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Kreis Birkenfeld

Mit Naheland-Touristik unzufrieden: Alscher kritisiert Landrat

Das Murren über die Naheland-Touristik (NLT), die für die Kreise Birkenfeld und Bad Kreuznach zuständig ist, war auch in der jüngsten Sitzung des Kreisausschusses am Montagabend in Birkenfeld nicht zu überhören. Wortführer war dabei einmal mehr Bernhard Alscher, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, der auch Landrat Matthias Schneider ins Visier nahm: „Wir drehen uns da wie auch bei anderen Themen im Kreis Birkenfeld ständig nur im Kreis.“

Im Kreis Birkenfeld sind einige Kommunalpolitiker mit der Naheland-Touristik unzufrieden: Sie vernachlässige die Werbung für den Nationalpark (das Foto zeigt die Aussichtsplattform auf dem Erbeskopf), lautet einer der zentralen Kritikpunkte.  Foto: Sebastian Caspary
Im Kreis Birkenfeld sind einige Kommunalpolitiker mit der Naheland-Touristik unzufrieden: Sie vernachlässige die Werbung für den Nationalpark (das Foto zeigt die Aussichtsplattform auf dem Erbeskopf), lautet einer der zentralen Kritikpunkte.
Foto: Sebastian Caspary

Es gebe vom Landrat keine einzige Aussage, wie er sich die touristische Ausrichtung der Region vorstellt, legte Alscher im Gespräch mit der Nahe-Zeitung nach: „Da kommt gar nichts“, kritisiert er. „Dass die VG Birkenfeld im Tourismus vor einem Scherbenhaufen steht, habe sie selbst zu verantworten“, konterte Schneider mit Verweis auf den Ende 2014 vollzogenen Austritt der Verbandsgemeinde aus der NLT.

Eigentlich ging es im Kreisausschuss um den Kreishaushalt, den der Kreistag am Montag, 11. Dezember, ab 14 Uhr im Kasino der Kreissparkasse in Idar-Oberstein beraten wird. Das nahm Alscher zum Anlass, um deutlich zu machen, dass er sich mit den im Etat eingeplanten Ausgaben für die NLT „nicht anfreunden kann“. Die summieren sich nach seiner Rechnung auf insgesamt rund 250.000 Euro. Daran sei auch die VG Birkenfeld über die von ihr gezahlte Kreisumlage indirekt beteiligt. „Solange im Tourismus nichts passiert, kann ich den Haushalt nicht mittragen“, kündigte der Bürgermeister an.

Bürgermeister: Das ist Erpressung

Ihn wurmt auch, dass Birkenfeld wegen des Austritts der VG der Zugang zum Online-Buchungssystem Deskline verwehrt werde. Das bezeichnet Alscher als Erpressung. Er plädiert dafür, dass die NLT sich mit dem Kreis Bad Kreuznach nach Rheinhessen orientieren und der Kreis Birkenfeld mit seinem Nationalpark sich der Hunsrück-Touristik anschließen soll, wie er gegenüber unserer Zeitung erläuterte. Unter diesem Dach könne auch der Nationalpark besser vermarktet werden, ist Alscher überzeugt.

Er ist längst nicht der einzige Kritiker. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hans Jürgen Noss monierte, dass der Kreis Birkenfeld einst bei der Festlegung der Zuschusshöhen für die Naheland-Touristik „über den Tisch gezogen wurde“. Für den Landrat ist die ungerechte Verteilung „ein Geburtsfehler der Naheland-Touristik“. Der Zweite Kreisbeigeordnete Peter Simon regte an, NLT-Geschäftsführerin Ute Meinhard einzuladen, um das aufzuklären. Die zu Jahresbeginn 2015 erfolgte Erhöhung der Beiträge sei im Übrigen probehalber für nur ein Jahr beschlossen worden, gaben Uwe Weber, Bürgermeister der VG Herrstein, und Noss zu bedenken. Die SPD wolle aber den Haushalt daran nicht scheitern lassen, meinte der Landtagsabgeordnete.

Weber hat gemeinsam mit dem Idar-Obersteiner Oberbürgermeister Frank Frühauf bereits im September ein Papier zur touristischen Ausrichtung der Region vorgelegt, in der auch die Aufgabenstruktur der NLT infrage gestellt wird. Man wolle dort Mitglied bleiben, halte aber eine Inhalts-, Aufgaben- und Organisationsreform für notwendig, so der Tenor. Unter anderem könne nicht klar nachvollzogen werden, wie die Mittel der Gesellschafter im Detail eingesetzt werden.

Anlaufstelle für Nationalparkregion

Darüber hinaus „erachten wir es für unabdingbar, eine Anlaufstelle zu schaffen, die sich um die Entwicklung der touristischen Nationalparkregion kümmert“, betonen Weber und Frühauf. „So wie bisher kann es nicht weitergehen“, unterstrich der VG-Bürgermeister am Montag im Kreisausschuss. Man werde in der NLT am Ball bleiben und dort weiter den Finger in die Wunde legen.

Nach Meinung von Wolfgang Augenstein (LUB) kann der Nationalpark allein aber touristisch nicht vermarktet werden. „Wir brauchen eine übergeordnete Vertretung.“ Landrat Matthias Schneider verwies im Kreisausschuss auf eine noch laufende Untersuchung: Die Verwaltung prüft dabei Chancen und Risiken einer Neuausrichtung im Tourismus.

Von Kurt Knaudt

Kommentar: Fusion könnte den großen Knall verhindern

Die Naheland-Touristik steht vor einer Zerreißprobe: Im Kreis Birkenfeld geht nach der VG Birkenfeld, die bereits ausgetreten ist, offenbar auch die Verbandsgemeinde Baumholder auf Distanz.

Kurt Knaudt Kommentar
Kurt Knaudt

Auch in der VG Herrstein und der Stadt Idar-Oberstein gibt es Kritik. Sie alle fühlen sich als neue Nationalparkregion gegenüber dem Kreis Bad Kreuznach vernachlässigt. Das anhaltende Murren ist Ausdruck einer zunehmenden Unzufriedenheit, die irgendwann zu einem großen Knall führen könnte. Das wäre dann das Ende aller gemeinsamen Anstrengungen im Tourismus an der Nahe.

So weit sollte man es nicht kommen lassen. Hier ist der Landrat als Krisenmanager gefordert: Unter seiner Führung gilt es, eine gemeinsame Tourismusstrategie für den Kreis Birkenfeld und die Nationalparkregion zu erarbeiten – und herauszufinden, wie und wo diese am besten umgesetzt werden kann. Klein-Klein ist dabei aber definitiv der falsche Weg. Denn entscheidend ist nicht die lokale oder regionale Perspektive: Touristen denken nicht in Kreis- oder gar VG-Grenzen, sondern in größeren Einheiten.

Der Königsweg könnte deshalb eine Fusion zwischen der Naheland- und der Hunsrück-Touristik sein, deren Zuständigkeitsgebiete ohnehin nicht sauber zu trennen sind.

E-Mail an kurt.knaudt@rhein-zeitung.net

Idar-Oberstein Birkenfeld
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