40.000
Aus unserem Archiv
Fürfeld

Windenergie, 146 Meter hoch: Räder auf dem Fürfelder Deutling drehen sich nach Blitzschlag wieder [Video]

Stefan Munzlinger

Donnerstagnachmittag, punkt 14 Uhr: Die sieben Windräder der Energiegesellschaft (EGF) Fürfeld drehen sich wieder. Nach 23 Tagen des Stillstandes. Grund dafür war ein Blitzschlag am Morgen des 23. Mai (8.16 Uhr).

Quelle: YouTube (erweiteter Datenschutzmodus)

Matthias Pravetz, Geschäftsführer der Fürfelder Energiegesellschaft (EGF), am Donnerstagnachmittag gegen 16 Uhr auf der Kanzel des Enercon 101, das 3,05 Megawatt Strom erzeugen kann. Der EGF gehören weitere sechs Räder, fünf E101 und eines mit einer Leistung von 2,03 Megawatt. Sie alle erzeugen zusammen einen Windstrom im Gegenwert von 10.000 Euro pro Tag. Video: Stefan Munzlinger

Der Schlag beschädigte die Schaltanlage der Übergabestation und damit die zentrale Stelle, an der der erzeugte Windstrom ans Netz abgegeben wird. Zwei 12,5-Megawatt-Ka-belbündel müssen ersetzt werden. Das passiert in den nächsten Wochen; bis dahin behilft man sich mit einem betriebssicheren Provisorium, erklärte EGF-Geschäftsführer Matthias Pravetz auf Anfrage am Donnerstagnachmittag. Voltaris, eine Tochter der Pfalzwerke, und Uesa, ein Schaltanlagenbauer aus Brandenburg, hätten ganze Arbeit geleistet, staunt auch Pravetz: „Die waren echt stark.“

220 000 Euro Stromeinnahmen wären der Energiegesellschaft Fürfeld durch die sillstehenden Windräder entstanden, hätte sie keine Betriebsunterbrechungsversicherung.

Grob geschätzter technischer Schaden durch den Blitzschlag: 35.000 Euro. Eine Versicherung (HDI) wird ihn regulieren. Weit höher ist der Einnahmeausfall. Denn in den vergangenen drei Wochen wurde am Deutling, auf dem sich die sieben Räder der EGF seit 2013 drehen, kein Strom erzeugt. Das bedeutet einen Einnahmeausfall von 10.000 Euro am Tag. Macht zusammen 220.000 Euro, die die EGF nicht einfahren konnte. Ob dieser Ausfall in starken Windzeiten wieder ausgeglichen werden kann? Das muss die EGF nicht, sie hat vorgebaut: „Wir haben eine Betriebsunterbrechungsversicherung.“ Die hafte für alle Einnahmeausfälle und eine andere Versicherung für die Baukosten. Das ist gut.

Das Enercon 101 auf dem Deutling bei Fürfeld – am höchsten Punkt Rheinhessens.
Das Enercon 101 auf dem Deutling bei Fürfeld – am höchsten Punkt Rheinhessens.
Foto: Stefan Munzlinge

Gut für die Gesellschafter: die Anstalt des öffentlichen Rechts (AöR) mit den Dörfern der Alt-VG Bad Kreuznach (außer Pleitersheim und Pfaffen-Schwabenheim) mit 4 Millionen Euro Einlage, die Kreuznacher Stadtwerke mit 3,6 Millionen, die Pfarreivermögensverwaltung in der Evangelischen Kirche Hessen/Nassau mit 1,6 Millionen, Mathias Pravetz und seine Frau Daniela Körner mit jeweils 100.000 und der Biebelsheimer EGF-Mitinitiator Volker Lorenz vom AöR-Vorstand mit seinen 50.000 Euro. Die EGF zahlt an Fürfeld 89.000 Euro Gewerbesteuer, 30.000 Euro Pacht und 12.000 Euro für ihren Anteil an der Windpark-AöR.

