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    Hachenburg

    Unsere Zeitung hat nachgefragt: Experten sehen Politisierung der Ditib kritisch

    Die Nachricht, dass der Westerwaldkreis der türkisch-islamischen Ditib-Gemeinde in Hachenburg den Bau einer Moschee genehmigt hat, hat in der Löwenstadt und im Internet heftige Diskussionen ausgelöst. Vor allem im Netz kursieren dazu viele falsche und beleidigende Behauptungen.

    Symbolbild.
    Symbolbild.
    Foto: dpa

    In Teilen der Bevölkerung sorgen insbesondere die aktuellen Bespitzelungsvorwürfe gegen Imame der Ditib und die Nähe der Gemeinschaft zum umstrittenen türkischen Präsidenten Erdogan für Verunsicherung. Doch wie ist die Ditib tatsächlich einzuschätzen? Unsere Zeitung hat dazu Experten befragt. 

    Kritisch und mit Sorge verfolgt die Evangelische Kirche in Hessen-Nassau (EKHN) die Entwicklung in der Türkei und die eventuellen Auswirkungen auf Deutschland aufgrund der strukturellen Verflochtenheit der Ditib mit der Religionsbehörde in Ankara. Dr. Andreas Herrmann, Pfarrer und Referent für Interreligiösen Dialog – Islam/Zentrum Oekumene der EKHN und der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, fügt jedoch hinzu: „Trotz vieler irritierender Meldungen aus dem Umfeld von Ditib-Moscheen in der jüngsten Vergangenheit wie Spionagevorwürfe oder auch missbilligende Verlautbarungen einiger Moscheevereine zum Weihnachtsfest nimmt die EKHN auch die Distanzierungen des Ditib-Bundesverbandes, etwa zu antisemitischen Äußerungen, wahr.“

    Der Bau einer Gebetsstätte sei durch das Grundrecht auf Religionsfreiheit nach Art. 4 Grundgesetz garantiert. „Diese Entfaltung steht natürlich auch Muslimen offen. Sie haben ein Recht, Moscheen zu bauen. Der religiös weltanschauliche Staat garantiert die Religionsfreiheit und damit die Entfaltung des religiösen Lebens. Das sind keine abstrakten Prinzipien, sondern zeigt sich unter anderem in realen Bauten. Allerdings hat die Mehrheitsgesellschaft das Recht, umfassend über einen geplanten Moscheebau informiert zu werden“, so Herrmann. Eine Moschee sei genauso wenig wie ein Kirchenbau eine rein private Angelegenheit. Herrmann: „Man darf von den Bauherren Transparenz erwarten und einfordern. An ihnen liegt es vor allem, die breitere Öffentlichkeit zum richtigen Zeitpunkt und auf dem richtigen Wege in Kenntnis zu setzen und in der Nachbarschaft um Zustimmung und Kooperation zu werben. Moscheebaukonflikte unterscheiden sich von anderen Nachbarschaftskonflikten, bei Infrastrukturprojekten, Müllverbrennungsanlagen oder Ähnlichem. Bei Moscheebauten scheint es ums Ganze zu gehen. Moscheebaukonflikte sind jenseits der Streitigkeiten um Lärm und Parkplätze und jenseits der konkreten Funktion als Gebetsorte hochbrisante symbolische Anerkennungskonflikte: Wie soll unsere Gesellschaft in Zukunft aussehen? Ein Moscheebau kann auch dazu dienen, solche Fragen zu stellen und zu diskutieren. Jeder friedlich ausgetragene Konflikt bringt die Gesellschaft weiter.“

    Der Theologe und Religionswissenschaftler Professor Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom in Frankfurt sowie Islambeauftragter des Bistums Limburg, verweist auf seinen Essay „Zur Lage des christlich-islamischen Dialogs in Deutschland“, der im Januar in der Herder-Korrespondenz (Monatsheft für Gesellschaft und Religion) erschienen ist. In dem Text setzt sich Valentin intensiv und vermittelnd mit der Situation in Deutschland lebender Muslime auseinander. Allerdings weist er kritisch auf die Bekämpfung der Gülen-Bewegung durch den staatlich finanzierten Moscheenverband Ditib hin, der sich bis heute ausdrücklich mit Erdogan solidarisiere und sich islamistisch-nationalistischer Rhetorik der türkischen Regierung bediene. Valentin fragt: „Wie soll man mit einem Verband, der Dialoginitiativen für Anzeichen des Unglaubens hält, Dialog führen?“

    red

    LKA-Vertreter äußern Lob und Kritik

    Der Islamwissenschaftler und Terrorismusexperte des rheinland-pfälzischen Landeskriminalamtes (LKA), Dr. Marwan Abou Taam, sowie LKA-Präsident Johannes Kunz weisen darauf hin, dass das Grundgesetz allen Menschen ein Recht auf Religionsfreiheit einräumt. Manche Ditib-Gemeinde leiste vorbildliche Arbeit auf dem Gebiet der Integration sowie der Alten- und Jugendpflege.

    Kritisch bewerten sie jedoch, dass die Religionsgemeinschaft in jüngster Zeit verstärkt politisch in Erscheinung trete. Religion werde zur Förderung türkisch-nationaler Identität benutzt.

     

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