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Sinzig

Naturschutz: Grasen bald Wasserbüffel an der Ahrmündung?

Judith Schumacher

Ein malerisches Bild könnte bald Realität werden: grasende Wasserbüffel am einzigartigen Mündungsdelta der Ahr, an dessen Ufern barrierefreie Holzstege Besucher zu komfortablen Rastplätzen und Aussichtstürmchen mit Info-Tafeln leiten.

Robuste Rassen wie diese Wasserbüffel wären für die Beweidung der Ahrmündung geeignet.
Robuste Rassen wie diese Wasserbüffel wären für die Beweidung der Ahrmündung geeignet.
Foto: Roland Weihrauch/dpa

Dieses idyllische Szenario vor Augen führten bei ihrer jüngsten Sitzung den Mitgliedern des Sinziger Haupt- und Finanzausschusses Stefan Backes vom Referat Naturschutz der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord und Maximilian Scholl im Rahmen des Förderprogramms „Tourismus für alle“ des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Schon lange stehen solche Ideen im Raum, nun könnten sie bis zur Landesgartenschau im Jahr 2022 in Bad Neuenahr-Ahrweiler wahr werden.

Und das, ohne dass die Stadt Sinzig viel Geld in die Hand nehmen muss. Referent Backes präsentierte den Ausschussmitgliedern sein Konzept zur Beweidung des Ahrmündungsgebiets mit Robust-Rassen, was zu einer weiteren Entwicklung der Artenvielfalt (Biodiversität) führen würde. Als Beispiel führte er das Vorzeigeprojekt Schmittenhöhe, einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Koblenz an, wo ähnlich verfahren wurde und das mittlerweile ganze Besucherströme anlockt.

Die aufwendig renaturierte Ahrmündung liegt im FFH (Flora, Fauna, Habitat)-Gebiet Natura 2000 und ist zudem Natur- und Vogelschutzgebiet. Das Land sieht darin die besten Voraussetzungen für die Beweidung des Deltas mit Robust-Rassen. Hierfür müsste das 53 Hektar große Mündungsgebiet umzäunt, das vorhandene Wegenetz ausgebaut, ein Unterstand für die Tiere nahe eines Wäldchens gebaut und ein Tierwart eingestellt werden, der einmal täglich nach den Wasserbüffeln sieht. Finanziert würde das Ganze zu 100 Prozent vom Land.

„Allerdings gehören von den 53 Hektar, auf denen das Vieh weiden könnte, einige Privatleuten, die sich für eine solche Nutzung einverstanden erklären müssten – hier sind noch Gespräche zu führen“, so Backes. Allerdings sieht er kein Problem darin, die robusten Weidetiere mit anderen Tieren wie Pferden zusammen zu halten, da Wasserbüffel keine Revierkämpfe austrügen. „Rumänische Wasserbüffel sind nicht so exotisch, wie man vielleicht denken mag, sie eignen sich vor allem für die Beweidung von Feuchtwiesen, sind sehr gute Schwimmer, anspruchslose Futterverwerter und haben ein friedfertiges Gemüt“, stellte Stefan Backes sein Konzept vor, das schon lange in seiner Schublade lag. Auch eine Herde von Konik-Ponys könne auf den Weiden angesiedelt werden. „Aber das Ganze hat keinen Streichel-Zoo-Charakter“, betonte Backes.

Selbst bei einem möglichen Verzicht auf die privaten Flächen bleiben noch rund 40 Hektar, die im städtischen Besitz sind. Erstmals mit dem Projekt konfrontiert, zeigten die die Ausschussmitglieder und Bürgermeister Andreas Geron äußerst angetan. „So ein Rundum-sorglos-Paket würde ich mir öfter wünschen“, sagte Geron.

Ohne die Zustimmung der kommunalen Behörden und der Politik geht es allerdings nicht. „Es wird nicht einfach, das Projekt zu stemmen, aber wenn wir die nötige Unterstützung bekommen, kriegen wir das hin“, zeigte sich der Naturschutz-Referent zuversichtlich. Alternativ-Flächen gibt es auch: So etwa im Bereich der Goldenen Meile in Remagen-Kripp.

Soll das Weideprojekt zeitgleich mit dem weiteren Vorhaben der touristisch wirksamen barrierefreien Holzstege-Anlage fertig werden, drängt die Zeit. „Das EFRE-Förderprogramm läuft im Jahr 2022 aus, bis dahin müsste die behindertengerechte Holzstege-Anlage, die zu 85 Prozent gefördert wird, fertig sein“, stellte Maximilian Scholl fest. Besucher würden gezielt geleitet, auch durch die Anlage von undurchdringlichen dornigen Sträuchern und Gehölzen. „Das bringt zum einen Lebensqualität und dient gleichzeitig dem Naturschutz“, betonte Scholl. Die Holzstege würden dann an den Rundweg des Weideprojekts andocken. Es müsste zudem ein Parkplatz am Einstieg des Holzsteges angelegt werden, auch ein kleines Info-Zentrum, in dem Naturerlebnis-Pädagogik erlebbar gemacht würde, ist angedacht. Dies könne in Verbindung mit dem Sinziger Bootshaus entstehen.

Vorbei ist im Falle der Verwirklichung beider Projekte dann allerdings wohl endgültig das Planschen und Schwimmen in diesem Bereich der Ahr, ebenso das Angeln, das Betreten illegaler Pfade oder die beliebten Zusammenkünfte von Jugendlichen samt illegalem Lagerfeuer oder Vermüllung des Mündungsgebietes. „Das ist schon heute nicht zulässig aufgrund des Naturschutzstatus'. Bestandteil der Konzeption ist aufgrund der Hütesicherheit der Weidetiere auch die Umzäunung“, so Stefan Backes. Dieser „Mitnahmeeffekt“ bringe es mit sich, dass sich das große Potenzial des Gebietes dann aufgrund dieser ausgeschlossenen Störungen erst richtig entwickeln kann.

Von unserer Mitarbeiterin Judith Schumacher

Bad Neuenahr-Ahrweiler
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