40.000
Aus unserem Archiv
Koblenz

Schmidtenhöhe: Weidelandschaft ist ein voller Erfolg

Als Vorzeigeprojekt wurde auf der Koblenzer Schmidtenhöhe vor knapp zwei Jahren eine halb offene Weidelandschaft ins Leben gerufen. Jetzt sind die Experten begeistert, wie gut der Plan aufgegangen ist. Das Ziel: Auf einem Areal von 130 Hektar soll eine Herde von Taurusrinder und Konik-Pferden leben und weiden und so das Vordringen der Baum- und Buschlandschaft verhindern.Kein Teaser vorhanden

Eine wahre Idylle ist auf der Schmidtenhöhe entstanden: 57 Taurusrinde und 11 Konikpferde leben derzeit in der halb offenen Weidelandschaft.
Eine wahre Idylle ist auf der Schmidtenhöhe entstanden: 57 Taurusrinde und 11 Konikpferde leben derzeit in der halb offenen Weidelandschaft.
Foto: Peter Karges

Die erste Bestandsaufnahme für das Gebiet, das der Naturschutzbund (Nabu) Rheinland-Pfalz unterhält und das einer Fläche von ungefähr 174 Fußballfeldern entspricht, fällt durchweg positiv aus: "Dass sich nach so kurzer Zeit bereits die angestrebte Savannenstruktur ansatzweise erkennen lässt, haben wir nicht erwartet", sagt Otrud Stridde vom Umweltamt der Stadt Koblenz.

Ein wichtiger Lebensraum ist die Schmidtenhöhe nicht zuletzt für Amphibien. Während das Gelände noch von der Bundeswehr genutzt wurde, sorgten deren Panzer dafür, dass sich auf der Höhe immer wieder Tümpel bildeten, die für die Tiere einen idealen Lebensraum darstellen. Mit der Stilllegung des Truppenübungsplatzes drohten diese Tümpel zu verschwinden. "Dank der Taurusrinder und der Konik-Pferde konnte allerdings der Prozess der Verbuschung dieser Tümpel zumindest gestoppt werden", betont der rheinland-pfälzische Nabu-Vorsitzende. Denn: Die Tiere fressen nicht nur die Binsen, Weiden und Schilfe von den Tümpeln weg. Sie zertrampeln auch die Uferränder und sorgen so für eine Vegetationsarmut, wie sie manche Amphibien lieben.

Neben vielen Molcharten leben so auf der Schmidtenhöhe auch die Gelbbauchunke sowie der Laubfrosch. "Letzteren gibt es in Rheinland-Pfalz sonst nur noch im Westerwald und in der Südpfalz", so Siegfried Schuch.

Außer von Amphibien wird der ehemalige Truppenübungsplatz auch von 136 Vogelarten geschätzt, darunter der Baumpieper, der Raubwürger und der Neuntöter. Schuch: "Vom Neuntöter haben wir mittlerweile 22 Brutpaare auf der Schmidtenhöhe". Dass es dem bis zu 18 Zentimeter großen Vogel hier so gut gefällt, liegt auch wieder an den Taurusrindern, beziehungsweise an deren Mist. So produzieren 25 Rinder pro Tag bis zu eine Tonne Kot. Und in diesem Kot lebt der Dungkäfer, der unter anderem beim Neuntöter bevorzugt auf dem Speiseplan steht. Zur Artenvielfalt auf der Schmidtenhöhe tragen neben unzähligen Insekten zudem auch 426 verschiedene Pflanzenarten bei, darunter etliche Orchideen.

Ob die Rinder und Pferde ausreichen, um langfristig die Verbuschung zu stoppen, muss sich laut Schuch noch zeigen. "Wir müssen in zwei bis drei Jahren schauen, wie die Situation ist. Nötigenfalls müssten wir dann mit einem Pflegeeinsatz das Gelände bearbeiten."

Militärfahrzeuge sind auf dem Gelände der Schmidtenhöhe übrigens nicht ganz verschwunden. Der Koblenzer Verein "Military Vehicule Drivers" veranstaltet jedes Jahr auf der Fläche oberhalb von Arzheim und Pfaffendorf ein Camp für Liebhaber alter Militärfahrzeuge. Das kommende Camp wird vom 1. bis 4. September hier oben stattfinden. Mit Genehmigung des Nabu werden auch Teile der halb offenen Weidelandschaft in das Camp mit einbezogen.

"Die Tiere werden dafür eigens in einen kleineren Bereich gebracht, der aber immer noch die Größe von 55 Fußballfeldern hat. Und für die Militärfahrzeuge suchen wir spezielle Trassen im Gelände raus", sagt Schuch. Hintergrund der Aktion ist, dass die Militärfahrzeuge auf diesen Trassen die Vegetation bis auf den Boden beseitigen. Schuch: "Für gewisse Käferarten ist dieser Rohboden unverzichtbar. Und die Rinder und Pferde können zwar das Gras kurz halten, aber sie können keinen Rohboden schaffen."

Peter Karges

Herde hat die Grenze erreicht

Die Herde der Taurus-Rinder umfasst mittlerweile 57 Tiere. Damit ist die Obergrenze für das Beweidungskonzept erreicht. Seit Beginn der Aufzucht wurden auf der Schmidtenhöhe 18 Kälber geboren. Um die Grenze halten zu können, werden in diesem sieben, im kommenden Jahr 15 Rinder geschlachtet. Die Herde der Konik-Pferde umfasst zurzeit elf Tiere. Nachdem fünf Fohlen geboren wurden, ist auch hier die Obergrenze erreicht. Ein Hengst befindet sich deshalb zurzeit nicht unter der Herde. pka

Koblenz
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Online regional
Nina Borowski

Nina Borowski

Regio-CvD Online

 

Mail

epaper-startseite
Wetter
Montag

11°C - 19°C
Dienstag

6°C - 15°C
Mittwoch

5°C - 12°C
Donnerstag

4°C - 11°C
News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
Bildergalerie: Fotos unserer Leser
Kaiser Wilhelm und Seilbahngondel bei Sonnenuntergang. Die Aufnahme machte Thorsten Kolb aus Zirl im Spätsommer bei Sonnenuntergang an der B42 in Ehrenbreitstein.

Mit der Kamera an Rhein und Mosel unterwegs: Hier zeigen wir die schönsten Fotos unserer Leser. Zusenden per E-Mail.

Serie: Koblenzer Stadtgeschichte
Koblenzer Stadt-Geschichten

Redakteur Reinhard Kallenbach greift historische Begebenheiten der Stadt auf