festspielhaus“ der Mainzer Künstlergruppe „conhereos“, das die Lüftungsanlage auf dem Dach des Bürgerhauses mit einer überdimensionalen Trompete verblenden will, verwirklichen wird oder nicht. So stimmten elf Ratsmitglieder, darunter auch Stadtbürgermeister Andreas Weidenfeller, am Montagabend dafür, dass die Mainzer Künstler beauftragt werden sollen, ihren Entwurf der Riesentrompete zu überarbeiten und dabei die Bedenken der städtischen Gremien zu berücksichtigen. Im Anschluss sollte der Entwurf in einer Bauausschusssitzung besprochen werden; eventuelle Änderungswünsche müssten anschließend eingearbeitet werden. Die Räte sprachen sich ebenfalls dafür aus, eine feste Absturzsicherung auf dem Dach des Bürgerhauses in den Entwurf einzuarbeiten. Kostenpunkt: 2500 Euro für den Vergleich mit den Künstlern und 3000 Euro für das notwendige Geländer.

    Nach dem Patt im Rat sind sich Walter van't Hoen (links), Andreas Weidenfeller und Waltraud Klein unsicher, was das Votum bedeutet. Foto:Kühr
    Nach dem Patt im Rat sind sich Walter van't Hoen (links), Andreas Weidenfeller und Waltraud Klein unsicher, was das Votum bedeutet.
    Foto:Kühr

    Das lehnten indes elf Ratsmitglieder ab. Sie votierten dafür, das Verfahren „Kunst am Bau zur Verkleidung der Lüftungsanlage“ aufzuheben und einen neuen Wettbewerb für ein Kunstwerk an anderer Stelle des Bürgerhauses auszuschreiben. Kostenpunkt: 5000 Euro für das neue Verfahren und rund 3000 Euro für das Sicherungsgeländer, das auch die Kritiker des derzeitigen Projekts nicht in Abrede stellen. Zugleich sprachen sich die Räte dafür aus, solange auf eine Verkleidung der Lüftungsanlage zu verzichten, bis ein günstigerer Vorschlag gefunden ist.

    Weidenfeller hatte die Räte zuvor ermuntert, sich zu entscheiden. „Wir diskutieren nun schon ein Dreivierteljahr. Wir müssen den Wirgesern endlich eine Entscheidung präsentieren, die von allen akzeptiert wird“, forderte er. Die Patt-Situation machte den Stadtbürgermeister dann erst einmal sprachlos. „Kein Beschlussvorschlag hat die erforderliche Mehrheit gefunden. Jetzt kann weder der Auftrag für das Modell Festspielhaus erteilt werden, noch das Verfahren aufgehoben werden“, sagte er mit betretener Miene. Er sei „sehr enttäuscht“, dass Wirges nun wieder nicht Farbe bekenne. „Nun muss die VG-Verwaltung prüfen, was zu tun ist“, sagte er ratlos.

    Der Abstimmung war eine heftige Diskussion im Rat vorausgegangen. Dieter Griesar (CDU) wollte wissen, wie die Künstler den Trompeten-Entwurf abändern wollen. Eine Frage, die der Beigeordnete Walter van't Hoen und Stadtchef Weidenfeller nicht beantworten konnten. „Das wurde nicht im Detail besprochen. Fest steht, Sinn und Zweck des Kunstwerkes bleiben,“, machte Weidenfeller deutlich. „Die Künstler rücken nicht von der Trompete ab“, fand auch der Beigeordnete klare Worte.

    Johannes Bach (CDU) plädierte dafür, endlich zu entscheiden, aber aus den Fehlern zu lernen. So hätte die Stadt genauere Vorgaben machen müssen, wie das Kunstobjekt zu gestalten sei. Demgegenüber wiesen Peter Looß, Uli Kaiser (beide CDU) sowie der Liberale Thorsten Koch darauf hin, dass es klare Richtlinien gab, die aber nicht eingehalten worden seien. „Die Lüftungsanlage sollte auf 30 Metern verdeckt werden“, sagte Looß. „Diese Vorgabe hat der aktuelle Vorschlag nicht berücksichtigt“, wetterte Koch und zitierte die entsprechende Textstelle der Ausschreibung. Damit sei der Jury-Entscheid nichtig, argumentierten die Kritiker. Der Entwurf Festspielhaus habe obendrein nichts mit Wirges zu tun, monierte Koch. Das Bürgerhaus sei ein Treffpunkt für Vereine und Bürger.

    SPD-Sprecherin Gabi Weber forderte dagegen, die einstimmige Jury-Entscheidung umzusetzen. Sie räumte aber ein, der Titel „Festspielhaus“ sei unglücklich gewählt. „Wir sind nicht Bayreuth, sondern eine kleine Stadt auf dem Land.“

    Von unserer Redakteurin Stephanie Kühr

    Kommentar von Stephanie Kühr: Trompeten oder mehr Schulden?

    Können sie mich einmal kurz kneifen? Da fehlen einem doch die Worte: Der Stadtrat von Wirges hat es nach monatelanger Debatte noch immer nicht geschafft, die Trompeten-Frage zu klären. Bei allem Respekt: Das ist höchst unprofessionell. Eine sachliche Meinungsbildung in den Fraktionen hätte das leidige Thema vorab klären und für eindeutige Mehrheiten sorgen müssen. Die Stadträte dürfen die Streitfrage nicht länger aussitzen und sich gegenseitig den schwarzen (Trom-)Peter zuschieben.

    Zu den Fakten: Das Land bezuschusst die Sanierung des Bürgerhauses, knüpft die Fördergelder aber an ein Kunst-am-Bau-Projekt. Der Kunstwettbewerb bringt ein klares Ergebnis: Die Jury votiert einstimmig für die Riesentrompete. Das Votum ist bindend und demokratisch gefasst. Der Stadtrat muss dem Juryentscheid folgen – oder aber das Wettbewerbsverfahren aufheben und neu ausschreiben. Denn Kunst am Bau ist die Bedingung für Zuschüsse aus Mainz. Andernfalls kann das Land den Förderbescheid zurückrufen. Wenn der Rat die Entscheidung weiter aussitzt, wird der Paukenschlag folgen. Dann hat die Stadt nur noch die Wahl: Die Trompeten aufs Dach setzen oder die Fördergelder vergeigen und Schulden machen, um die Sanierung zu bezahlen. Ein teurer Schlussakkord: Wer nicht agiert, kann nur noch reagieren.

    E-Mail: montabaur@ rhein-zeitung.net

    Schlussakkord: Wirges beendet Trompeten-StreitDiskussion in Wirges: Und täglich grüßt der Trompeten-StreitWenn Kunst am Bau zum Problem wird: Wirgeser Stadtrat uneins über Trompeten-EntwurfTrompetenstreit: Wirges will nun den Schlussakkord setzenWirgeser Trompeten-Streit noch ungeklärtweitere Links
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