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    RümmelsheimBeweise in den Akten gesucht: Schlummert bei Rümmelsheim giftiger Müll?

    Bei der Verfüllung der ehemaligen Kiesgrube „Rümmelsheim 2“ ging es nicht mit rechten Dingen zu, und es wurde umweltgefährdendes Material eingebracht. Diesen Verdacht sehen die Mitglieder des Vereins Lebensraum Untere Nahe nach einer ersten Akteneinsicht in die Verfüllungsgenehmigungen beim Landesamt für Geologie und Bergbau (LGB) bestätigt.

    Rümmelsheim II
    Der ehemalige Tagebau Rümmelsheim II: Im Vordergrund ist das Bohrloch für die Bodenprobenentnahme zu sehen.
    Foto: Dieter Ackermann

    Das unterstrich Vereinsgründer und Vorsitzender Dr. Gerhard Stumm in der jüngsten Mitgliederversammlung in der Trollbachhalle in Rümmelsheim. In mehr als sechs Stunden hatten Stumm, Wolfgang Grötzner und Harald Wolf 9 von insgesamt 20 Ordnern durcharbeiten können. Am kommenden Mittwoch wird die Einsichtnahme fortgesetzt.

    „Auf dem Papier ist alles gut geregelt, doch hat die verfüllende Firma Gaul in buchstäblichen Sinne gemacht, was sie wollte, ohne dass es Folgen hatte bis zum heutigen Tag.“ So lautet Stumms Fazit der ersten Einsichtnahme. Der Verein hat sich mit seinen Bedenken auch an Wirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) gewandt, der laut Stumm aber noch nicht geantwortet hat. Auch Justizminister Herbert Mertin (FDP) wurde angeschrieben. Von Mertin liegt dem Vereinsvorstand bereits eine Antwort vor. Demnach hat der Justizminister das Schreiben an den Generalstaatsanwalt weitergeleitet und dieser im weiteren Dienstweg an die zuständige Staatsanwaltschaft. Darüber hinaus will der Verein eine Stellungnahme der Landesregierung einholen. Eine entsprechende Initiative für eine Kleine Anfrage über einen Landtagsabgeordneten wurde auf den Weg gebracht.

    Zweifel an Unternehmensangaben

    Zu den Punkten, die von den drei Vereinsmitgliedern bei der ersten Einsichtnahme vergangene Woche festgestellt wurden, gehören Abweichungen von den Vorgaben der Verfüllungsgenehmigung. Aus den Dokumenten gehe hervor, so Stumm, dass sich das Unternehmen in der überwiegenden Zahl der Fälle nicht an die Obergrenze von 1000 Kubikmeter unbelastetem Bauaushub pro Anlaufstelle gehalten habe. Zudem habe die Firma Gaul nicht wie gefordert die Überschreitung dieser Obergrenze jeweils angezeigt.

    Ein weiteres Versäumnis sehen die Vereinsmitglieder nach Aktenlage bei den regelmäßigen Untersuchungen des Materials durch ein Fremdlabor. Nach den Aufzeichnungen erfolgten die Analysen nicht wie gefordert vierteljährlich, sondern nur halbjährlich. Aus der Sicht Stumms hat das Unternehmen Gaul stets Besserung gelobt und genau das Gegenteil gemacht. Aus den Akten gehe hervor, dass bei einer Besprechung von Vertretern des LGB am 17. Dezember 2010 in den Räumen der Firma Gaul unter anderem Zweifel an den Angaben des Unternehmens zur Herkunft des Baumaterials geäußert wurden. Tatsächlich hätten in dem Gespräch Unternehmensvertreter diese Vermutung bestätigt und erklärt, dass man aus betriebsinternen logistischen Sachverhalten heraus Baustellenbezeichnungen hinzugefügt habe, wenn die Obergrenze von 1000 Kubikmetern überschritten worden sei, um die Aushubmaßnahmen besser nachvollziehbar zu machen und Baumaßnahmen zügig abwickeln zu können.

    Analysen belegen Belastung

    In den Unterlagen hat Stumm etwa Analysen eines Labors zum Aushubmaterial vom Güterbahnhof Frankfurt/Main gefunden, wonach der Abraum belastet war, und das möglicherweise mit krebserregenden Stoffen. Aus der Sicht der Vereinsmitglieder haben die Mitarbeiter des LGB bei der Verfüllung der Kiesgrube durch Gaul „mehr als geschlafen“. Unter anderem ist das für Stumm in den Akten nachvollziehbar damit belegt, dass die zum 1. März 1999 wirksam gewordene Änderung der Verfüllrichtlinien dem Unternehmen erst am 21. Mai 2003 als Änderungsbescheid zugingen.

    Weitere Auffälligkeiten ergeben sich für Stumm aus den Arbeitsnachweisen der Mitarbeiter des Unternehmens, die vor Ort in der Kiesgrube tätig waren. Zu mehr als 90 Prozent endeten die Zeiten bei circa 19 Uhr, entnahm Stumm den Unterlagen. Dies steht für ihn im Widerspruch zu den Beobachtungen zahlreicher Rümmelsheimer Bürger, die Arbeitseinsätze in der Kiesgrube mit bis zu drei Raupen und teils bis weit nach Mitternacht registrierten. „Wir werden nicht locker lassen“, betont Stumm im Hinblick auf mögliche Umweltfolgen der Verfüllung, die erst Jahrzehnte später auftreten könnten.

    Dieter Ackermann

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