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Neuwied

Gestank im Distelfeld durch Suez? SGD hat bislang keine Beweise gefunden

Ulf Steffenfauseweh

Im Distelfeld, in Block, in Heddesdorf, sogar in Engers und in Heimbach-Weis hat es in den vergangenen Wochen wieder und extrem stark gestunken. Der Verursacher steht für viele fest: das Kompostwerk der Firma Suez. Schlechte Filter, nicht geschlossene Türen, veraltete Technik, Modernisierungsstau bei wirtschaftlich abgeschriebener Anlage: Die Liste der mehr oder weniger offen formulierten Vorwürfe ist lang.

Die Hallen der Suez, in der der Biomüll verrottet, sind laut SGD auf dem „Stand der Technik“.  Archivfoto: Ulf Steffenfauseweh
Die Hallen der Suez, in der der Biomüll verrottet, sind laut SGD auf dem „Stand der Technik“. Archiv
Foto: Ulf Steffenfauseweh

Das Unternehmen jedoch weist die Verantwortung von sich. Und die Kontrollbehörde kann nichts Gegenteiliges sagen. „Wir konnten keine verantwortliche Quelle feststellen. Ein Verdacht allein reicht nicht, um gesetzliche Schritte einzuleiten,“ hält Anja Hillmann-Stadtfeld als zuständige Referatsleiterin bei der SGD Nord fest.

Und sie spricht von „engmaschigen Kontrollen“. Die bislang genannten zwei Überprüfungen seien lediglich die zu diesem Zeitpunkt jüngsten gewesen, ergänzt sie. Die SGD habe – mittlerweile dokumentiert und nachlesbar auf der Homepage – auch unmittelbar auf Bürgerbeschwerden reagiert, dann bei den jeweiligen Ortsterminen aber keine Gerüche festgestellt.

Bei weiteren Beschwerden hätten SGD-Experten Zeitpunkt, Orte und Windrichtung abgeglichen und Suez zumindest teilweise entlasten können. Auffällig auch: Vor allem morgens und abends werden Gerüche gemeldet. „Das wäre für ein Kompostwerk ungewöhnlich. Beeinträchtigungen von dort müssten eigentlich dauerhaft auftreten“, sagt die Referatsleiterin, verspricht aber gleichzeitig, dass weiterhin kontrolliert und auf Beschwerden reagiert wird.

Kurzum: Von „Behördenlethargie“, wie sie allen voran CDU-Fraktionschef Martin Hahn der SGD vorgeworfen hatte, kann in den Augen von SGD-Pressesprecherin Sandra Hansen-Spurzem keine Rede sein. Zumal das Kompostwerk selbst zweimal unangemeldet überprüft worden sei. Ergebnis: Die Biofilter waren in Ordnung. Insgesamt sei die Anlage „auf dem Stand der Technik“, fasst Hillmann-Stadtfeld zusammen.

Möglicherweise habe sich die öffentliche Meinung mittlerweile „auf Suez eingeschossen“, überlegt sie und hält andere Geruchsquellen für durchaus denkbar. „Es ist ein großes Industriegebiet.“ Die SGD prüfe daher auch Einflüsse weiterer Gewerbebetriebe, aus der Landwirtschaft und der Kanalisation, die gerade bei der aktuell großen Hitze wenig Wasser führt. Auch Mülltransporte kämen als Verursacher infrage.

„Funfact“ am Rande in diesem Zusammenhang: Der Inhalt der braunen Tonnen aus dem Kreis Neuwied wird nicht bei Suez, sondern auf der Deponie in Singhofen entsorgt, während im Neuwieder Distelfeld der Biomüll aus dem Kreis Ahrweiler vergärt.

Und der darf durchaus zu riechen sein. Das Kompostwerk hat eine „Lizenz zum Stinken“, die mit der Standortentscheidung des Neuwieder Stadtrats Anfang der 1990er-Jahre einhergegangen ist und nicht einfach wieder aufgehoben werden kann. Gerüche sind nach der Immissionsrichtlinie in Industrie- und Gewerbegebieten an 15 Prozent der Zeit und in Wohngebieten an bis zu 10 Prozent hinzunehmen, teilt Hansen-Spurzem mit. Satte Zahlen.

Verkompliziert wird das Problem noch dadurch, dass Geruchsintensität schwer bezifferbar ist. Wann davon eine Gesundheitsgefährdung ausgeht, kann praktisch nur ein Arzt feststellen, zum Beispiel wenn er attestiert, dass der Gestank sofortigen Brechreiz auslöst, nennt Hillmann-Stadtfeld als Beispiel.

Die SGD hat für Geruchsmeldungen eine gesonderte E-Mail-Adresse eingerichtet: Geruchsmeldung-Distelfeld@sgdnord.rlp.de. Die Kontrollen sind hier dokumentiert.

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