Nicht nur bei Naturereignissen wie Gewittern stehen die Räder. Die EGF hat eine Vereinbarung mit dem Umweltschutz-BUND. Demnach werden drei Räder in der Zeit der Mahd und bei Ernten, meist drei Tage im Jahr, gestoppt. Während des Mähvorgangs werden Mäuse und andere Kleinlebewesen aufgeschreckt und kommen aus ihren unterirdischen Behausungen. Was wiederum jagende Milane anlockt. Damit die nicht von den Rotoren verletzt werden, stehen die Stromräder kurz still.

Auf die Hauptkritikpunkte an den Windrädern reagiert Matthias Pravetz routiniert: Verspargelung der Landschaft? „Das kann man mit Blick auf den Deutling nicht sagen“, findet er. Und dass es sich bei der Windkraft um eine vom Staat übersubventionierte Energieform handele, sieht er anders: „Jede Tonne C02, die bei der Energieerzeugung eingespart wird, ist gut den Umweltschutz.“ Und er blickt aufs „Smart Village“-Projekt des Landes. Ende 2018 soll das Fürfeld-Konzept dafür fertig sein.

Von unsere Redakteur Stefan Munzlinger

Auf dem Dach des Enercon 101: Mit Helm und Karabinern am höchsten Punkt Rheinhessens

Schwindelerregend oder euphorisierend: Wer den Aufstieg zur Ro-torkanzel durch den 1000 Tonnen schweren und unten zwölf und oben drei Meter durchmessenden Windradturm des Enercon 101 bei Fürfeld plant, sollte sich vorher fragen: Kann ich das? Und komme ich wieder runter? Oder krieg ich mittendrin die Krise?

EGF-Geschäftsführer Matthias Pravetz (links) und Redakteur Stefan Munzinger auf der Windradkanzel.
EGF-Geschäftsführer Matthias Pravetz (links) und Redakteur Stefan Munzinger auf der Windradkanzel.
Foto: MZ

Außerdem: Die Luken und Leitern sind nix für Übergewichtige, eng und knapp dimensioniert geht's im Turm zu. Festes Schuhwerk (bitte keine Sommerschläppchen) und robuste Handschuhe braucht es für einen sicheren Aufstieg. Unten am Boden wird ein Körpergurt angelegt mit zwei Karabinerhaken und einer Laufschiene, die man später oben in der Wanderleiter einführt.

Sie hakt sofort ein, wenn man ausrutscht oder nach unten fällt. Im engen Personenaufzug, von vier dünnen Stahlseilen bewegt, geht's ab der Turmbasis hinauf auf gut 130 Meter – wackelig und kritisch für Ängstliche. Aus dem Aufzug geht es direkt an die Innenwandleiter, über die man zwölf Meter hoch bis zur ersten Luke der rund vier Meter hohen Kanzel steigt. Jetzt noch drei kurze Leitern rauf und schon ist man an der Luke, durch die es aufs Dach der Kanzel geht. Höhe dort: knapp 146

Meter. Der Fürfelder Deutling misst 323 Meter, macht 469 Meter – der höchste Punkt Rheinhessens. Draußen auf einer kleinen Plattform Karabinerhaken in eines der stabilen Rohre gehängt und Blick gradeaus. Welch ein Panorama. Leise bewegen sich die drei jeweils 20 Tonnen schweren und 50,5 Meter langen Rotoren des Windrads. Die Kanzel bewegt sich leicht drehend in den spürbaren Wind. Elektrisierend! mz

Bad Kreuznach
Meistgelesene Artikel
Anzeige
Anzeige
Online regional

Bettina TollkampBettina Tollkamp
Chefin v. Dienst
Online
E-Mail

News aus Ihrer Region - Lokalteil wählen
wissenlinz,neuwiedremagenmontabaurandernach,mayenkoblenzdiezbademszellsimmernbirkenfeldkirn,badsobernheim,meisenheimbadkreuznach
UMFRAGE (beendet)
Markt am Samstag?

Das Mainzer Markt-Frühstück ist ein Kult-Event. Wäre das auch etwas für Bad Kreuznach?

Ja, unbedingt!
67%
Nein, eher nicht.
33%
Stimmen gesamt: 141
Anzeige
Regionalwetter
Dienstag

8°C - 14°C
Mittwoch

11°C - 16°C
Donnerstag

7°C - 17°C
Freitag

6°C - 14°C
epaper-startseite