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    Milliardendeal: John Deere kauft Wirtgen-Gruppe mit Sitz in Windhagen

    Dieses Megageschäft kommt aus dem Nichts und raubt den Beschäftigten der Wirtgen GmbH sowie Politikern und Verbandsvertretern im Kreis den Atem: Der US-Landwirtschafts- und Baumaschinenhersteller Deere will für 4,4 Milliarden Euro den familiengeführten Straßenbauspezialisten aus Windhagen übernehmen. Deere – vor allem bekannt für seine Marke John Deere, die Traktoren und Mähdrescher herstellt – und die Wirtgen-Gruppe informierten am Donnerstag zeitgleich über den Verkauf. Alle Arbeitsplätze sollen erhalten bleiben, ebenso Firmenstruktur und Standorte der Wirtgen-Gruppe, zu der neben dem Stammsitz in Windhagen vier weitere Unternehmen in Deutschland gehören.

    Eine Luftaufnahme zeigt die Ausmaße der Wirtgen GmbH in Windhagen, die sich seit der Gründung 1961 zum größten Arbeitgeber im Kreis entwickelt hat.  Foto: Wirtgen Group
    Eine Luftaufnahme zeigt die Ausmaße der Wirtgen GmbH in Windhagen, die sich seit der Gründung 1961 zum größten Arbeitgeber im Kreis entwickelt hat.
    Foto: Wirtgen Group

    Wirtgen ist laut eigenen Angaben Marktführer bei Straßenbaufahrzeugen und -maschinen und machte im vergangenen Jahr 2,5 Milliarden Euro Umsatz. Das Unternehmen beschäftigt weltweit mehr als 8000 Mitarbeiter. Den Abschluss des Kaufs erwarten die Unternehmen im ersten Geschäftsquartal 2018 (November bis Januar 2018). Die Zustimmung mehrerer Kartellbehörden ist erforderlich.

    „Der Zusammenschluss mit John Deere dient der langfristigen Zukunftssicherung der Wirtgen Group über das eigene Wirken von Stefan und Jürgen Wirtgen hinaus. Beide haben John Deere ganz gezielt ausgewählt, weil das Unternehmen am langfristigen Erfolg der Wirtgen Group interessiert ist“, erläutert das Unternehmen auf Anfrage unserer Zeitung die Beweggründe der Inhaber. Deere plane den Ausbau der Sparte Bau- und Forstwirtschaft, zu der die Wirtgen-Gruppe künftig gehören wird. Gemeinsam könnten die beiden „finanziell grundsoliden Unternehmen“ die eingeschlagene Wachstumsstrategie fortführen. Immer wieder habe es in der Vergangenheit Übernahmeangebote gegeben, teilt Sprecher Martin Heitz weiter mit. „Aber letztendlich war Deere & Company das einzige Unternehmen, das infrage kam.“ Zudem werde das Betriebsgelände der Wirtgen GmbH am Standort Windhagen mit Ausbau der Produktion und Bau eines Schulungszentrums wie geplant um 90.000 Quadratmeter erweitert.

    Für Landrat Rainer Kaul kommt die Nachricht vom Wirtgen-Verkauf völlig überraschend. Er hofft darauf, dass John Deere seine Deutschland- und Europazentrale nun nach Windhagen verlegt. Denn bleibe die in Mannheim, fließe wohl auch die Gewerbesteuer dorthin. Wirtgen bringe vor Ort mit Abstand die meiste Gewerbesteuer ein. „Das wäre nicht gut, wenn der Verkauf solche negativen Konsequenzen hätte“, sagt Kaul. „Ich hoffe, dass die Wirtgen-Brüder bei dem Deal auch an die Arbeitsplätze und die Wirtschaftskraft in der Region gedacht haben.“ Um Windhagen als Standort macht sich der Landrat dagegen keine Sorgen. Ganz im Gegenteil: Windhagen liege optimal zwischen den Ballungsräumen Rhein-Main und Köln-Bonn. Eine vergleichbare Investition im Kreis habe es noch nicht gegeben. „Wirtgen ist längst eine Weltfirma, eine der wichtigsten Firmen in Rheinland-Pfalz“, sagt Kaul.

    Als „sehr überrascht“ schildert am Nachmittag Markus Eulenbach, Bevollmächtigter der IG Metall Neuwied, relativ nüchtern seine Reaktion auf den Deal. Da hat er allerdings schon drei Stunden Zeit gehabt, die Nachricht zu verarbeiten. Zur Mittagszeit wurden er und seine Kollegen von den vier anderen Wirtgen-Standorten durch die Brüder Jürgen und Stefan persönlich über den Verkauf informiert informiert. Dabei waren auch Betriebsratsvorsitzenden beziehungsweise Interessenvertreter – in Windhagen gibt es keinen Betriebsrat – . Ebenfalls am Mittag erfuhren die Mitarbeiter an den jeweiligen Standorten davon, teilt die Wirtgen-Gruppe mit.

    „Wir alle haben zunächst mit Bedauern reagiert“, sagt Eulenbach. Denn die Arbeitnehmerseite habe in den vergangenen Jahren großes Vertrauen zu den Eigentümern aufgebaut. Den Wirtgen-Brüdern sei es aber gelungen, Verständnis für die Entscheidung zu vermitteln, die zum Wohl der Zukunftsfähigkeit der Firmengruppe gefallen sei. Als Zeichen der Wertschätzung wertet es Eulenbach, dass er und seine Kollegen zeitgleich mit dem Management informiert wurden. Für die Zeit bis zum Abschluss des Verkaufsprozesses gelte es nun Vereinbarungen mit den neuen Eigentümern über den zugesicherten Erhalt der Arbeitsplätze und Produktionsstandorte zu treffen. Den Wirtgen-Brüdern vertraue man aber voll und ganz und auch mit Käufer Deere, der bereits an sechs Standorten in Deutschland produziert, gebe es „keinen Dissens“. „Deere kennt Gewerkschaften und Mitbestimmung“, sagt Eulenbach.

    „Total sprachlos“, reagierte der Neuwieder IHK-Geschäftsstellenleiter Fabian Göttlich. Die Tragweite des Deals sei überhaupt noch nicht abzuschätzen. „Das Thema bewegt uns alle, schließlich betrifft es den größten Arbeitgeber im Kreis Neuwied“, so Göttlich. Er sehe keinen Grund, an der Auskunft des US-Unternehmens, man wolle die Arbeitsplätze erhalten, zu zweifeln. „Wir haben hier topqualifizierte Leute, und auch angesichts der aktuellen Investitionen am Standort kann ich mir nicht vorstellen, dass der Produktionsstandort verlagert wird.“ Vielmehr könne der Standort Windhagen auch in einem internationalen Unternehmen bestehen. „Es gibt auch andere Firmen im Kreis mit US-Beteiligung. Das gehört zur Globalisierung dazu“, so Göttlich. „Es sieht erst mal nur nach einem Gesellschafterwechsel aus. So etwas kommt regelmäßig vor und muss für das operative Geschäft keine Veränderung bedeuten.“

    Selbst der langjährige Ortsbürgermeister von Windhagen, Josef Rüddel, der sich noch an die Anfänge des Unternehmens erinnern kann, ist überrascht von der neuen Wendung. „Ich habe die letzten paar Wochen zwar den Verdacht gehabt, das sich etwas tut, aber von dieser Nachricht bin ich jetzt ehrlich überrascht.“ Er sieht die Entwicklung jedoch positiv.

    Von Michael Fenstermacher,Marion Ziegler, Robin Brand und Christina Nover

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